Makroökonomik Lösung 1

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  1. Welche makroökonomischen Ereignisse wurden in der letzten Zeit in den Nachrichten
    behandelt?
    • Die Antwort auf diese Frage müssen Sie sich selbst geben. Sehen Sie sich einmal bewusst
    • den Wirtschaftsteil einer überregionalen Tageszeitung an. Achten Sie darauf, welche In-
    • formationen dort über Arbeitslosigkeit, Wirtschaftsleistung, Inflationsrate und Zinssätze zu lesen sind.

    • In jüngerer Zeit hat die Staatsverschuldung eine große Rolle gespielt. Sehr wahr-
    • scheinlich ist Ihnen dieses Thema in den Medien begegnet. In Kapitel 16 des Mankiw-
    • Lehrbuchs finden Sie viele interessante Hintergründe zur Staatsverschuldung.
  2. Welche Merkmale charakterisieren eine Wissenschaft? Weist die Analyse des wirtschaftlichen Geschehens diese Merkmale auf? Sind Sie der Auffassung, dass man die Makroökonomik als Wissenschaft bezeichnen sollte? Begründen Sie!
    • Eine Wissenschaft ist dadurch charakterisiert, dass sie unter Verwendung der ihr eigenen
    • Methode versucht, Zusammenhänge aufzudecken und zu verstehen. Auch bei der Analyse
    • des wirtschaftlichen Geschehens versucht man, solche Zusammenhänge aufzudecken. In
    • der Makroökonomik werden auch Hypothesen über makroökonomische Zusammenhänge
    • aufgestellt, die man anschließend mit empirischen Daten konfrontiert. Auch wenn kon-
    • trollierte Experimente in der Makroökonomik nur ausnahmsweise möglich sind, versucht
    • man mit wissenschaftlichen Methoden, Zusammenhänge aufzuspüren. Die Makroökono-
    • mik stellt als Teildisziplin der Volkswirtschaftslehre also eine Wissenschaft dar.
  3. Verwenden Sie das Angebot-Nachfrage-Modell, um zu erklären, wie sich ein Rückgang des
    Preises von Salzstangen auf den Preis und die verkaufte Menge von Kartoffelchips aus-
    wirkt. Gehen Sie bei Ihrer Antwort auch darauf ein, welche Variablen exogen und welche
    endogen sind.
    • Es ist plausibel, davon auszugehen, dass Salzstangen und Kartoffelchips Substitutions-
    • güter darstellen. Wir nehmen daher an, dass die Nachfrage nach Kartoffelchips nicht nur
    • vom Preis der Kartoffelchips, sondern auch vom Preis der Salzstangen abhängt. Unter
    • Rückgriff auf die im Lehrbuch verwendete Funktionsschreibweise notieren wir diesen
    • Zusammenhang als:

    QD =D(PC,PS,Y).

    • Die Symbole haben folgende Bedeutung: QD – Nachfrage nach Kartoffelchips, PC – Preis
    • für Kartoffelchips, PS – Preis für Salzstangen, Y – Einkommen. Wir wollen davon ausge-
    • hen, dass Angebots- und Nachfragefunktion den üblichen Verlauf aufweisen. Beide Kur-
    • ven sind im nachfolgenden Diagramm dargestellt.


    • Ein Rückgang des Preises von Salzstangen führt dazu, dass zu jedem gegebenen Preis von
    • Kartoffelchips die Nachfrage nach Kartoffelchips abnimmt. Die Nachfragekurve für Kar-
    • toffelchips verschiebt sich daher nach links. Beim alten Gleichgewichtspreis ist das An-
    • gebot nun größer als die Nachfrage. Dies führt dazu, dass der Preis für Kartoffelchips
    • sinkt. Mit sinkendem Preis für Kartoffelchips geht das Angebot an Kartoffelchips zurück,
    • während die Nachfrage wieder etwas zunimmt. Im neuen Gleichgewicht ist der Preis für
    • Kartoffelchips geringer als zuvor und die verkaufte Menge ist gesunken. Der Preis von
    • Salzstangen ist exogen, denn seine Änderung wird im Modell nicht erklärt. Beim Preis
    • von Kartoffelchips handelt es sich ebenso wie bei der verkauften Menge um endogene
    • Größen, da wir die Werte dieser Variablen in unserem Modell bestimmen.
  4. Wie häufig ändert Ihr Friseur die Preise für einen Haarschnitt? Welche Implikationen hat
    Ihre Antwort in Bezug auf die Brauchbarkeit des Markträumungsansatzes zur Analyse des
    Marktes für Haarschnitte?
    • Vermutlich werden Sie feststellen können, dass Ihr Friseur die Preise für einen Haar-
    • schnitt kaum häufiger als einmal pro Jahr ändert. Es kann auch gut sein, dass Ihr Friseur
    • seine Preise vielleicht nur alle zwei oder drei Jahre anpasst.

