Neuronale Architektur von ER (Gross, K. 5)

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Author:
Pizza
ID:
257235
Filename:
Neuronale Architektur von ER (Gross, K. 5)
Updated:
2014-01-18 13:25:21
Tags:
neuronale architektur emotionsregulation
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Neuronale Architektur
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  1. Bottom-up-Prozess
    • Aus der Tierforschung abgeleitet.
    • Emotioinen werden als direkte Reaktion auf spezifirsche Reize verstanden.
    • Instinktiv oder auf Konditionierungsprozessen beruhend.
    • Diese Sichtweise hat ihre Wurzeln im Allgemeinverständnis un in der Wissenschaft (= William James, 1890)
    • Methode: Bildgebende Verfahren zur Darstellung neuronaler Korrelate von Bottom-up-Prozessen.
  2. Top-down Prozesse
    • Aus der Humanforschung abgeleitet. Emotionen werden als Ergebnis kognitiver Prozesse gesehen, welche Stimuli in einem Kontext eingebettet interpretieren. (Kontext = ZIele, Bedürfnisse und Wünsche einer iPerson)
    • Kritikpunkt: Der gleiche Stimulus kann sowohl Auslöser als auch kein Auslöser sein.
    • Bewertungsprozesse können bottom-up automatisch ablaufen, aber auch top-down reguliert werden. Dies kann nacheinander oder gleichzeit erfolgen.
  3. Emotionsregulation und Bottum-up sowie Top-down Prozesse
    Menschen können ihre Emotionen regulieren mit Hilfe von bewussten Entscheidungen, wie sie auf eine emotionsauslösende Situation reagieren. Hierzu werden höhere kognitive Prozesse herangezogen, wie selektive Aufmerksamkeit, AGD, Sprache und LZG. Diese höheren kongitiven Prozesse werden mit verschiedenen Hirnarealen assoziiert.
  4. Hirnareale höherer kognitiver Prozesse
    • lateraler und medialer präfrontaler Kortex (PFC) zur Regulationskontrolle
    • Regionen des dorsalen anterioren cingulären Kortex (ACC) überwachen, in ewlchem Ausmaß Kontrollprozesse ihre Ziele erreichen.
  5. Modell: Integration von bottom-up und top-down
    • Integration von bottom-up und top-down Ansätzen. Emotionsgenerierung -und regulation als Interaktion von Bewertungs-Systemen wie der Amygdala (die affektive Eigenschafte eines Stimulus bottom-up enkodiert) und den Kontrollsystemen im präfrontalen, cingulären Kortex (top-down)
  6. Modell der Autoren des Kapitels (Ochsner und Gross)
    Emotionen können sowohl bottom-up als auch top-down generiert und moduliert werden. Top-down Prozess werden verwendet, um bestimmte Stimuli in den Aufmerksamkeitsfokus zu lassen. Damit haen sie das Potential Emotionen zu generieren und zu regulieren, indem sie Stimuli iin den bottom-up Prozess lassen. Wenn bottom-up Prozesse begonnen haben so können top-down Prozesse Emotionen direkt entstehen lassen und die Bewertung und Interpretation eines Stimulus bestimmen. In vielen Fällen wird kein externer Stimulus benötigt, sondern eine Person kann eine Emotion mit Hilfe von top-down generierten Erinnerungen an vergangene Erfahrungen oder durch die Konstruktion (Antizipation) zukünftiger Ereignisse entsehen lassen.

    5 Thesen werden aus dem Ursprungsmodell abgeleitet (Siehe nächste Karte)
  7. 5 aus dem Ursprungsmodell abgeleitete Thesen
    • (1) Die emotionale Reaktion entsteht durch ein Wechselspiel unterschiedlicher bottom-up und top-down Prozesse, die mit der Aktivierung unterschiedlicher Gehirnregionen einhergehen.
    • (2) Emotionale Reaktionen werden bestimmt durch ihre Wertigkeit, Intensität und ihre Möglichkeit Veränderungen in unterschiedlichen Reaktionssystemen abzuleiten.
