Soziale Ungleichheit.txt

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ttrl
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232900
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Soziale Ungleichheit.txt
Updated:
2013-09-04 17:58:54
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ungleichheit
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Soziale Ungleichheit
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  1. Definition: Soziologie
    • eine Wissenschaft, welche soziales Handeln deutend verstehen und dadurch in seinem Ablauf und seinen Wirkungen ursächlich erklären will
    • es geht der Soziologie also um kollektives bzw. aggregiertes soziales Handel
  2. Definition: Sozialstruktur
    • Verteilung von Handlungsdeterminanten in der Bevölkerung
    • ist das Resultat von menschlichen Handeln
  3. Definition: Sozialstrukturanalyse
    beschäftigt sich mit der Verteilung von Handlungsdeterminanten in der Bevölkerung und damit mit den wichtigsten Elementen, die das Verhalten der Akteure erklären können.
  4. Definition: Ungleichforschung
    • Unterpunkt der Sozialstrukturanalyse
    • es geht um die Verteilung von Handlungsressourcen und -ristriktionen
    • klassisch, es fehlt Betracjtugn der Handlungsziele und -partner
  5. Definition: Lebensstilforschung
    • Unterpunkt der Sozialstrukturanalyse
    • es geht um die Handlungsziele der Akteure
  6. Definition: Milieuanalyse
    es geht um die Handlungspartner der Akteure
  7. Definition: Soziale Ungleichheit
    • sozial erzeugte Verteilung von Handlungsressourcen und -ristriktionen
    • ist strukturiert, da nicht zufällig und daher bestimmbar
    • vertikal: in Schichten oder Klassen
    • horizontal: etwa Geschlecht, Religion, Region, etc.
    • ist an historische Zeit gebunden und damit nie objektiv
  8. Definition: Soziale Handlung / Handlungsdeterminanten
    • Handlungsressourcen: jede Fähigkeit und jeder Gegenstand unter der Kontrolle des Akteurs, die ihm das Erreichen seiner Ziele ermöglicht, empirisch vielfältig, jedoch monetäre Ressourcen und Wissen bzw. Bildung mit größten Einfluss
    • Handlungsrestriktionen: jedes soziale und materielle Phänomen, dass den Handlungsspielraum der Akteure einschränkt und nicht unter ihrer Kontrolle steht, empirisch sehr vielfältig
    • Handlungsziele:
    • Handlungspartner:
  9. Definition: Macht und Prestige
    • basieren zwar auf der Verteilung von Ressourcen, es sind aber keine distributiven, d. h. in der Bevölkerung verteilten Merkmale der Akteure, sondern relationale Merkmale der Beziehungen zwischen Akteuren
    • es sind Folgen sozialer Ungleichheit, aber nicht Bestandteile sozialer Ungleichheit
  10. Kapitalsorten (nach Pierre Bourdieus)
    • Ökonomische Kapital
    • Kulturelles Kapital: inkorporierte kulturelle Kapital (erlernte Fähigkeiten, benötigen Zeit), objektivierte kulturelle Kapital (Gegenstände, welche jedoch erst durch inkorporierte kulturelle Kapital einen Wert erhalten), institutionalisiertes kulturelles Kapital(Bildungstitel)
    • Soziales Kapital: Ressourcen auf Grund von Gruppen- und Netzwerkzugehörigkeit
    • Symbolisches Kapital: basiert auf Wahrnehmung und Anerkennung und sehr ähnlich zu Prestige
  11. Theorie: Rationale Handeln (Homo Oeconomicus)
    • Menschen Handeln zielgerichtet, nutzenmaximierend
    • haben dabei Präferenzen, Motive und Ristriktionen
    • Kritik: Menschen nicht in jeder Situation rational, nutzendmaximierent, sondern sich oft an Routinen orientieren
  12. Theorie: Soziale Handeln (Homo Sociologicus)
    • Theorie nach Parsons
