9. Sitzung

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Author:
fuck
ID:
291424
Filename:
9. Sitzung
Updated:
2014-12-14 06:05:38
Tags:
Gesprächsanalyse
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Description:
Prüfungsvorbereitung Pragmatik HS14
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  1. Gesprächsanalyse
    • Searle: Sprechakte sind die "grundlegenden oder kleinsten Einheiten der sprachlichen Kommunikation"
    • Aber: ★Wir reden nicht in einzelnen satzförmigen Äusserungen mit jeweils klar erkennbarer Illokution ★Kommunikation funktioniert nicht nur durch hörerseitiges Erkennen von Sprecherillokutionen. Hörer gestalten Gespräche mit ★Wissen über Äusserungssituation und Hintergründe können nicht einfach vorausgesetzt werden
  2. Gespräch
    = alltägliche, mündliche Kommunikation zwischen zwei oder mehr Personen
  3. Gesprächsanalyse
    • Gespräch als linguistische Kategorie erst seit den 70er Jahren akzeptiert
    • Heute zahlreiche theoretische Ansätze und unüberschaubar viele Arbeiten zur Erforschung von Gesprächen
    • Die wichtigsten Impulse gingen von der ethnomethodologischen Konversationsanalyse aus (Erving Goffman, Harvey Sacks, Harold Garfinkel)
  4. Warum Gesprächsanalyse?
    • Das Alltagsgespräch ist das primäre Umfeld, in dem Sprache erworben, verwendet und verändert wird
    • Primärer Untersuchungsgegenstand der empirischen Linguistik muss daher das Alltagsgespräch sein
    • Sprachbetrachtung: Sprache als Phänomen der Alltagspraxis
  5. Gesprächsanalyse: Konsequenzen für das linguistische Verständnis
    • A) Untersuchungsgegenstand ist die empirisch vorkommende Sprachproduktion in ihrer kontextgebundenen Manifestation
    • B) Sprache wird als Mittel der Kommunikation verstanden = funktionaler Ansatz
  6. Gesprächsanalyse: Konsequenz für die Methodik
    • Korpora als primäre linguistische Datenbasis
    • Gesprächsanalyse folgt einer rekonstruktiv-interpretativen Methodik
    • Methodik muss den universalen und konsitutiven Strukturmerkmalen des Untersucungsgegenstandes entsprechen
    • Die Konstitutionsprinzipien von Gesprächen dienen umgekehrt auch als Rekonstruktionsprinzipien
    • d.h.: Verwendung der Konstitutionsprinzipien von Gesprächen als Analysekategorien
  7. Universale Konstitutionsprinzipien von verbaler Interaktion
    • Begriffserklärung:
    • Universal bedeuted, dass die Prinzipien konstitutiv für jede Gesprächsaktivität sind, und zwar in dreierlei Hinsicht
  8. Universal bedeuted, dass die Prinzipien konstitutiv für jede Gesprächsaktivität sind, und zwar in dreierlei Hinsicht:
    • Material: Die Prinzipien müssen von allen Beteiligten realisiert und respektiert werden, damit ein Gespräch zustande kommen kann
    • Konzeptuell: Nur Ereignisse, die orientiert an  diese Prinzipien erzeugt werden, können als "Gespräche" bezeichnet werden
    • Askriptiv: Die Beteiligten gehen möglichst lange davon aus, dass die Gesprächsaktivitäten im Einklang mit diesen Prinzipien entstehen und zu verstehen sind.