    • Wollten die Menschen plötzlich häufiger zum Friseur gehen, würden sich nicht die
    • Preise erhöhen, sondern es gäbe längere Wartefristen. Da der Markträumungsansatz von
    • völlig flexiblen Preisen ausgeht, ist er für eine kurzfristige Analyse des Marktes für
    • Haarschnitte kaum geeignet. Für eine langfristige Analyse erscheint der Markträumungs-
    • ansatz dagegen angemessen zu sein: Auch wenn es kurzfristig zu Preisanpassungen
    • kommt, ist davon auszugehen, dass die Friseure bei einer andauernden Übernachfrage
    • irgendwann ihre Preise erhöhen werden. Überträgt man dieses Beispiel auf die Gesamt-
    • wirtschaft, dann erscheint es sinnvoll, bei der Betrachtung kurzer Zeiträume von starren
    • Preisen und der Möglichkeit ungeräumter Märkte auszugehen, bei der Betrachtung lan-
    • ger Zeiträume aber vereinfachend anzunehmen, dass alle Märkte im Gleichgewicht sind.
  5. Sehen Sie sich die Tageszeitungen der letzten Tage an. Welche ökonomischen Kennzahlen
    wurden veröffentlicht? Wie interpretieren Sie diese Kennzahlen?
  6. Wenn Sie sich den Wirtschaftsteil einer überregionalen Tageszeitung ansehen, werden Sie
    • vermutlich Daten zum Bruttoinlandsprodukt, zur Arbeitslosigkeit und zur Inflation ge-
    • funden haben. Bei der Interpretation dieser Kennzahlen ist insbesondere darauf zu ach-
    • ten, wie diese Kennzahlen definiert sind. So werden beispielsweise in der Arbeitslosen-
    • quote nur die bei der Agentur für Arbeit registrierten Arbeitslosen berücksichtigt. Diese
    • Kennziffer kann daher die »wahre« Arbeitslosigkeit nur sehr bedingt widerspiegeln. Da-
    • neben sollten Sie auch immer daran denken, dass die Datenerhebung immer mit Mängeln
    • verbunden ist, sodass auch von dieser Seite die Genauigkeit der Kennziffern einge-
    • schränkt wird.
  7. Ein Bauer baut Weizen an und verkauft diesen für 1 Euro an einen Müller. Dieser mahlt
    den Weizen zu Mehl und verkauft es für 3 Euro an einen Bäcker. Der Bäcker backt aus
    dem Mehl Brot und verkauft es einem Ingenieur für 6 Euro. Der Ingenieur isst das Brot.
    Wie groß ist die Wertschöpfung, die jede Person hervorbringt? Wie groß ist das BIP?
    • Die Wertschöpfung, die eine Person hervorbringt, ergibt sich als Differenz aus dem Verkaufswert des jeweiligen Produkts und den Vorleistungen, die für die Produktion des
    • Guts eingesetzt wurden. Da der Bauer annahmegemäß keine Vorleistung verwendet hat und den Weizen für 1 Euro an den Müller verkauft, beträgt die Wertschöpfung des Bauern 1 Euro. Der Verkaufspreis des Mehls beträgt 3 Euro. Da der Müller den Weizen für 1 Euro eingekauft hat, ergibt sich seine Wertschöpfung zu 3 Euro – 1 Euro = 2 Euro. Analog errechnet sich die Wertschöpfung des Bäckers: Er verkauft Brot im Wert von 6 Euro und hat Vorleistungen im Wert von 3 Euro bezogen. Daher beträgt seine Wertschöpfung
    • 6 Euro – 3 Euro = 3 Euro. Der Ingenieur konsumiert das Brot. Hiermit ist keine Wert-
    • schöpfung verbunden. Das Bruttoinlandsprodukt ergibt sich als Summe der einzelnen
    • Wertschöpfungen. Das Bruttoinlandsprodukt beträgt daher 1 Euro + 2 Euro + 3 Euro =
    • 6 Euro. Es entspricht damit gleichzeitig dem Wert des Brotes, in dem die Wertschöpfung
    • für das Getreide und für das Mehl enthalten ist.
  8. Eine Frau heiratet ihren Butler. Nachdem sie verheiratet sind, bedient ihr Mann sie wie
    zuvor, und sie gibt ihm ein Taschengeld in Höhe seines früheren Lohns. Welche Auswir-
    kung hat die Heirat auf das BIP? Wie sollte sich die Heirat auf das BIP auswirken?
  9. Das Bruttoinlandsprodukt erfasst nur Aktivitäten, die über den Markt abgewickelt wer-
    • den. Die Tätigkeit eines Butlers geht daher in Höhe seines Gehalts in das Bruttoinlands-
    • produkt ein. Nach der Eheschließung erfolgt keine Entlohnung über den Markt. Daher
    • wird das Taschengeld auch nicht im Bruttoinlandsprodukt berücksichtigt. Folglich sinkt
    • das Bruttoinlandsprodukt aufgrund der Eheschließung, und zwar in Höhe des früheren
    • Lohnes. Weil die gleichen Leistungen erbracht werden wie vorher, könnte man argumen-
    • tieren, dass sich die Heirat nicht auf das Bruttoinlandsprodukt auswirken sollte. Beim
    • Statistischen Bundesamt gibt es Bestrebungen, die Produktion, die im Haushaltssektor
    • stattfindet, mithilfe eines sogenannten Satellitensystems zu erfassen, das neben dem
    • Bruttoinlandsprodukt ausgewiesen wird. Allerdings muss man sehen, dass eine solche
    • Erfassung mit außerordentlich großen Schwierigkeiten bei der Datenerhebung und bei der Bewertung der Transaktionen verbunden ist.
  10. Ordnen Sie jede der nachfolgenden Transaktionen in eine der fünf Ausgabenkategorien ein (privater Konsum, Staatskonsum, private Investitionen, öffentliche Investitionen,
    Nettoexporte).
    a. VW verkauft einen Lieferwagen an die Bundeswehr.

    b. VW verkauft einen Lieferwagen an die BASF AG.
    c. VW verkauft einen Lieferwagen an die Air France.
    d. VW verkauft einen Lieferwagen an Herrn Meyer.
    e. VW baut einen Lieferwagen, um ihn im nächsten Jahr zu verkaufen.
    • a. Öffentliche Investition.
    • b. Private Investition.
    • c. Export.
    • d. Konsum.

    e. Private (Lager-)Investition.
  11. Suchen Sie Daten für das deutsche BIP und seine Komponenten und berechnen Sie die
    Anteile der folgenden Komponenten am BIP für die Jahre 1991, 2000 und 2010:
    a. privater Konsum,
    b. private Bruttoinvestitionen,

    c. öffentlicher Verbrauch,
    d. öffentliche Investitionen,
    e. Nettoexporte,
    f. Importe.

    Zeigen sich in den Daten stabile Relationen? Können Sie irgendwelche Trends erkennen?
    (Hinweis: Wichtige volkswirtschaftliche Daten finden sich im Anhang des regelmäßig
    erscheinenden Jahresgutachtens des Sachverständigenrates. Die amtliche Quelle für Da-
    ten zu den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen ist die Fachserie 18, Reihe 1 des
    Statistischen Bundesamtes. Beide Quellen finden Sie auf der Website des Statistischen
    Bundesamtes, www.destatis.de).
    • Das Zusammenstellen der Daten weist auf einige Schwierigkeiten hin, mit denen empi-
    • risch arbeitende Ökonomen zu kämpfen haben. Zwar sind die gesuchten Daten prinzipiell
    • in der GENESIS-Online enthalten, man muss sie aber erst finden. Ganz unten auf der
    • Startseite www.destatis.de finden sich Links zu Datenbanken – dort ist GENESIS-Online
    • anzuklicken. Auf der nun geöffneten GENESIS-Online-Site ist im Navigationsbereich der
    • Link »Themen« auszuwählen. Ziemlich weit unten findet sich der benötigte weiterfüh-
    • rende Link (Code 81) zu den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen des Bundes. Dort
    • ist der Code 81000 zu wählen. Da die nächste Seite nur die ersten 20 weiterführenden
    • Links enthält, ist eine Erweiterung der Darstellung auf 100 Elemente über die Auswahl-
    • möglichkeit rechts oben sinnvoll. Die meisten der benötigten Zeitreihen finden sich auf
    • der Seite mit dem Code 81000–0019. Allerdings werden dort nur die Bruttoinvestitionen
    • insgesamt gezeigt. Der in der Fragestellung geforderte getrennte Ausweis von privaten
    • und staatlichen Investitionen wird auf der Seite mit dem Code 81000–0025 vorgenom-
    • men. In Hinblick auf die Berechnung der jeweiligen Anteile am BIP ist es sinnvoll, über
    • die Auswahlmöglichkeiten nur die Variablen und Zeiträume auszuwählen, die benötigt
    • werden. Hat man die Auswahl entsprechend eingeschränkt, kann man den Werteabruf
    • starten. Auf der sich nun öffnenden Seite werden die angeforderten Daten tabellarisch
    • gezeigt. Oben auf der Seite finden sich Auswahlmöglichkeiten für das gewünschte Down-
    • load-Format. In den meisten Fällen wird man sich die Daten als Excel-Tabelle auf den
    • eigenen Rechner laden, um sie weiterzuverarbeiten.
  12. Überlegen Sie für jedes der folgenden Ereignisse, wie dadurch vermutlich das reale BIP tangiert wird. Meinen Sie, dass die vermutete Änderung des realen BIP eine entsprechende Änderung der ökonomischen Wohlfahrt widerspiegelt?