    • (3) Emotionsregulation tritt auf, wenn zielgerichtete Prozesse Emotionen kontrollieren. 1. die bewusste Regulation z. B. durch Umbewertung und 2. die planvolle Vorbereitung auf ein Ereignis induziert Emotionen (z. B. Beklommenheit, wenn ein schmerzhaftes Ereignis antizipiert wird)
    • (4) Beim Versuchsdesign ist zu beachten --> Die Art der gemessenen Reaktion (Selbstbeschreibung des emotionalen Status, Physiologische Reaktion, Verhalten=. Art der Reaktionskontrolle (Initiieren, Beenden, Verändern). Verwendete Bewertungssyteme und Kontrollstrategien.
    • (5) Regulationsstrategien unterscheiden sich im Ausmaß, wie stark sie welches Kontrollprozesse beansprucht und welche Gehinrregionen dabei aktiv sind.
  8. Strategien zur ER durch Kognition und aktivierte Hirnregionen
    • Imagination, Erwartung und Umdeutung
    • Hirnregionen: Präfrontales-Kontrollsystem, Cinguläres Kontrollsystem, Posteriores Kortikales System (Enkodierung, Repräsentation, Gedächtnis)
  9. Ergebnisse des Reviews: Emotionskontrolle durch Aufmerksamkeitsprozesse
    • Aufmerksamkeitslenkung: Reduktion
    • der Amygdala-Aktivität // teilweise auch Anstieg der PFC-Aktivität (evtl. Artefakt einer fälschlicherweise angewendeten Umdeutungsstrategie)
    • Ablenkung: zusätzlich zur gestellten Aufgabe an etwas Anderes denken -->
    • reduzierte Heftigkeit der wahrgenommenen Schmerzen --> reduzierte Aktivitäten in den Kortikalen und subkortikalen „Schmerz“-Regionen inklusive MedialercinguläremKortex, Insula, Thalamus, Periaquäduktales Grau -->  Aktivierung in folgenden Regionen: Orbio frontal Kortex, Media PFC, ACC, Dorsolateraler PFC [Kritik: Es wurde bisher nicht untersucht, ob die aktivierten Regionen eher mit der Bewältigung der „ablenkenden“ Aufgabe zu tun haben oder ob sie im Zusammenhang mit der Unterdrückung der Schmerzempfindung stehen]
  10. Untersuchungsansätze zur Emotionskontrolle durch Kognition - Erwartungshaltung
    Erwartungshaltung ->Stimmung, Reizreaktion

    • Auswirkungen der Erwartungshaltung -> Antizipation des Ereignisses inklusive des darauf folgenden Gefühls geht einher mit Aktivierung der dorsalen mPFC Region. Die Antizipation von Gefühlen und Emotionene können dazu führen, dass auch Strategien zur Gefühlsmodellierung antzipiert werden. Negative bzw. positive Bewertungen der antizipierten Gefühle aktivieren unterschiedliche Gehirnzentren. Schmerzenantizipation und andere aversive Reizerwartungen -> Aktivierung von Cingulate, Insula und Amygdala.