    • Menschen nicht frei im Handeln
    • kulturell vorgeprägt bei der Wahl ihrer Ziele
    • sozial vorgeprägt bei der Wahl der Handlungsmittel
  13. Einheit der Sozialstrukturanalyse
    • Traditionell Nationalstaat
    • jedoch weltweite Ungleichheit wesentlich größer
    • jedoch nationalstaatliche Instituinen setzen wichtigste Rahmenbedingungen
  14. Gesellschaftliche Felder der Allokation von Ressourcen
    • Bildungssystem
    • verschiedene Einkommensarten (vom Wohlfahrtsstaat, von Arbeitmärkten, von wirtschaftlichen Märkten, von Kapital- und Immobilienmärkten)
  15. Theorie: funktionalistische Schichtungstheorie (nach Moore und Davis)
    • sieht Ungleichheit funktional: Aufgabe ist Personen zur Übernahme bestimmter Positionen durch Belohnung zu motivieren
    • Leistungsprinzip: wichtigste normative Rechfertigung sozialer Ungleichheit
    • Kritik: (1) es ist schwer möglich funktionale Wichtigkeit von Aufgaben zu bestimmen und daraus diese zu bewerten, (2) Gegenthese könnte sein, dass zwar Motivation breit gestreut ist, aber nicht Ressourcen, um z.B. eine teure Ausbildung zu absolvieren, (3) die Theorie erklärt ein Phänomen (Soziale Ungleichheit) von den Konsequenzen her, nicht von den Ursachen
  16. Theorie: neoklassische Wirtschafts- und Arbeitsmarkttheorie
    • Markt als zentrale Arena für Verteilung von Resourcen
    • Annahmen: (1) perfekten Markt, (2) völlig flexible Preise, (3) Arbeit sei homogen und teilbar, (4) Akteure sind rational und nutzenmaximierend
    • Dann: Märkte werden immer ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage herstellen
  17. Theorie: Humankapitaltheorie
    • erweitert neoklassische Wirtschafts- und Arbeitsmarkttheorie
    • Andere Annahme: Arbeitnehmer sind in ihrer Produktivität unterschiedlich
    • Dann: je höher die Produktivität eines Arbeitnehmer, umso höher sein Einkommen
    • Theorie hat sich bewährt, da sie ein Großteil der Sozialen Ungleichheit erklärt
    • Kritik: Theorie erklärt nicht Ungleichheit auf Grund horizontaler Dimensionen
  18. Definition: Soziale Schließung
    • widerspricht Humankapitaltheorie, da Ungleichheit nicht nur durch unterschiedliche Produktivität entsteht, sondern auch durch Monopolisierung von Chancen, bzw. Ausschluss von Personen aus der Konkurrenz
    • Schließung ist graduell zu verstehen, es geht um Chancen
  19. Definition: Diskriminierung
    Personengruppen auf Grundlage askriptiver Merkmale schlechter behandeln als andere Personengruppen
  20. Definition: Stereotypen
    • generalisierte Überzeugungen hinsichtlich der Merkmale und Attribute bestimmter Gruppen
    • Stereotypen kann auch zur Verringerung der tatsächlichen Leistungsfähigkeit bei Gruppen führen
  21. Defintion: Voruteile
    spezifische Bewertungen oder affektive Haltungen zu diesen Gruppen bezeichnet
  22. Definition: Ausbeutung (nach Erik O. Wright)
    • hoher Wohlstand einer Gruppe hängt ursächlich vom geringen Wohlstand einer anderen Gruppe ab
    • Beziehung der Gruppen beruht auf Ausschluss von zentralen Produktionsmitteln
    • Beziehung der Gruppen schließt Aneignung der Arbeitsergebnisse der einen durch die andere ein
    • ist ein Spezialfall von Sozialer Schließung
  23. Gründe von Diskriminierung
    • Personen mit autoritären Merkmalen neigen zu Diskriminierung
    • auf Grund von Vorurteilen über bestimmte Gruppen
    • auf Grund bestimmter Bedürfnisse, wie z.B. Stärkung der eigenen Identität
  24. Definition: Soziale Institutionen