    a. Ein Unwetter führt dazu, dass ein geplantes Konzert der Kelly-Family abgesagt werden muss.

    b.Die Entdeckung einer neuen schnellwüchsigen Weizensorte führt zu einer Zunahme der Ernteerträge.

    c. Aufgrund von zunehmenden Spannungen zwischen Betriebsrat und Unternehmenslei-
    tung kommt es zu spontanen Arbeitsniederlegungen.

    d.In allen Branchen einer Volkswirtschaft sehen sich die Unternehmen einem Rückgang
    der Nachfrage gegenüber. Sie entlassen deswegen Arbeitnehmer.
    e.Der Bundestag verabschiedet ein neues Umweltgesetz, das den Unternehmen verbie-
    tet, Produktionsverfahren zu verwenden, bei denen gesundheitsschädliche Stoffe
    emittiert werden.

    f.Die Zahl der Studenten, die ihr Studium abbrechen, um sich als Lagerarbeiter Geld zu
    verdienen, nimmt zu.

    g.Die Väter im ganzen Land arbeiten kürzer, um mehr Zeit für ihre Kinder zu haben.
    • a.Im Vergleich zu einer Situation, in der das Konzert der Kelly-Family stattgefunden
    • hätte, sinkt das Bruttoinlandsprodukt. Auch die ökonomische Wohlfahrt sinkt, weil
    • etwa die Einkommen der Bühnenarbeiter oder anderer Helfer geringer ausfallen und
    • die Einnahmen der Kelly-Family vergleichsweise geringer sind. Dem entspricht ein
    • geringerer Wert der Konsumausgaben auf der Verwendungsseite des Bruttoinlandspro-
    • dukts, da weniger Eintrittskarten gekauft werden.



    • b.Die Zunahme der Ernteerträge führt zu einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts.
    • Gleichzeitig steigt auch die Wohlfahrt, weil entweder mehr konsumiert werden kann
    • oder bei gegebenem Konsum Arbeit und Kapital aus der Landwirtschaft abgezogen und
    • in andere Bereiche gelenkt werden können.



    • c.Durch die Arbeitsniederlegungen kommt es zu einem Rückgang von Produktion und
    • Einkommen. Das Bruttoinlandsprodukt sinkt daher. Dieser Rückgang des Bruttoin-
    • landsprodukts korrespondiert mit einem Rückgang der ökonomischen Wohlfahrt, weil
    • insgesamt ein geringerer Güterberg zur Verfügung steht.



    • d.Wenn Arbeitnehmer entlassen werden, dann kann ceteris paribus weniger produziert
    • werden. Daher sinkt das Bruttoinlandsprodukt. Dieser Rückgang des Bruttoinlands-
    • produkts ist auch auf der Verwendungsseite erkennbar, da die gesunkenen Einkommen
    • nur einen vergleichsweise geringeren Konsum zulassen. Der Rückgang des Bruttoin-
    • landsprodukts reflektiert auch einen Rückgang der ökonomischen Wohlfahrt, da der
    • Gesellschaft insgesamt weniger Güter zur Verfügung stehen.



    • e.Das Umweltgesetz könnte dazu führen, dass die Produktion gesundheitsschädlicher
    • Stoffe eingestellt wird. Von daher kommt es ceteris paribus zu einem Rückgang des
    • Bruttoinlandsprodukts. Die ökonomische Wohlfahrt könnte aber steigen, da sich die
    • Gesundheitssituation der Gesellschaft verbessert. Diese Verbesserung wird im Brutto-
    • inlandsprodukt jedoch nicht erfasst.



    • f.Wenn sich durch die steigende Zahl der Studienabbrecher der Einsatz des Faktors
    • Arbeit erhöht, könnte ceteris paribus das Bruttoinlandsprodukt steigen. Ob sich die
    • ökonomische Wohlfahrt erhöht, ist nicht eindeutig zu beurteilen. Einerseits kann man
    • argumentieren, dass die Studenten freiwillig das Studium abbrechen und von daher
    • die Wohlfahrt zunehmen muss. Andererseits könnte es sich um eine irrationale Ent-
    • scheidung handeln, die dazu führt, dass langfristig das Bruttoinlandsprodukt kleiner
    • ist als es sein könnte, wenn die Studenten ihr Studium beenden würden.
    • g. Wenn die Väter kürzer arbeiten, dann sinkt der Einsatz des Faktors Arbeit und die
    • Produktion geht zurück. Daher wird das Bruttoinlandsprodukt ebenfalls sinken. Die
    • ökonomische Wohlfahrt könnte gleichwohl steigen, weil sich die Kinder freuen wür-
    • den, dass ihre Väter mehr Zeit für sie haben.
  13. Als sich der amerikanische Senator Robert Kennedy 1968 um die Präsidentschaft bewarb,
    sagte er in einer seiner Wahlkampfreden Folgendes in Bezug auf das BIP:

    »[It] does not allow for the health of our children, the quality of their education, or
    the joy of their play. It does not include the beauty of our poetry or the strength of our
    marriages, the intelligence of our public debate or the integrity of our public officials.
    It measures neither our courage, nor our wisdom, nor our devotion to our country. It
    measures everything, in short, except that which makes life worthwhile, and it can tell
    us everything about America except why we are proud that we are Americans.«

    Hatte Robert Kennedy Recht? Wenn ja, warum machen wir uns dann Gedanken über
    das BIP?
    • Kennedy hebt in seiner Rede hervor, dass das Bruttoinlandsprodukt nur einen Teil der
    • wohlfahrtsrelevanten Tatbestände erfasst. Neben den von Kennedy angesprochenen
    • Punkten werden im Bruttoinlandsprodukt beispielsweise auch Umweltverbrauch und
    • Haushaltsproduktion nicht bzw. nur unzureichend erfasst. Es besteht kein Zweifel daran,
    • dass das Bruttoinlandsprodukt ein nur sehr unvollkommenes Maß für die ökonomische
    • Wohlfahrt darstellt. Andererseits ist verständlich, dass man die ökonomische Wohlfahrt
    • eines Landes gern konzentriert in einer Maßzahl ausdrücken möchte. Versuche, bessere
    • Indikatoren zu finden (z.B. Systeme sozialer Indikatoren), haben sich bislang als frucht-
    • los erwiesen. Daher wird bei intertemporalen und internationalen Wohlfahrtsvergleichen
    • meist nach wie vor in erster Linie auf das Bruttoinlandsprodukt zurückgegriffen. Zumin-
    • dest bei intertemporalen Vergleichen kann man sich damit trösten, dass, wenn die Mess-
    • probleme im Zeitverlauf unverändert bleiben, ein halbwegs vernünftiger Vergleich zwi-
    • schen den einzelnen Jahren möglich ist.
  14. Verwenden Sie die neoklassische Verteilungstheorie, um für jedes der folgenden Ereig-
    nisse die Auswirkungen auf den Reallohn und den realen Mietpreis des Kapitals zu be-
    stimmen:
    a. Ein Zustrom von Immigranten erhöht die Anzahl der Erwerbspersonen.