    • Primär positive (süßer Geschmack,…) und sekundär positive (Geld…) Reizerwartung -> Aktivierung von Amygdala, NAcc, Cingulate, Insula und/oder OFC
    • Antizipation/Priming führt zu schnellerer Enkodierung von den emotionalen Antworten auf Reize und kann darüber hinaus schon vor dem Eintreten des Reizes die Stimmungslage beeinflussen (Angst, Anspannung,…)
  11. Untersuchungsansätze zur Emotionskontrolle durch Kognition - Erwartung eines Schmerzreizes
    Aktivität in schmerzbezogenen Regionen selbst dann, wenn der Reiz widererwarten schmerzfrei wird. Aktivierung von mittlerem cingularem Kortex, rostral cingulärem Kortex, medialen temporalen Regionen (Gedächtnis)
  12. Untersuchungsansätze zur Emotionskontrolle durch Kognition - Kognitive Top-Down-Berwertungsprozesse
    Passive Wahrnehmung von Bildern versus bewusste Bewertungen. Für diesen Ansatz wird nur eine Studie berichtet. Die Probanden sollten entweder einen STimulus wahrnehmen (bottom-up) oder ihn versuchen neutral aufzunehmen (top-down) Bewertung. Beide Wege aktivieren die Amygdala. Nur der top-down Prozess aktiviert zusätzlich Systeme der kognitiven Kontrolle = ACC, LPFC, MPFC
  13. Untersuchungsansätze zur Emotionskontrolle durch Kognition - Kontrollierbarkeitsüberzeugung
    Auswirkung der Überzeugung, dass man mit einem erwarteten Reiz kontrolliert umgehen kann. Die top-down Selbstannahme, dass man die Reaktion auf einen Schmerzreiz angemessen kontrollieren kann, vermindert die Aktivitäten von Hirnregionen, die mit der Erfahrung von Schmerz und dem Umgang damit korrelieren.
  14. Ergebnisse Placeboeffekt
    • Wirkung einer Placebo-Schmerztablette führt zu einer Reduzierung der Schmerzwahrnehmung und reduzierter Aktivität der Amygdala, Cingularem Kortex, Insula und Thalamus. Aktivierung von lateralen präfrontalen Regionen der kognitiven Kontrolle. ACC und rechter LPFC.
    • Erklärungsversuch: Placebo-Effekt involviert die aktive Aufrechterhaltung des Glaubens an die Wirksamkeit des Placebos und dies beeinflusst wiederum wie Stimuli top-down beurteilt werden.
    • Noch nicht geklärt: Wie kognitive Prozesse den Placebo Effekt mediieren.
  15. Ergebnisse (Operantes) Konditionieren
    • Sehr konsistente Ergebnise (wie Tierversuch)
    • Aktivierte Gehirnregionen: Amygdala, NAcc, ventraler PFC, OFC und/oder aCC.
    • Die Studien zeigen sich nicht immer konsistent bezüglich der Stärke der Aktivierung einzelner Regionen. Es könnte sein, dass einige Probanden statt der Konditionierung (Aktivierung des ventralen PFC) Umbewertungsstrategien (Aktivierung dorsalen PFC) für die Emotionsregulation verwenden.
  16. Anatomische Lage der einzelnen Gehirnzentren
  17. Modifiziertes Modell der Autoren (Grafik)
  18. Was ist neu im Modell von Odesner und Gross?
    • Ausifferenzierung von zwei unterschiedlichen Top-Down und Bottom-Up Bewertungssystemen
    • Top-Down "Description based appraisal sytem" (DBAS) --> Aktivierung von Dorsalem PFC, Cinguläre Regionen. Prinzip: GEnerierung mentaler Beschreibungen des emotionalen Zustandes, Vorsellung von Stimuli und den damit assoziierten GEfühlen, DBAS wird von folgenden Strategien verwendet (Erwartungshaltung, Umbewertung, Placebo), Rückkopplung zum subkortikalen emotionalen Bewertungssystem, relativ menschenspezifisch
    • Top-Down "Outcome based appraisal system" (OBAS) --> Aktivierte Hirnregionen: VPFC, OFC. Prinzip: Klassische Konditionierung, Instrumentelles Lernen, Exstinktion (=Löschung) ,Operantes Konditionieren. Funktionsweise Tieren relativ ähnlich.
  19. Ergebnisse:
    Einflüsse auf die ER-Fähigkeit - Ereignisse in frühen Lebensphasen, Genetik
    • Die Leichtigkeit, mit der man als Erwachsener negative Emotionen kontrollieren kann scheint sowohl von angeborenen Temperamentskomponenten als auch von Sozialisationsfaktoren, wie der mütterlichen Fürsorge in frühen Lebensjahren abhängig zu sein. Zweijährig, die starke emotionale Reaktionen auf fremde Gesichter zeigen entwickeln auch als Erwachsene starke Amygdalaaktivitäten auf neue, unbekannte Reize. Bei Tieren führen geringe körperliche soziale Interaktion in frühen Lebensphasen zu relativ niedrigen Schwellen für die Amygdalaaktivierung bei potentiellen Bedrohungen in späteren Lebensphasen (wahrscheinlich das ganze Leben lang)
    • Beim Menschen noch nicht untersucht.