    • Institutionen sind sozial weitgehend anerkannt und durch Sanktionen gestützte Regeln, die in allen gesellschaftlichen Feldern existieren und bei der Entstehung von Ungleichheit immer beteiligt sind
    • daher sind Institutionen typischerweise auch umkämpft, wobei die gesellschaftlichen Akteure ihre Machtressourcen einsetzen, um die Institutionen im Sinne ihrer eigenen Interessen zu verändern
  25. Theorie: Reproduktion von Ungleichheit
    Theorien sozialer Ungleichheit enthalten häufig die Annahme, dass in Gesellschaften eine Reproduktion sozialer Ungleichheit stattfindet. Dabei wird unterstellt, dass die Akteure Ressourcen einsetzen, um andere Ressourcen zu erwerben. Mit Hinweis auf die Theorie funktionaler Differenzierung und Bourdieus Kapitaltheorie wurde hier allerdings verdeutlicht, dass es hinsichtlich der Investierbarkeit und Konvertierbarkeit von Ressourcen durchaus Grenzen gibt. Zudem existieren auch gesellschaftliche Prozesse, die die Reproduktion sozialer Ungleichheit unterbrechen. Diese resultieren aus der Unabgestimmtheit des Handelns in unterschiedlichen sozialen Feldern und aus der Konkurrenz zwischen Akteuren, die zu grundlegenden Innovationen führt. Schließlich muss auch berücksichtigt werden, dass die Akteure auch Fehlinvestitionen treffen können, so dass es nicht zu einer Reproduktion von Ungleichheit kommt.
  26. Theorie: Kumulative Prozesse der Ressourcenverteilung
    In kumulativen Prozessen des Ressourcenzuwachses kann aus kleinen Unterschieden zwischen Personen im Zeitverlauf eine relativ große Ungleichheit erwachsen. Dies konnte am Relativalterseffekt demonstriert werden. Diese Prozesse treten aber nicht automatisch ein, sondern sind von spezifischen Bedingungen abhängig, die in der Ungleichheitsforschung berücksichtigt und analysiert werden müssen.
  27. Überblick über Ansätze zur sozialen Ungleichheit
  28. Theorie: Soziale Klassen (nach Karl Marx)
    • teilt die Bevölkerung eines Landes allein auf der Grundlage ökonomischer Kriterien in verschiedene Kategorien, also Klassen, ein
    • diese objektive Klassenzugehörigkeit prägt das Handeln und das Bewusstsein der Menschen
    • das Verhältnis von Kapitalisten und Arbeitern ist durch eine Ausbeutungsbeziehung (Kontrolle von Produktionsverhältnissen) charakterisiert
    • Kritik: berücksichtigt nur ökonmische Faktoren, andere Faktoren werden aber zunehmend wichtiger
  29. Theorie: Soziale Klassen (nach Max Weber)
    • basiert auf unterschiedlichen Marktchancen
    • es gibt eine Vielzahl von Klassenlagen, die auf der Ausstattung mit nach Höhe und Art differenzierten Ressourcen basieren
    • ganze Reihe von unterschiedlichen Gruppen, die ihre je spezifischen Interessen verfolgen
    • Personen mit gleicher Klassenlage haben nicht zwangsläufig ein gemeinsames Bewusstsein
    • unter sozialer Klasse versteht er die Anzahl aller Klassenlagen, zwischen denen Personen in ihrem eigenen Lebensverlauf und in der Generationenfolge leicht wechseln können und zwischen denen Wechsel häufig stattfinden
    • Kritik: berücksichtigt nur ökonmische Faktoren, andere Faktoren werden aber zunehmend wichtiger
    • Vorteil: kann qualitativen Differenzen in der Ressourcenausstattung von Akteuren besser erfassen
    • Ökonomische Aspekte stehen im Vordergrund. Insbesondere die Stellung im Produktionsprozess und der Besitz oder der Nicht-Besitz von Produktionsmitteln sind für die Klassenlage der Individuen verantwortlich, so dass sich als Hauptklassen das Proletariat und die Bourgeoisie ergeben. Zwischenklassen können aber zusätzlich Berücksichtigung finden (z.B. bei Webers Verständnis von „Klasse“ oder bei den neomarxistischen Modellen).