  9. Die 5 universalen Organisationsprinzipien der verbalen Interaktion
    • 1. Konstitutivität
    • 2. Prozessualität
    • 3. Interaktivität
    • 4. Methodizität
    • 5. Pragmatizität
  10. Konstitutivität
    • Gespräche bestehen aus Handlungssequenzen, die aktiv von den Akteuren produziert werden
    • Gesprächsteilnehmer konstituieren Strukturen - grundsätzlich undeterminiert, aber von Regeln, Routinen und Erwartungen geleitet
    • Generativität und Produktivität aller natürlichen Sprachen: Sprachbenützer können aufgrund von Regeln und Maximen systematisch immer neue Strukturen produzieren und interpretieren
    • Die Herstellung dieser Strukturen muss sinnlich wahrnehmbar (material) sein
  11. Prozessualität
    • Sprachliche Strukturen werden in der Gesprächsanalyse als Produkte von Prozessen aufgefasst
    • Prozessualität ist Voraussetzung des Aufbaus von Strukturen und damit der sukzessiven Sinnkonstitution
    • Erst die zeitliche Dynamik schafft die Möglichkeit von Interaktion
    • Garfinkel (1973): Prinzio der 'prospektiv-retrospektiven Interpretation'
    • Im Gesprächsverlauf bilden sich emergente Einheiten und Muster heraus, indem die Anschlusspotentiale der aufgebauten Strukturen für die Produktion weiteren Beiträge genutzt werden
  12. Interaktivität
    • Interaktivität als wesentliche Quelle vo Emergenz
    • Gespräche bestehen aus Handlungssequenzen, die systematisch aneinander anschliessen
    • Die Anschlüsse sind aufgrund normaler situtativer Komplexität kaum je vollständig vorhersagbar
    • Da Gespräche ein gemeinsames Handeln in der Zeit sind, sind verschiedene Konstitutionsaufgabe erforderlich
  13. Interaktivität - Konstituationsaufgaben
    • Adressatenzuschnitt/Rezipientendesign: Aufgabe, die Beiträge auf den/die konkreten Adressaten zuzuschneiden. Berücksichtigungen von Aufmerksamkeitsfokus, Vorwissen, anzunehmenden Meinungen, Interessen, Interpretationsgepflogenheiten etc.
    • Handlungskoordination: Die Beiträge der versch. Teilnehmer müssen zeitlich und qualitativ koordiniert werden. Formale Grundlage dafür ist das Sprecherwechselsystem. Es regelt die Verteilung der knappen Ressourcen "Rederecht" (Gestik, Blickkontakt, Prosodie, Syntax)
    • Aufzeigehandlung/display: Interaktive Bedeutung wird in der Abfolge von ausgedrückten Interpretationen ausgehandelt. ->Aufzeigen der Erwartung an das Verständnis der Partner und ihre Folgeaktivitäten; ->Aufzeigen des Verständnisses der Äusserungen der Partner; ->Spezialisierte Verfahren zur Verständnissicherung: Rezeptionssignale (hm, ähä, etc.), Reperaturen, Reformulierungen, insertierte Sequenzen
  14. Methodizität
    • Gesprächsprozesse verlaufen alles andere als unsystematisch und chatotisch!
    • Zahlreiche "ungrammatische" Phänomene werden in Gesprächen systematisch eingesetzt und haben Verfahrenscharakter
    • Ethnomethoden: sprach- und kulturspezifische Methoden zur Herstellung von Ordnung und Sinn, die durch Sozialisation erworben werden. Ihre Beherrschung macht den Kern der Gesprächskompetenz aus. Ethnomethoden haben einen normativ-rhetorischen Doppelcharakter. Die unterliegen einerseits bestimmten Erwartungsstrukturen, können aber andererseits auch zweckgerichtet eingesetzt werden
    • Durch Konventionen (wie bspw. Ethnomethoden) kann Gesprächspraxis aber nur grdauell und mit unscharfen Genzen reguliert werden.
    • ->Formalpragmatische Idealisierungen à la 'Kooperationsprinzip und Konversationsmaxien' oder 'Relevanzprinzip' sind daher ihr notwendiges Pendant, weil sie Methodizität a priori unterstellen
  15. Pragmatizität
    • Die Gesprächsanalyse betrachtet Sprache nicht nur als Mittel der Informationsvermittlung, sondern als Werkzeug sozialen Handelns
    • Ständig werden verschiedene Funktionsbereiche des sprachlichen Handelns von den Gesprächsteilnehmern bearbeitet
    • Sprachliche Phänomene stehen stets in mehrdimensionalen Funktions- und Zweckbezügen
    • Aufgrund der Handlungsorientiertheit wird die Formulierungspraxis von Relevanz- und Ökonomieprinzipien strukturiert

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