10. Sitzung

Card Set Information

Author:
fuck
ID:
291504
Filename:
10. Sitzung
Updated:
2014-12-14 06:49:35
Tags:
Gesprächsanalyse
Folders:
pragmatik
Description:
Prüfungsvorbereitung Pragmatik HS14
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  1. Unterstellung von Sinnhaftigkeit und systematischer Organisiertheit
    • Unsere Sprachauffassung ist durch die schriftliche Standardsprache geprägt
    • Gespräche galten lange als zu chaotisch für wissenschaftliche Untersuchung
    • Aber: Gesprochene Sprache folgt anderen, eigenen Regeln
    • Wäre gesprochene Sprache chaotisch und regellos, so könnten wir uns überhaupt nicht verständigen
    • Sacks (1984):'order at all points' DIE Analyseprämisse -> Kein Element wird a priori als zufällig oder belanglos ausgeschlossen
    • 2 Aspekte: Organisiertheit und Sinnhaftigkeit
    • Organisiertheit: Durch Einsatz bestimmter Ressourcen wird im Gesprächshandeln eine formale Ordnung hergestellt
    • Sinnhaftigkeit: Jedes Element wird im weiten Sinn als zeichenhaft gedeutet

    Dieses Prinzip der Gesprächsanalyse erfordert die spezialisierten Transkriptionssysteme zur präzisen und systematischen Notation der beobachteten Phänomene. Für Transkriptoren gilt striktes "Verbesserungsverbot"

    • Primäre Annahme, dass jedes Phänomen seine Funktion hat und eine Aufgabe erfüllt
    • Funktionale Analyse nach dem "Prinzip der wohlwollenden Interpretation": Den Gesprächsteilnehmern wird so lange wie möglich unterstellt, dass die 'sinnvoll' handeln
    • Nur weil auf den ersten Blick keine organisatorischen Strukturen und keine sinnhaften Motivationen zu erkennen sind, bedeutet das nicht, dass keine vorhanden sind, Es bedeutet nur dass man "tiefer graben muss"
    • Sinn und Ordnung werden immer geschaffen, und zwar auf mehreren Ebenen
  2. 6 Sinn- und Organisationsebenen mit jeweiligen Aufgaben (KAllmeyer 1982)
    • Gesprächsorganisation
    • Sachverhaltsdarstellung
    • Handlungskonstitution
    • Konstitution von Identitäten und Beziehungen
    • Konstitution der Interaktionsmodlität
    • Reziprokitätskonstitution
  3. Gesprächsorganisation
    Herstellung von Kontakt und zentrierter Interaktion; Regelung des Sprecherwechsels und der Interaktionbeteiligung
  4. Sachverhaltsdarstellung
    Referenzherstellung; Kategorisierungen; Entfaltung von Themen und Inhalten in kommunikativen Schemata (Erzählen, Berichten, Argumentieren, etc.)
  5. Handlungskonstitution
    Verfolgung von individuellen und kollektiven Handlungzwecken
  6. Konstitution von Identitäten und Beziehungen
    Selbst- und Fremdpositionierung; Entwerfen der Beziehungen und Einstellungen zu Gesprächspartnern
  7. Konstitution von Interaktionsmodalität
    Wirklichkeitsbezug von Beiträgen (Spass, Ernst, Ironie etc.); Ausdruck emotionaler Beteiligung
  8. Reiporkitätskonstitution
    • Herstellen von Verständigung und Intersubektivität (durch Rezipientendesign, Aushandlung, Reperaturen etc); Verfahren gegenseitiger Bedeutungssymbolisierung
    • Reziporkitätskonstitution = Meta-Aufgabe
  9. Konversationsstruktur
    • Makrostruktur: Eröffnunsphase - Hauptteil - Schlussphase
    • Mikrostruktur: Regularitäten, die im Einzelgespräch wirksam sind; Einheit: Der Redebeitrag (turn); Untersuchungsgegenstände u.a.: Sprecherwechselsystem, Paarsequenzen, Reparaturen, Prosodie
  10. Redebeitrag und Sprecherwechsel
    Der Sprecherwechsel: ist einer der zentralen Gegenstände der Gesprächsanalyse; erfordert ein hohes Mass an Kooperation; liegt im Charakter des dialogischen Handelns begrundet; Dialoge ohne Sprecherwechse sind keine Dialoge mehr