    • Die Zugehörigkeit zu einer Klasse hat Auswirkungen auf alle Lebensbereiche, auf innere Haltungen der Individuen und ihr Handeln. Spezifische Klasseninteressen können unter Umständen zu einem gemeinsamen Klassenbewusstsein führen.
    • Einen weiteren Schwerpunkt bilden die Relationen zwischen den Klassen, deren Interessen die Forscher als gegensätzlich ansehen: Die Modelle betonen den Klassenkonflikt, allerdings nicht überall in gleich scharfer Form (z.B. hebt Dahrendorf hervor, dass der Klassenkonflikt durch eine Institutionalisierung an Intensität verloren habe). Teilweise ergreifen die Autoren dabei die Partei der unterdrückten Arbeiterklasse.
    • Die Betrachtung dieser Relationen bringt es mit sich, dass das theoretische Interesse nicht nur auf eine Momentaufnahme gerichtet ist, sondern auf Prozesse. Damit sind weniger individuelle Mobilitätsprozesse gemeint (im Klassenmodell hat z.B. das Proletariat wenig Aufstiegschancen), sondern längerfristig der Klassenkonflikt als der Motor der gesellschaftlichen Entwicklung.
    • Klassenmodelle wollen in erster Linie anhand des theoretischen Modells die Ursachen der sozialen Ungleichheit und den sozialen Wandel analysieren. Weniger geht es um eine möglichst genaue Beschreibung der Lebensbedingungen.
  30. Theorie: Soziale Schichten
    • unterschiedliche Modelle: ein-dimensional (nur Beruf) bis mehrdimensional (Beruf, Bildung, Einkommen)
    • Kritik: schwächere theoretische Ansprüche, keine klare Abgrenzung zwischen den Schichten oder Abgrenzung schwer belegbar
    • Beispiel Berufsklassifikationen: ist ein eindimensionales Modell
    • Beispiel Prestigeskalen (z.B. Scheuch-Index): Prestige basiert auf der Anzahl der Relationen zwischen den Akteuren und damit Nähe und Distanz zwischen Gruppen
    • Beispiel Subjektive Sichteneinstufung: Klassifizierung von Personen durch eigene Einschätzung
    • Schichtbegriff verliert an Bedeutung in gegenwärtiger Gesellschaft
    • Kritik: berücksichtigt nur ökonmische Faktoren, andere Faktoren werden aber zunehmend wichtiger
    • Vorteil: lässt sich einfacher in statistische Modellen verwenden
  31. Theorie: Soziale Lage (nach Hradil)
    • Difinition: typische Kontexte von Handlungsbedingungen, die vergleichsweise gute oder schlechte Chancen zur Befriedigung allgemein anerkannter Bedürfnisse gewähren
    • Ziele der Akteure hat sich über ökonomischen Zielen hinaus auf wohlfahrtstaatliche Ziele erweitet
    • Kritik: erhöht häufig nicht die Erklärungskraft, da für gesamte Gesellschaften zu komplex, daher eher geeignet für die Beschreibung bestimmter Bevülkerungsgruppen und die vertikale Dimension in der Sozialstruktur weiterhin eine klare Dominanz ausübt
    • Difinition: Soziales Milieu: Bewertung der jeweiligen Lebenssituation hängt von Standard des Akteurs ab
    • Die Beschreibung ungleicher Lebensbedingungen, damit ungleicher Lebenschancen, steht im Vordergrund. Auch Vertreter von Schichtmodellen gehen davon aus, dass die Zugehörigkeit zu einer – in sich relativ homogenen – Schicht Einfluss auf Einstellungen und Verhalten hat (z.B. auf Heiratskreise); eine Schicht stellt jedoch nicht automatisch eine Interessengruppe dar. Die Schichten müssen sich nicht antagonistisch gegenüber stehen.