    b. Ein Erdbeben zerstört einen Teil des Kapitalstocks.
    c. Eine technologische Neuerung verbessert die Produktionsfunktion.
    • Nach der neoklassischen Verteilungstheorie werden die Faktoren Arbeit und Kapital im
    • Gleichgewicht nach ihrem jeweiligen Grenzprodukt entlohnt. Die neoklassische Vertei-
    • lungstheorie geht von positiven, aber abnehmenden Grenzprodukten aus.

    a.Wegen der getroffenen Annahmen führt eine Beschäftigung der zusätzlichen Erwerbs-

    • personen zu einer Abnahme des Grenzprodukts der Arbeit. Da im Gleichgewicht der
    • Reallohn dem Grenzprodukt der Arbeit entspricht, führt der Zustrom von Immigranten
    • zu einem Rückgang des Reallohns. Wenn bei gegebenem Kapitaleinsatz der Arbeits-
    • einsatz steigt, nimmt das Grenzprodukt des Kapitals zu. Daher wird es zu einem
    • Anstieg des realen Mietpreises des Kapitals kommen.

    • b.Ein Rückgang des Kapitalstocks führt zu einem Anstieg des Grenzprodukts des Kapi-
    • tals. Daher wird der reale Mietpreis des Kapitals steigen. Eine Verminderung des Kapi-
    • taleinsatzes bei gegebenem Arbeitseinsatz lässt das Grenzprodukt der Arbeit sinken.
    • Daher wird es zu einem Sinken des Reallohns kommen.

    • c.Technologischer Fortschritt führt im Allgemeinen dazu, dass sowohl das Grenzprodukt
    • der Arbeit als auch das Grenzprodukt des Kapitals steigen. Bei gegebenem Volumen
    • an Arbeit und Kapital werden die Unternehmen daher bereit sein, sowohl einen höhe-
    • ren Reallohn als auch einen höheren realen Mietpreis des Kapitals zu zahlen.
  15. Falls eine zehnprozentige Erhöhung von Kapital und Arbeit einen weniger als zehnpro-
    zentigen Zuwachs der Produktion bewirkt, sagt man, dass die Produktionsfunktion sin-
    kende Skalenerträge aufweist. Wenn die Erhöhung zu einem mehr als zehnprozentigen
    Anstieg der Produktion führt, spricht man von steigenden Skalenerträgen. Aus welchen
    Gründen könnte eine Produktionsfunktion sinkende oder steigende Skalenerträge auf-
    weisen?
    • Konstante Skalenerträge basieren auf der Überlegung, dass eine gegebene Produkti-
    • onsausstattung (z.B. eine Fabrik mit einer gegebenen Technologie und einem gegebenen
    • Volumen an Arbeit und Kapital) so lange repliziert werden kann, wie die Faktorausstat-
    • tung der betreffenden Volkswirtschaft es zulässt. Daher müsste sich auch der Output
    • proportional zum Faktoreinsatz erhöhen.

    • Sinkende Skalenerträge sind offensichtlich nur dann möglich, wenn diese Replikation
    • nicht durchführbar ist. In der Literatur wird in diesem Zusammenhang manchmal auf
    • Produktionsfaktoren verwiesen, die nur begrenzt vorhanden sind (z.B. Land). Wenn bei
    • gegebener Ausstattung mit Land der Einsatz des Faktors Arbeit um einen bestimmten
    • Prozentsatz erhöht wird, nimmt der Ertrag nur unterproportional zu. Dies ist aber nicht
    • auf sinkende Skalenerträge, sondern auf das sinkende Grenzprodukt der Arbeit zurück-
    • zuführen. Wenn man den Einsatz der Produktionsfaktoren korrekt erfasst, können sin-
    • kende Skalenerträge nicht auftreten.

    • Steigende Skalenerträge sind dagegen leichter vorstellbar. Sie treten etwa dann auf,
    • wenn es zu Lerneffekten kommt. Lerneffekte entstehen bei der Ausdehnung der Produk-
    • tion dadurch, dass Arbeitnehmer bei einem größeren Produktionsvolumen geschickter
    • werden, dass organisatorische Verbesserungen der Arbeitsabläufe vorgenommen werden
    • etc. Allerdings muss auch hier einschränkend festgehalten werden, dass man viele dieser
    • Lerneffekte ebenso gut einer Verbesserung der Technologie und damit einer Veränderung
    • der Produktionsfunktion zurechnen kann.
  16. Abbildung 3-5 zeigt, dass die Lohnquote über einen langen Zeitraum betrachtet etwa
    konstant geblieben ist. Tabelle 3-1 zeigt, dass die Reallohnentwicklung trendmäßig sehr
    dicht dem Trend der Arbeitsproduktivität folgt. Wie hängen diese Beobachtungen mit-
    einander zusammen? Könnte die erste Beobachtung richtig sein, ohne dass die zweite
    ebenfalls richtig ist?
    • Die Aufgabe lässt sich am einfachsten lösen, wenn wir uns der Definition der Lohnquote
    • bedienen. Präzise müsste man von der Lohnquote als dem Quotienten aus Arbeitsentgelt und Nettonationaleinkommen zu Faktorkosten (Volkseinkommen) sprechen. Da wir hier aber nicht zwischen Inlandsprodukt und Nationaleinkommen unterscheiden und auch nicht zwischen verschiedenen Bewertungsansätzen differenzieren, können wir guten Gewissens wie folgt definieren: Die Lohnquote ist der Quotient aus Lohneinkommen (Ar-
    • beitsentgelt) und nominalem Gesamteinkommen. Es gilt:

    • LQ = Lohneinkommen /nominales Einkommen 
    •      
    •      = WL/PY =W/P : Y/L