  20. Ergebnisse: Kulturelle Einflüsse auf die ER-Fähigkeit
    Beispiel: Asiaten haben eine zurückhaltende emotionale Mimik und empfinden stärker soziale induzierte Gefühle wie Scham (Gesichtsverlust). Die kulturellen Normen wirken möglicherweise sowohl auf bottom-up als auch auf top-down Prozesse.
  21. Ergebnisse: Einflüsse auf die ER-Fähigkeit - Lebensalter
    Die Fähigkeit regulierende Strategien zu implementieren hängt von der Entwicklung der präfrontralen Hirnregionen ab: PFC macht einen starken Wachstumsschub zwischen dem 8. und 12. Lebensjahr und wächst noch bis weit in die 2. Lebensdekade. Mit zunehmenden Alter werden vermehrt postive und weniger negative Emotionen wahrgenommen. Es ist bisher nicht klar, ob dies bottom-up oder top-down zurückzuführen ist.
  22. Ergebnisse: Einflüsse auf die Emotionsregulationsfähigkeit - Individuelle Unterschiede
    Individuen scheinen Emotionen unterschiedlich stark über bottom-up Prozesse zu generieren (messbar, z. B. durch höhere Extraversion- bzw. Neurotizismuswerte). Bei top-down Prozessen unterscheiden sich Individuen bezüglich: Verfügbarer Strategien, Anwendung der Strategien, Glaube daran, ob und wann der Einsatz dieser Strategien wirksam ist, Arbeitsgedächtniskapazität, die für "kalte" kognitive Strategien zur Verfügung steht. Mensche, die Grübeln zeigen eine größere Amygdalaaktivität um Umbewertungsprozesse zu beeinflussen. Diese Fähigkeit ist nicht mit stärkerer Aktivität im präfrontalen Kortex gekoppelt.
  23. Ergebnisse: Emotionsregulationsfähigkeit - Einflüsse aufgrund von Psychopathologien
    Mehr als die Hälfte der im DSM-IV beschriebenen psychischen Störungen sind durch Gefühlsdysregulation gekennzeichnet. Depression geht z. B. mit Hyperaktivität der Amygdala und dem linken präfrontalem Kortex eiher, genau dies wird durch Umbewertungsprozesse runter reguliert. Es könnte sein, dass Depression durch veränderte bottom-up und top-down Prozesse beeinflusst wird. Depression könnte aber auch dadurch verstärkt werden, dass durch selbstbezogene Umbewertungsstrategien negative Emotionen verstärkt (Selbstbeschimpfungen) werden, anstatt durch situationsbezogene Strategien gedämpft zu werden.
  24. Anregungen der autoren für zukünftige Forsschungsprogramme
    • Es sollte mehr Beachtung finden, dass die Probanden bewusste und unbewusste Emotionskontrolle einsetzen
    • Es wäre wünschenswert, dass in zukünftigen Versuchen die unterschiedlichen Emotionskontrollprozesse kontrolliert werden
    • Es sollten Stimuli verwendet werden, die starke Emotionen auslösen
    • Es sollte neben dem Selbstbericht der Probanden über ihr Emotionsempfinden zusätzliche Messungen, z. B. Physiologische Reaktionen (Hautleitfähigkeit etc) und/oder Verhaltensbeobachtungen verwendet werden, um den Erregungszustand der Probanden zu bestimmen
    • Die Versuche sollten auf Basis von Modellvorstellungen zur Emotionskontrolle entwickelt werden, um klare Antworten zur Falsifizierung oder Erhärtung dieser Modellvorstellung zu erlangen

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