    • Die Kriterien zur Zuordnung in eine bestimmte Schicht sind häufig, theoretisch aber nicht notwendigerweise, sozioökonomisch orientiert, ggf. mit bestimmten soziokulturellen Ergänzungen: Häufig zentral sind die äußeren Merkmale Beruf (bzw. Berufsprestige), Bildung und Einkommen (bei eindimensionalen Modellen ist meist die Stellung im Beruf das ausschlaggebende Kriterium; z.B. Hartfiel 1978: 99). Die Bedeutung der einzelnen Kriterien für die Schichtzugehörigkeit kann je nach Gesellschaft und betrachtetem Zeitraum variieren.
    • Nach den ausgewählten Kriterien ergibt sich eine vorwiegend vertikale Abstufung von mindestens drei Schichten. Es handelt sich also um einen hierarchischen Aufbau mit Untergliederungen, nicht etwa um die Vorstellung eines Kontinuums. Wie die Ansätze die genaue Abgrenzung von Schichten vornehmen, ist nicht theoretisch vorbestimmt, und an den Übergängen können die an sich klar voneinander getrennten Schichten unscharf sein.
    • Eine Prozessbetrachtung meint in der Schichtungsforschung eher die Auswirkungen individueller Mobilität, die als durchaus möglich angesehen wird (indem z.B. der einzelne mehr leistet und so beruflich aufsteigt).
    • Aufgrund der Mobilitätschancen geht es nicht in erster Linie darum, Ungleichheiten möglichst zu beseitigen, sondern die Ansätze sehen soziale Ungleichheit mindestens teilweise als notwendig für die Aufrechterhaltung der gesellschaftlichen Ordnung an (so der funktionalistische Schichtungsansatz).
  32. Die Investition von Ressourcen auf Märkten
    Um Einkommen zu erzielen müssen die Akteure ihre Ressourcen, wie Bildung oder ökonomisches Kapital, auf dem Arbeitsmarkt oder als Selbständige auf anderen Märkten einsetzen. In diesem Abschnitt wurde deutlich, dass es bei der Partizipation auf Märkten deutliche Unterschiede entlang der vier berücksichtigten Dimensionen gibt. Im Vergleich zu Männern haben Frauen eine deutlich niedrigere Erwerbsquote, aber eine vergleichbare hohe Arbeitslosenquote. Darüber hinaus sind sie seltener als Selbständige und als Arbeiter tätig. Betrachtet man Westdeutsche und Ostdeutsche im Vergleich, so zeigen sich keine Unterschiede in den Erwerbsquoten, allerdings deutlich höhere Arbeitslosenquoten für die Bewohner der neuen Bundesländer. Darüber hinaus sind sie häufiger als Arbeiter und etwas seltener als Selbständige tätig. Auch im Vergleich zwischen Deutschen und Ausländern lassen sich starke Unterschiede feststellen. Zwar haben lediglich ausländische Frauen eine niedrigere Erwerbsquote als deutsche Frauen, während bei den Männern nur geringfügige Unterschiede vorliegen, doch ist die Arbeitslosenquote für Ausländer ausgesprochen hoch. Zudem weisen sie in ihrer beruflichen Stellung eine starke Konzentration auf Arbeiterpositionen auf. Eine ausgesprochen prekäre Situation auf dem Arbeitsmarkt weisen Personen ohne berufliche Ausbildung auf, die sehr niedrige Erwerbsquoten haben und darüber hinaus ausgesprochen hohe Arbeitslosigkeitsrisiken aufweisen.