    • In dieser Darstellung ist die Größe im Zähler des Doppelbruchs der Reallohn und die
    • Größe im Nenner die Durchschnittsproduktivität der Arbeit. Die Lohnquote bleibt bei Wachstum des Reallohns nur dann konstant, wenn die Arbeitsproduktivität in gleichem
    • Umfang wächst wie der Reallohn. Würde der Reallohn schneller wachsen als die Arbeits-
    • produktivität, dann müsste die Lohnquote rein rechnerisch immer größer werden.
  17. Erläutern Sie die 3 Funktionen des Geldes. Welche diese drei Funktionen werden auch von den im folgenden genannten Objekten erfüllt, welche nicht? 
    a. Eine Kreditkarte
    • Üblicherweise werden drei Funktionen des Geldes unterschieden: Tauschmittelfunktion, Wertaufbewahrungsfunktion und Recheneinheitsfunktion
    • Mithilfe eines allgemein anerkannten Tauschmittels wird der Gütertausch in zwei Teile zerlegt. Wir tauschen nicht gut gegen Gut, sondern Gut gegen Geld und anschließend Geld gegen Gut. Damit lässt sich die so genante Doppelkoinzidenz der Bedürfnisse vermeiden. Die Wertaufbewahrungsfunktion erlaubt es, den Tauschakt zeitlich zu zerlegen. Wir können also heute ein Gut (z.B unsere Arbeitskraft) tauschen, den Wert, den wir als Gegenleistung erhalten, in Form von Geld speichern und später in andere Güter (z.B in Kinokarte) tauschen. 
    • Die Recheneinheitfkt des Geldes bedeutet, dass wir die Werte alle Güter in einem einheitlichen Maßstab ausdrücken, eben in Geld. 
    • a. Eine Kreditkarte erfüllt die Tauschmittelfunktion, weil wir sie zum Tausch von Waren und Dienstleistungen einsetzen können. Das Kreditkartenkonto dient auch der Wertaufbewahrung, allerdings handelt es sich um negative Werte, da hier die Verpflichtungen akkumuliert werden, die ein Kreditkarteninhaber eingeht. Die REcheneinheitsfkt erfüllt eine Kreditkarte hingegen niht, da wir die Werte von Gütern in Euro ausdrücken und nicht in Kreditkarten
  18. Erläutern Sie die 3 Funktionen des Geldes. Welche diese drei Funktionen werden auch von den im folgenden genannten Objekten erfüllt, welche nicht?
    b. Ein Rembrandtgemälde
    b. Ein Rembrandtgemälde wird nicht allgemein als Tauschmittel anerkannt. Daher erfüllt es die Tauschmittelfunktion nicht. Auch die Recheneinheitsfkt wird von einem Rembrandtgemälde nicht erfüllt. Die Wertaufbewahrungsfunktion kann es daggen prinzipiell erfüllen
  19. Erläutern Sie die 3 Funktionen des Geldes. Welche diese drei Funktionen werden auch von den im folgenden genannten Objekten erfüllt, welche nicht?
    c. Eine U-Bahn Fahrkarte
    Eine U-Bahnfahrkarte wird weder allgemein als Recheneinheit verwendet noch erfüllt sie allgemeine Tauschmittelfunktion. Zur kurzfristigen Wertaufbewahrung kann eine U-Bahnkarte dagegen dienen, allerdings nur im Rahmen der Bestimmungen des jeweiligen U-Bahnsystems.
  20. Im Land Wiknam ist die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes konstant. Das reale BIP steigt jährlich mit einer Rate von 5%, die Geldmenge steigt mit 14%, und der nominale Zinssatz beträgt 11%. Wie groß ist der reale Zinssatz?
    Der reale Zinssatz ist gleich der Differenz aus nominalem Zinssatz und Inflationsrate. Der nominale Zinssatz ist mit 11% gegeben. Die Inflationsrate können wir aus den übrigen Angaben mithilfe der Quantitätsgleichung errechnen. Wir schreiben die Quantitätsgleichung in Wachstumsraten als 

     m + v= y+ π

    Hierin  bedeuten: m- Wachstumsrate der Geldmenge, v-Änderungsrate der Umlaufgeschwindigkeit, π- Inflationsrate, y- Wachstumsrate des Realeinkommens 

    Wir lösen die Quantitätsgleichung  nach π auf

    • π = m +v -y
    • = 14% + 0% - 5%

    • Für den realen Zinssatz gilt dann: 
    • r = 1- π
    •  = 11% - 9% = 2% 
    • Der reale Zinssatz beträgt also 2%
  21. 4.3 Im Jahr 1994 berichtete ein Artige von Associated Press, dass die Vereinigten Staaten sich in einer Phase niedriger Inflation befänden. Es hieß: ".. niedrige Inflation hat einen Nachteil: 45 Millionen Bezieher von Sozialversicherungsrenten und andren Transfers werden feststellen müssen, dass ihre Bezüge im nächsten Jahr nur um 2,8% steigen werden"
    a. Warum werden die amerikanischen Sozialvericherungsleistungen von der Höhe der Inflationsrate tangiert?
    a. Die Sozialversicherungsleistungen sind in den Vereinigten Staaten indexiert, d.h. sie erhöhen sich automatisch im Ausmaß der durch den Verbraucherpreisindex gemessenen Inflationsrate. Bei einer geringen Inflationsrate fällt daher auch die Steigung der Sozialversicherungsrenten nominal gering aus.
  22. 4.3 Im Jahr 1994 berichtete ein Artige von Associated Press, dass die Vereinigten Staaten sich in einer Phase niedriger Inflation befänden. Es hieß: ".. niedrige Inflation hat einen Nachteil: 45 Millionen Bezieher von Sozialversicherungsrenten und andren Transfers werden feststellen müssen, dass ihre Bezüge im nächsten Jahr nur um 2,8% steigen werden"

    b. Handelt es sich bei der beschriebenen Auswirkung um Kosten der Inflation, wie der Artikel es suggeriert? Begründung?
    Wenn die Veränderungsrate des Verbraucherpreisindex den Kaufkraftverlust der Rentner richtig misst, hat die Höhe der Inflation keinen Einfluss auf die reale Situation der Rentner. Durch die Indexierung wird der inflationsbedingte Kaufkraftverlust unabhängig von der Höhe der Inflationsrate immer genau ausgeglichen, sodass die reale Situation der Rentner von der Inflation nicht berührt wird.
  23. 4.4.Nehmen Sie an, ein Land habe die Geldnachfragefuntkion (M/P)d = kY, wobei k ein konstanter Parameter ist. Das Geldangebot wächst mit zwölf Prozent pro Jahr und das Realeinkommen wächst mit vier Prozent pro Jahr. 
    A. Wie hoch ist die durchschnittliche Inflationsrate?
    B. Nehmen Sie nun anstelle einer konstanten Geldnachfragefunktion an, dass die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes in dieser Wirtschaft aufgrund von Finaninnovationen stetig wächst. Wie würde dies die Inflationsrate berühren? Erläutern Sie.
    C. In welcher Weise würde sich die Inflationsrate unterscheiden, wenn das REaleinkommenswachstum höher wäre? Erläutern Sie
    A. Er wird angenommen, dass ein Geldmarktgleichgewicht vorliegt. Bezeichne wir das reale Geldangebot mit M/P, können wir daher schreiben : M/P = kY. Mit der Definition V= 1/k erhalten wir die übliche Darstellung der Quantitätstheorie: MV =PY. Betrachten wir nicht Niveaugrößen, sonder Wachstumsraten, gilt unter Verwendung der im Lehrbuch benutzen Symbole: m + v = π +y bzw π = m + v -y. Ist k konstant, muss auch V konstant sein, was eine Wachstumsrate von null impliziert. Weil in der Aufgabenstellung angenommen wird, das m = 0,12 und y= 0,12 + 0 - 0,04 = 0,08. Die Durchschnittliche Inflationsrate beträgt 8% pro Jahr