    Sacks/Schegloff/Jefferson 1974: A simplest systematics for the organization of turn.taking for conversation
  11. Sprecherwechselsystem
    Turn-taking: Modell von Sacks/Schegloff/Jefferson (1974)
  12. Redebeitragkonstruktion (Turn-construction component)
    Hier werden Redebeiträge konstituiert, und zwar edesmal bis zu einer übergansrelevanten Stelle
  13. Übergansrelevante Stelle (transition relevance place)
    Hier tritt die Sprecherwechselkomponente in kraft
  14. Sprecherwechselkomponente (turn-taking component)
    tritt nach bestimmten, einfachen Regeln in Kraft
  15. Regeln des Sprecherwechsels nach Sacks/Schegloff/Jefferson (1974)
    • 1a. Wenn in dem bis zur ersten Übergabe relevanten Stelle realisierten Redezug der gegenwärtige Sprecher bereits einen nächsten Sprecher ausgewählt hat, so hat nur dieser das Recht und die Pflicht, den nächsten Redezug zu übernehmen. Der Sprecherwechsel erfolgt in diesem Fall an der ersten übergaberelevanten Stelle
    • 1b. Wenn in dem bis zu diesem Zeitpunkt realisierten Redezug keine Fremdwahl erfolgt ist, dann ist Selbstwahl möglich, aber nicht zwingend erforderlich. Das Rederecht erhält bei Selbstwahl der Sprecher, der zuerst mit seinem nächsten Turn beginnt
    • 1c. Wenn der bis zu diesem Zeitpunkt realisierte Turn keine Fremdwahl enthält, kann der gegenwärtige Sprecher seinen Redezug fortsetzen, vorausgesetzt es erfolgt keine Selbstwahl
    • 2. Die Regel (1) kommt an der nächsten übergaberelevanten Stelle erneut zur Anwendung. Regel (2) wird rekursiv so lange angewendet,bis ein Sprecherwechsel zustande kommt
  16. Paarsequenzen
    • Redebeiträge können mit einem Sprechakt zusammenfallen, sie können aber auch mehr als einen Sprechakt enthalten
    • In Gesprächen kommen Sprechakte i.d.R. nicht isoliert vor, sondern sind verknüpft mit anderen Sprechakten
    • Bestimmte Sprechakte etablieren Obligationen. So erklärt die Sprechakttheorie die Entstehung von sg. Paarsequenzen
    • Beispiele: Gruss - Gegengruss // Frage - Antwort // Angebot - Akzeptierung/Zurückweisung //Vorwurf - Rechtfertigung
  17. Reperaturen
    Drei Reparaturphasen nach Sacks et al. (1977)
    • (a) Reparandum (R) = Zu reparierender Äusserungsteil
    • (b) Initiierung der Reparatur (RI) = sprachliche Mittel, mit denen Reparaturbedürftigkeit angezeigt wird
    • (c) Durchführung der Reparatur (RD) = Äusserungsteil, der das Reparandum ersetzt

    Weitere Unterscheidungen: Selbstreperaturen - Fremdreperaturen // Selbstinitiierung - Fremdinitiierung

    • Man kann also folgende Reperaturtypen differenzieren:
    • (a) Selbstinitiierte Selbstreparatur: S initiiert die Reparatur und führt sie selbst aus
    • (b) Selbstinitiierte Fremdreparatur: S fordert H zu einer Reparatur auf und H führt die Reparatur aus
    • (c) Fremdinitiierte Selbstreparatur: H fordert S zu einer Reparatur auf und S führt die Reparatur selbst aus.
    • (d) Fremdinitiierte Fremdreparatur: H initiiert die Reparatur und H führt sie selbst aus
  18. Selbstinitiierte Selbstreparatur
    • Beispiel: 01 Schlagen wir uns ein paar Pfannen in die – (0.5) 02 Eier in die Pfanne?
    • Sprecher produziert Reperandum selbst
    • Initiative zur Reparatur geht vom Sprecher aus
    • Sprecher führt selbst Reparatur durch
    • Reparatur des Reparandums innerhalb desselben turns, in dem es auftritt
  19. Fremdinitiierte Selbstreparatur
    • Beispiel:
    • 01 Lisa: Du die ham n Plätzchenwettbewerb gemacht. Die Hillary Clinton und die Barbara [Bush
    • 03 Tanja: [was fürn Wettbewerb?
    • 04 Lisa: Plätzchen backen wer die besseren Plätzchen backt

    • Tanja initiiert Reparatur und nicht Verursacherin des Problems
    • Durchführung der Reparatur von Lisa selbst
    • Problematisches Element wird im nächsten turn von  der Gesprächspartnerin identifiziert; im dritten turn von der Sprecherin selbst repariert
  20. Selbstinitiierte Fremdreparatur
    • Beispiel:
    • (Claudia und Sandra bei H&M. Sandra probiert Hose an.)
    • 01 Claudia: Sieht ja toll aus der Rock [äh
    • 02 Sandra: [die Hose meinst du\

    • Verursacherin des Reparandums leitet Reparatur ein
    • Gesprächspartnerin führt Reparatur durch
    • Problem wird im selben turn identifiziert und im nächsten von der Gesprächspartnerin repariert
  21. Fremdinitiierte Fremdreparatur
    • Beispiel:
    • 01 Sven: Schatz am Dienstag haben wir ja Hochzeitstag. Wollen wir irgendwo hinfahren?
    • 03 Laura: Am Donnerstag ist unser Hochzeitstag

    • Sven produziert Reparandum, ist sich dessen aber nicht bewusst
    • Laura initiiert und repariert das Reparandum
    • Störungsquelle wird im nächsten turn vom Gesprächspartner identifiziert und bearbeitet

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