  33. Entwicklung und Struktur der Einkommensverteilung
    Die Ungleichheit der Mark- und Haushaltsnettoeinkommen in der Bundesrepublik hat seit den siebziger Jahren etwas zugenommen. Im internationalen Vergleich bewegt sich das Niveau der Ungleichheit auf einem mittleren Niveau. Zudem reduziert in Deutschland der Wohlfahrtsstaat in recht starkem Maße die auf dem Markt entstehenden Einkommensdisparitäten. Relativ günstige Einkommenspositionen haben in Deutschland hochqualifizierte Arbeitskräfte und Selbständige, darüber hinaus erzielen Westdeutsche höhere Einkommen als Ostdeutsche und Männer haben eine bessere Einkommensposition als Frauen. Zwischen Ausländern und Deutschen lassen sich beim Einkommen nur geringfügige Unterschiede ausmachen, die überwiegend auf die Differenzen in der beruflichen Qualifikation zurückzuführen sind. Einkommensungleichheiten zwischen Frauen und Männern lassen sich vor allem auf drei Ursachenkomplexe zurückführen: erstens die stärkere Einbindung von Frauen in Hausarbeit und Kinderbetreuung, zweitens auf die geschlechtsspezifische Segregation von Ausbildung und Beruf und drittens auf persistente Geschlechterstereotypen, die weiblichen Tätigkeiten einen niedrigeren ökonomischen Status zuweisen. Die Ungleichheit zwischen Ost- und Westdeutschland lässt sich einerseits auf die Produktivitätsunterschiede der regionalen Wirtschaften und andererseits auf den Zusammenbruch der ostdeutschen Wirtschaft in Folge der Währungsunion zurückführen.
  34. Einkommen und Armut
    Als arm werden Personen oder Haushalte bezeichnet, deren Lebensstandard sich unter einem bestimmten, physisch oder soziokulturell definierten Existenzminimum befindet. Häufig wird die Einkommenssituation von Haushalten verwendet, um Armut zu messen (Einkommensarmut). Dabei gerät aber der faktische Lebensstandard der betroffenen Personen aus dem Blick, so dass mit dem Lebenslagen- und dem Deprivationsansatz zwei umfassendere Konzepte zur Messung von Armut vorgeschlagen wurden. Insgesamt hat sich der Anteil von Armen in Deutschland seit den siebziger Jahren etwas vergrößert, im internationalen Vergleich ist die Armutsquote in der Bundesrepublik aber eher auf einem mittleren Niveau. Besonders von Armut betroffen sind niedrig qualifizierte Arbeitskräfte, Ausländer, Alleinerziehende, Familien mit mehreren Kindern sowie Arbeitslose.
  35. Entwicklung und Struktur der Vermögensverteilung
    Beim Vermögen handelt es sich um die monetär bewerteten Güter und Rechte im Eigentum von Haushalten. Den größten Anteil am Gesamtvermögen in der Bundesrepublik macht das selbstgenutzte Immobilieneigentum aus. Die Vermögensungleichheit ist deutlich größer als die Einkommensungleichheit. Sie ist bis in die neunziger Jahre hinein gesunken und steigt seitdem wieder leicht an. Die Struktur der Verteilung ist ähnlich wie bei den Einkommen. Vor allem Selbständige, teilweise auch hochqualifizierte Arbeitnehmer verfügen über größere Vermögen. Fernerhin haben Männer, Deutsche und Bewohner der alten Bundesländer eine günstige Vermögensposition.