    b. Bei einem höheren Realeinkommenswachstum wäre die Inflationsrate niedriger 
    c. Haben Finanzinnovationen einen dauerhaften Anstieg der Umlaufgeschwindigkeit zur Folge, nimmt die Inflationsrate zu.
    (this multiple choice question has been scrambled)
  24. 4.5. 
    Nehmen Sie an, dass Sie ein kleines Land (z.B Bermuda) beratenm ob es eigenes Geld oder das Geld eines größeren Nachbarn (z.B die USA) verwenden soll. Worin sehen Sie die Kosten und Nutzen einer nationalen Währung? Spielt die relative politische Stabilität der beiden Länder bei dieser Entscheidung eine Rolle?
    • 4.5
    • Bei der Kosten einer nationalen Währung ist in erster Linie an einer Politik zu denken, die zu hoher Inflation führt. Der Nutzen einer nationalen Währung besteht darin, dass die Seigniorage im Land verbleibt. Seigniorage kann man als Steuer zu verzichten. Wenn das kleine Land auf eigenes Geld verzichtet und die Währung eines größeren Nachbarn verwendet, fließt die Seigniorage diesem größeren Nachbarn zu. Wenn dieser Nachbar eine Politik des stabilen Geldes verfolgt, dann ergeben sich für das kleine Land aber Vorteile, weil die eigene Regierung keine Möglichkeit mehr hat, durch Inflationierung der heimischen Währung Seigniorage zu erzielen.
    • Die Verwendung der Währung eines anderen Landes ist vor allem dann sinnvoll, wenn dieses andere Land durch hohe politische Stabilität charakterisiert ist, das eigene Land aber eher instabil ist. Durch die Verwendung der ausländischen Währung überträgt man die geldpolitische Stabilität des Auslands auf das Inland
  25. 4.6.
    Während des zweiten Weltkriegs planten sowohl Großbritannien als auch Deutschland den Einsatz einer Papierwaffe: Sie hatten Geld des jeweils anderen Landes gedruckt und wollten es in großen Mengen aus Flugzeugen abwerfen. Warum hätte diese Waffe sehr wirkungsvoll sein können.
    • 4.6
    • Wenn über einem anderen Land dessen Geld abgeworfen wird, dann erhöht man das im betreffenden Land umlaufende Geldvolumen. Falls die Menge groß genug ist, wird die Inflationsrate dieses Landes stark steigen. Damit entstehen in dem betreffenden Land verschiedene Kosten, wie z.B unvorhersehbare Umverteilungseffekte, größere Variabilität der relativen Preise und eine Einschränkung der Geldfunktionen. Die Plannungssicherheit geht zurück, die Unsicherheit wächst. Insgesamt könnte also der Einsatz dieser Papierwaffe tatsächlich zu einer Destabilisierung der politischen Lage führen.
  26. 4.7
    Nehemn Sie an die Geldnachfragefunktion habe folgende Form: 
    (M/P)d =  L(i, Y) = Y(5i)
    a. Wenn Sie von der Konstanz des Nominalzinssatzes ausgehen und annehmen, dass die Produktion mit der Rate g wächst, mit welcher Rate wird dann die reale Geldnachfrage wachsen? 
    b. Wie hoch ist die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes in dieser Volkswirtschaft? 
    c. Mit welcher Rate wird die Umlaufgeschwindigkeit wachsen (falls sie überhaupt wächst), wenn Inflation und Nominalzinssatz konstant sind? 
    d. Nehmen Sie an, dass das Zinsniveau ansteigt und dauerhaft auf diesem erhöhten Niveau bleibt. Wie wird sich dieser Zinsanstieg auf die Höhe der Umlaufgeschwindigkeit auswirken? Wie wirkt er sich auf die Wachstumsrate der Umlaufgeschwindigkeit in den Folgeperioden aus?
    • a. Wenn der Nominalzinssatz als konstant angenommen wird, dann ist die reale Geldnachfrage proportional zur Produktion (Realeinkommen). Folglich muss die Geldnachfrage ebenfalls mit der Rate g wachsen
    • b. Um die Umlaufgeschwindigkeit berechnen zu können, nehmen wir an, dass das Geldmarkt im Gleichgewicht ist. Dann gilt M/P = Y/(5i). Die allgemeine Definition der Umlaufgeschwindigkeit ist V = PY/M. Im vorliegenden Fall erhalten wir PY/M = 5i. Für die Umlaufgeschwindigkeit gilt bei der vorliegenden Spezifikation der Geldnachfragefunktion also: V= 5i 

    c. Wegen des Zusammenhangs V=5i muss die Umlaufgeschwindigkeit konstant sein, wenn der Nominalzinssatz konstant ist. Die Umlaufgeschwindigkeit wächst also nicht. 

    d. Wenn das Zinsniveau beispielsweise von 5% auf 10% wächst, dann erhöht sich die Umlaufgeschwindigkeit von 0,25 auf 0,5. Das Beispiel verdeutlicht, dass die Zinserhöhung einmalig zu einem Anstieg der Umlaufgeschwindigkeit führt. In den Folgeperioden ändert sie sich aber nicht mehr (Wachstumsrate =0)
  27. 4.8
    Calvin Cooligde sagte einmal, dass "Inflation Nichtanerkennung von Staatsschulden" sei. Was könnte er damit gemeint haben? Stimmen Sie der Aussage zu? Begründung? mach es einen Unterschied, ob es sich um eine erwartete oder unerwartete Inflation handelt?
    Coolidge könnte daran gedacht haben, dass der Staat im allgemeinen Nettoschuldner ist. Der reale Wert der Staatsschulden ergibt sich als Quotient aus nominaler Staatsverschuldung und Preisniveau. Wenn das Preisniveau steigt, nimmt der reale Wert der Staatsverschuldung ab. Insofern führt Inflation tatsächlich dazu, dass der Staat den Realwert seiner Schulden nicht anerkennt. Die beschriebene Umverteilung vom Gläubiger (privater Sektor) zum Schuldner (Staat) tritt allerdings nur auf, wenn es sich um unerwartete Inflation handelt. Ist die Inflation vorhersehbar, dann wird der nominale Zinssatz entsprechend der Fischer Gleichung steigen. Zwar vermindert die Inflation dann immer noch den realen Wert des Schuldenstandes, gleichzeitig werden die Gläubiger aber durch einer erhöhte nominale Verzinsung kompensiert
  28. 4.9

