Schwäbische Kunde

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Author:
Anonymous
ID:
142073
Filename:
Schwäbische Kunde
Updated:
2012-03-17 07:10:47
Tags:
ballade german ludwig uhland schwäbische kunde
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Ballade: Ludwig Uhland, Schwäbische Kunde
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  1. Als Kaiser Rotbart lobesam
    zum heil'gen Land gezogen kam,
    da mußt' er mit dem frommen Heer
    durch ein Gebirge wüst und leer.
  2. Daselbst erhob sich große Not.
    Viel Steine gab's und wenig Brot.
    Und mancher deutsche Reitersmann
    Hat dort den Trunk sich abgetan.
  3. Den Pferden ward so schwach im Magen,
    fast mußt der Reiter die Mähre tragen.
  4. Nun war ein Herr aus Schwabenland,
    von hohem Wuchs und starker Hand.
    Des Rößlein war so krank und schwach,
    er zog es nur am Zaume nach.
  5. Er hätt' es nimmer aufgegeben,
    und kostet's ihn das eig'ne Leben.
    So blieb er bald ein gutes Stück
    hinter dem Heereszug zurück.
  6. Da sprengten plötzlich in die Quer
    fünfzig türkische Reiter daher!
    Die huben an, auf ihn zu schießen
    nach ihm zu werfen mit den Spießen.
  7. Der wackre Schwabe forcht' sich nit,
    ging seines Weges Schritt vor Schritt,
    ließ sich den Schild mit Pfeilen spicken
    und tät nur spöttlich um sich blicken,
  8. bis einer, dem die Zeit zu lang,
    auf ihn den krummen Säbel schwang.
  9. Da wallt dem Deutschen auch sein Blut.
    Er trifft des Türken Pferd so gut,
    er haut ihm ab mit einem Streich
    die beiden Vorderfüß zugleich.
  10. Als er das Tier zu Fall gebracht,
    da faßt er erst sein Schwert mit Macht,
    er schwingt es auf des Reiters Kopf,
    haut durch bis auf den Sattelknopf,
  11. haut auch den Sattel noch zu Stücken
    und tief noch in des Pferdes Rücken.
    Zur Rechten sah man wie zur Linken
    einen halben Türken heruntersinken.
  12. Da packt die andern kalter Graus,
    sie fliehn in alle Welt hinaus,
    und jedem ist's, als würd ihm mitten
    durch Kopf und Leib hindurchgeschnitten.
  13. Drauf kam des Wegs 'ne Christenschar,
    die auch zurückgeblieben war;
    die sahen nun mit gutem Bedacht,
    welch Arbeit unser Held gemacht.
  14. Von denen hat's der Kaiser vernommen,
    der ließ den Schwaben vor sich kommen;
    er sprach: "Sag an, mein Ritter wert!
    Wer hat dich solche Streich gelehrt?"
  15. Der Held besann sich nicht zu lang:
    "Die Streiche sind bei uns im Schwang!
    Sie sind bekannt im ganzen Reiche;
    man nennt sie halt nur Schwabenstreiche!"
  16. Johann Ludwig „Louis“ Uhland (* 26. April 1787 in Tübingen; † 13. November 1862 ebendort) war ein deutscher Dichter, Literaturwissenschaftler, Jurist und Politiker.

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