  36. Definition: Mobilitätsforschung
    • befasst sich mit Bewegungen zwischen Herkunfts- und Zielpositionen, wobei es sich um Positionen im geographischen Raum und in der Sozialstruktur handeln kann
    • bzeiht sich auf Generationenfolge (intergenerationale Mobilität) oder innerhalb eines Lebenslaufs (intragenerationale Mobilität)
  37. Die Analyse intergenerationaler Mobilität
    Die empirische Forschung zeigt insgesamt, dass gegenwärtige Gesellschaften zwar durch ein hohes Ausmaß von intergenerationaler Mobilität geprägt sind, daneben aber auch eine ausgeprägte Vererbung von Klassenpositionen existiert. Im historischen Wandel hat allerdings die intergenerationale Prägung der Klassenposition der Kinder durch die Klassenlage der Eltern in Deutschland abgenommen. Dennoch muss Deutschland im internationalen Vergleich zu den Gesellschaften gerechnet werden, deren Klassenstruktur weniger durchlässig ist.
  38. Die Analyse intragenerationaler Mobilität
    Intragenerationale Mobilität ist in deutlich geringerem Maße als die intergenerationale Mobilität Gegenstand der Mobilitätsforschung geworden. Hier wurde exemplarisch die Berufs- und die Einkommensmobilität betrachtet. Insgesamt zeigt sich in Deutschland eine Zunahme beruflicher Mobilität, die zum Teil für die jüngeren Alterskohorten, vor allem aber für Personen ohne berufliche Qualifikationen, auch mit gewissen Risiken verbunden ist. Im internationalen Vergleich ist allerdings der deutsche Arbeitsmarkt eher durch ein niedriges Niveau der Jobmobilität geprägt. Dagegen ist Deutschland durch eine hohe Mobilität der Markteinkommen charakterisierbar, die aber durch das Steuer- und Transfersystem des Wohlfahrtsstaates bei den Nettoeinkommen deutlich geglättet wird. Vor allem die Betrachtung von Einkommensverläufen verdeutlicht noch einmal, dass die Einkommens- und Lebenssituation von Personen in hohem Maße durch ihren Haushaltskontext geprägt wird, der sich im Zeitverlauf verändern kann.
  39. Definition: Lebensstile
    In gängigen Definitionen des Lebensstilbegriffs werden häufig Verhaltens- und Präferenzmuster aufgenommen. Dies hat den Nachteil, dass das Verhalten nicht mehr mit Bezug auf die Präferenzen erklärt werden kann. Hier wird daher vorgeschlagen, Lebensstile ausschließlich mit Bezug auf das Handeln der Akteure zu definieren und davon die kulturellen Präferenzen abzugrenzen, die sich allein auf den zugrundeliegenden Geschmack beziehen.
  40. Theorie: Sozio-kulturelle Klassentheorie von Pierre Bourdieu
    • Klassentheorie, die verschiedene soziale Klassen auf der Grundlage des ihnen zur Verfügung stehenden kulturellen und ökonomischen Kapitals abgrenzt (Struktur)
    • die jeweils klassenspezifische Lebenslage prägt auch den Habitus, ein System von Verhaltens- und Wahrnehmungsdispositionen, welches das Verhalten der Akteure in unterschiedlichen sozialen Kontexten erzeugt
    • Habitus eines Akteur ist relativ stabil und macht ihn als Mitglied einer sozialer Gruppe erkennbar
    • habt die Funktion der sozialen Abgrenzung
    • im Habitus ist auch der Geschmack inbegriffen, der eine klassenspezifische soziale Praxis in Form von Lebensstilen bedingt
    • also Klassenstruktur -> Habitus -> Lebensstile -> prägt wieder Klassenstruktur (reprodiziert sich also)
    • Kritik: Geschmack wir eindimensional dargestellt
  41. Lebensstil- und Geschmacksdimensionen im Wandel
    • In der Sozialstrukturanalyse wird gegenwärtig davon ausgegangen, dass man Geschmack und Lebensstile nicht allein durch die Gegenüberstellung von Hoch- und Trivialkultur beschreiben kann. In Deutschland sind vor allem Schulzes drei alltagsästhetische Schemata[0] und das Zweidimensionen-Modell von Otte zentrale Ansätze zu einer stärker differenzierenden Erfassung der kulturellen Präferenzen und der Lebensstile. International wird stärker das Konzept des kulturellen Allesfressers diskutiert[2], dass eine zunehmende Verbreiterung des Geschmacks der statushohen Gruppen behauptet.