    Einige Wirtschaftshistoriker haben behauptet, dass zu Zeiten des Goldstandards nach langen Deflationsphasen die Wahrscheinlichkeit für Goldfunkdebesonders hoch war. Warum könnte diese Behauptung zutreffen?
    Eine Deflationsphase ist eine Phase, in der das Preisniveau sinkt. Ein sinkendes Preisniveau ist aber gleichbedeutend mit einem Anstieg der Kaufkraft des Geldes. Da unter einem Goldstandard geld und Gold in einem festen Verhältnis zueinander stehen, nimmt durch die Deflation nicht nur der Wert des Geldes, sondern auch der Wert des Goldes zu. Weil gold, gemessen in Gütern, wertvoller geworden ist, nimmt auch der Anreiz zu, verstärkt nach Gold zu suchen. Wenn sich aber mehr Leute auf die Suche nach Gold begeben, dann nimmt auch die Wahrscheinlichkeit für Goldfunde zu.
  29. Nehmen Sie an,, dass die Konsumausgaben von der Höhe der Realkasse abhängen. (dies lässt sich damit begründen, dass die Realkasse einen Teil des Vermögens darstellt). Zeigen Sie, dass unter der Annahme einer Abhängigkeit der Realkasse vom Nominalzinssatz eine Zunahme des Geldmengenwachstums den Konsum, die Investitionen und den Realzinssatz beeinflusst. Passt sich der nominale Zinssatz stärker als im Verhältnis eis zu eins an die erwartete Inflationsrate an oder schwächer? Diese Abweichung von der klassischen Dichotomie und dem Fischer-Effekt wird als Mundell-Tobin-Effekt bezeichnet. Wie könnte man entscheiden, ob der Mündell- Tobin-Effekt praktische Relevanz besitzt?
    Wenn das Geldmengewachstum zunimmt, dann ergibt sich aus der Quantitätstheorie eine Zunahme der Inflationsrate. Die höhere Inflationsrate führt zu einem Anstieg des nominalen Zinssatzes. Gehen wir davon aus, dass die Realkasse von ihrem Nominalzinssatz abhängig ist, wird dieser Anstieg des Nominalzinssatzes zu einem Rückgang der Realkasse führen. Weil die Realkasse einen Teil des Vermögens darstellt, nimmt die Realskasse insgesamt ab. Der Rückgang der Realkasse führt dann dazu, dass auch die Konsumausgaben sinken und das Sparen zunimmt. Bei gegebener Investitionsnachfrage führt die höhere Ersparnis zu einem Rückgang des realen Zinssatzes und damit zu einem Anstieg der Investitionen. Der Fischer-Effekt basiert auf der Fischer-Gleichung i = r + π und besagt, dass zwischen Nominalzinssatz und Inflationsrate eine Eins-zu-eins-Beziehung besteht. Der Fischer -Effekt basiert auf einem gegebenen Realzinssatz. Wenn der Mundell-Tobin-Effekt auftritt, sinkt der Realzinssatz jedoch. Daher passt sich der nominale Zinssatz bei Auftreten des Mündell-Tobin-Effekts schwächer als eins zu eines an die erwartete Inflationsrate an. Die praktische Relevanz des Mundell-Tobin-Effemts lässt sich prinzipiell empirisch überprüfen. So müsste beispielsweise erkennbar sein, dass eine Erhöhung des Geldmengewachstums zu einem Anstieg von Sparen und Investieren führt. Wie bei anderen Vermögenseffekten ist die Auswirkung auf den Konsum wohl eher gering.
  30. 5.1 
    Verwenden Sie das Modell der kleinen offenen Volkswirtschaft, um zu prüfen, welche Folgen für die Leistungsbilanz sowie den realen  und nominalen Wechselkurs jedes der folgenden Ereignisse hat. 
    a. Die Konsumenten blicken ängstlicher in die Zukunft. Sie konsumieren daher weniger und sparen mehr.
    a. Eine Erhöhung des Sparens verschiebt in einem Diagramm, in dem die Nettoexporte an der Abszisse und der Wechselkurs an der Ordinate abgetragen werden, die (S-I)-Kurve, die Nettokapitalexporte repräsentiert, nach rechts. Das Angebot an Euro, das in ausländische Währung getauscht und im Ausland investiert werden soll, nimmt also zu. Die abwärts geneigte NX-Kurve in Abb 5-1 repräsentiert die Nettonachfrage nach Euro durch die Ausländer, die inländische Güter kaufen möchten. Aufgrund der Zunahme des Euro-Angebots kommt es zu einem Druck auf den realen Wechselkurs. Dieser sinkt von ε1 auf εDamit werden inländische Güter relativ zu ausländischen Gütern billiger, sodass die Nettoexporte des Inlands zunehmen. Der Leistungsbilanzsaldo nimmt daher zu. Unter der Annahme, dass zwischen Inland und Ausland keine Inflationsdifferenz besteht, überträgt sich der Rückgang der realen Wechselkurses eins zu eines auf den nominalen Wechselkurses
  31. 5.1 Verwenden Sie das Modell der kleinen offenen Volkswirtschaft, um zu prüfen, welche Folgen für die Leistungsbilanz sowie den realen und nominalen Wechselkurs jedes der folgenden Ereignisse hat.
    b. Die Einführung einer neuen Modellreise der Firma Toyota führt dazu, dass sich mehr Käufer für diese Automarke entscheiden. Insgesamt werden daher mehr ausländische und weniger inländische Autos gekauft
    Die Einführung der neuen Modellreihe von Toyota führtz zu einer Präferenzänderung der inländischen Konsumenten, die sich in einer Linksverschiebung der NX-Kurve niederschlägt: zu jedem gegebenen Wechselkurs sind die Importe höher (und damit die Nettoexporte geringer) als in der Ausgangssituation. In der Ausgangssituation lag der reale Wechselkurs bei ε1. Jetzt kommt es zu einem Rückgang der Nettoexportnachfrage. Daher sinkt die Euro-Nachfrage. Da sich weder das inländische Sparen noch die inländische Investitionsnachfrage geändert haben, bleibt der Nettokapitalexport unverändert. Damit bleibt aber auch der Euro-Angebot konstant, das in ausländische Währung getauscht werden soll.
  32. 5.1 Verwenden Sie das Modell der kleinen offenen Volkswirtschaft, um zu prüfen, welche Folgen für die Leistungsbilanz sowie den realen und nominalen Wechselkurs jedes der folgenden Ereignisse hat.