    • [0] Erlebnisgesellschaft (Gerhard Schulze): Abgrenzung durch Habitus ist in gegenwärtiger Gesellschaft nicht mehr gegeben, Unterscheidung in Hochkultur-, das Trivial- und das Spannungsschema
    • [1] zwei Achsen: Ausstattungsniveaus (vertikale Achse bei Bourdieu) und Modernität und der biographischen Perspektive (biografischer und Altersbezug)
    • [2] Annahme: Vorliebe für die kulturelle Vielfalt, Lebensstile also nicht mehr klassenspezifisch (NB: empirisch zeigt sich, dass Bildung eher einen Einfluss hat)
  42. Definition: Soziale Milieus
    • Personengruppen, die sich durch gruppenspezifische Existenzformen und erhöhte Binnenkommunikation voneinander abheben
    • ein Akteur kann gleichzeitig in unterschiedlichen Milieus eingebettet sein -> Netzwerk
    • also kaum homogene kulturell geschlossene Milieus und Netzwerke
  43. Theorie: Milieus und Lebensstile
    Verschiedene Milieu- und Lebensstilkonzepte suchen einen Mittelweg zwischen einer Strukturiertheit nach dem nicht mehr adäquaten Muster traditioneller Klassen und Schichten auf der einen Seite und einer vollkommen entstrukturierten Vielfalt individuellen Wahlhandelns auf der anderen Seite. Objektive Bedingungen und subjektive Wahrnehmungs- und Handlungsweisen sind verknüpft, aber auf komplexe Art und Weise. In der Konzeptionalisierung dieses Mittelweges ist der gemeinsame Nenner von sonst im Detail recht unterschiedlichen Modellen zu sehen. Neben dem Vorteil, viele Aspekte in dem Modell berücksichtigen und damit das Ungleichheitsgefüge einer modernen Gesellschaft angemessen erfassen zu können, sind die Ansätze jedoch auch der Kritik ausgesetzt: Sie könnten z.B. manchmal Gefahr laufen, einen theoretischen, erklärenden Anspruch aufzugeben, bestehende vertikale Ungleichheiten nicht genügend zu beachten oder Entwicklungen und Beziehungen sozialer Gruppen zu vernachlässigen.
  44. Was ist die "beste" Theorie?
    • Insofern wird man vermutlich nicht ohne weiteres eine Globaltheorie der Ungleichheit finden, sondern eher einen Werkzeugkasten von theoretischen Konzepten und Mechanismen, die je nach Fragestellung angewendet werden können.
    • Die Frage, ob man mit dem Klassenbegriff oder einer sozioökonomischen Statusskala (bzw. ihren Bestandteilen) operieren soll, ist also nicht so einfach zu beantworten. Es kommt auf die jeweilige Forschungsfrage an!
    • Daher kann man festhalten, dass es zwar mit der vertikalen Dimension eine dominante Achse der Sozialstrukturanalyse gibt, dass daneben aber auch andere Dimensionen, wie Region, Ethnie und Alter die Sozialstruktur in bestimmten Bereichen stark prägen.
    • Auch die neueren Ansätze sehen es entweder nicht als ihre Aufgabe an oder sind meist nicht – zumindest nicht konsensfähig – in der Lage, die theoretischen Anforderungen oder auch die komplexe Realität in ein einziges theoretisches Modell zu integrieren, das dann auch noch empirisch umsetzbar ist.
    • Die Komplexität der Ungleichheitsverhältnisse bringt es mit sich, dass selbst entgegengesetzte modellhafte Abstraktionen empirische Belege für ihr Vorgehen anführen können.

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