    c. Die Einführung von Geldautomaten verringert die geldnachfrage.
    Zunächst ist zu prüfen, wie sich die Verringerung der Geldnachfrage auf die (S-I) bzw. die NX-Kurve auswirkt. Die inländische Ersparnis wird durch die Höhe des Gesamteinkommens, durch die Konsumneigung und durch die fiskalpolitischen Parameter (Steuern, Staatsausgaben) bestimmt. Da diese nicht durch die Einführung der Geldautomaten beeinflusst werden, bleibt S also unverändert- Das Gleiche gilt für die Investitionen, die nur vom Weltrealzinssatz abhängen, der ebenfalls durch die Einführung von Geldautomaten nicht berührt wird. Damit bleibt auch das Angebot an inländischer Währung unverändert, das in Auslandwährung getauscht werden soll. Die Lage der Nettoexporteure wird durch die Einführung der Geldautomaten ebenfalls nicht verändert.
  33. 5.5
    In der Fallstudie "Warum fließt das Kapital nicht in arme Länder" wurde festgestellt, dass sich die Leistungsbilanz in reichen Ländern wie den vereinigten Staaten in Richtung Überschuss entwickeln würde, wenn ärmere Länder eine höhere Effizienz der Produktion und ein höheres Maß an Rechtssicherheit aufweisen würden. Wir wollen überlegen, warum dies richtig sein könnte 
    a. Wenn arme Länder eine höhere Effizienz der Produktion und ein höheres Maß an Rechtssicherheit aufweisen würden, was würde mit der Investitionsnachfragefunktion in diesen Ländern geschehen? 

    b. Wie würde sich die in Teil a. beschriebene Änderung auf die Kreditnachfrage auf den Weltfinanzmärkten auswirken? 

    c. Wie würde die von Ihnen in Teil b. festgestellte Änderung sich auf den Weltzinssatz auswirken 

    d. Wie würde sich die von Ihnen in Teil c. festgestellte Änderung auf die Leistungsbilanz reicher Länder auswirken?
    a. Wie im Lehrbuch erläutert, führen ein höheres Maß an Produktionseffizienz und ein höheres Maß an Rechtssicherheit in armen Ländern zu einem Anstieg der Produktivität. Wegen der gestiegenen Grenzproduktivität des Kaüitals ist es nun für jeden gegebenen Zinssatz lohnender zu investieren. Dies impliziert eine Rechtsverschiebung der Investitionsnachfragekurve

    b. Wenn die betreffenden Länder auch in der Summe "klein" sind, ergeben sich keine Auswirkungen auf die Weltkreditnachfrage. Ist in der Summe der Anstieg der Kreditnachfrage "groß", dann verschiebt sich die Kurve der Weltkreditnachfrage nach rechts. 

    c. Geht man davon aus, dass das Weltkreditangebot gegeben ist, würde die Rechtverschiebung der Weltkreditnachfragekurve einen Anstieg gdes Weltzinssatzes hervorrufen 

    d. In den reichen Ländern würde sich die Investitiionsnachfrage zinsinduziert verringern. Wegen NX= S-I(r) würde sich die Leistungsbilanz dieser Länder in Richtung Überschuss entwickeln.
  34. 5.6
    Der amerikanische Präsident erwägt die Erhebung eines Importzolls auf japanische Luxusautos. Diskutieren Sie die ökonomischen und politischen Aspekte einer solchen Politik. Gehen sie insbesondere auch darauf ein, wie sich eine solche Politik auf das Leistungsbilanzdefizit der Vereinigten Staaten auswirken würde. Welche Wirkungen ergäben sich auf den Wechselkurs? wer würde durch eine solche Politik benachteiligt? wer würde bevorzugt?
    Wir wollen bei der Beantwortung dieser Aufgabe zunächst wieder überlegen, welche Variablen unseres Modells durch einen solchen Importzoll unmittelbar betroffen werden. Da weder das Gesamteinkommen noch der Konsum noch die Staatsausgaben durch den Importzoll verändert werden, gilt diesauch für die gesamtwirtschaftliche Ersparnis . Ebenso wird die Investitionsnachfrage nicht unmittelbar von einem Importzoll berührt. Die (S-I)Kurve in Abb 5-11 ändert ihre Lage also nicht. ...
  35. 5.7

    Nehmen Sie an, dass China Fernsehgeräte exportiert und als Währung den Yuan verwendet, während Russland Wodka exportiert und den Rubel verwendet. China weist ein stabiles Geldangebot und langsamen, stetigen technologischen Fortschritt bei der Produktion von Fernsehgeräten auf. Russland verzeichnet hingegen ein sehr schnelles Wachstum des Geldangebots, aber keinerlei technologischen Fortschritt bei der Wodka Produktion. Wie werden sich wohl realer Wechselkurs (gemessen als Wodka-Flaschen je Fernsehgerät) und nominaler Wechselkurs (gemessen als Rubel pro Yuan) entwickeln, wenn sie von diesen Information ausgehen? Erläutern Sie ihre Überlegungen.
    • 5.7
    • Der reale Wechselkurs gibt das Austauschverhältnis an, zu dem die Güter eines Landes gegen die Güter eines anderen Landes getauscht werden. Im Kontext der vorliegenden Aufgabe geht es also um das austauschverhältnis zwischen Wodka-Flaschen und Fernsehgeräten. Es wird in der Fragestellung angenommen, dass China einen dauerhafte technologischen Fortschritt bei der Produktion von Fernsehgeräten verzeichnen kann, während die Technologie bei der russischen Wodka Produktion stagniert. Da führt dazu, dass China mit der vorhandenen Ausstattung an Produktionsfaktoren immer mehr Fernsehgeräte produzieren kann, während die Anzahl der produzierten Wodka -Flaschen konstant bleibt. Über die Zeit werden chinesischen Fernsehgeräte relativ reiflicher bzw. russischer Wodka wird knapper. Im allgemeinen führt die zunehmende Knappheit bei einem Gut dazu, dass sein relativer Preis steigt. Wodka sollte also ausgedrückt in Fernsehgeräten teuer werden - man bekommt für ein Fernsehgerät immer weniger Wodka. Der reale Wechselkurs sinkt also.
    • Der nominale Wechselkurs reibt sich aus dem Produkt von realem Wechselkurs  und Preisverhältnis: 
    • e=ε . P*/P

    hierin ist e der nominale Wechselkurs (ausgedrückt als Rubel pro Yuan), ε ist der reale Wechselkurs (gemessen in Wodka-Flaschen pro TV Gerät), P* ist der Rubel-Preis einer Wodka-Flasche und P ist der yuan Preis eines Fernsehgeräts- Aufgrund der in der Fragestellung getroffenen Annahme eines in China stabilen, in Russland aber schnellen Wachstums des geldangebots ist damit zu rechnen dass das Preisniveau in Russland im Zeitverlauf zu nimmt, während es in China unverändert bleibt Damit wird das Preisverhältnis P*/P iM Zeitverlauf größer, Gleichzeitig geht aber wie oben überlegt der reale Wechselkurs zurück. Weil beide Effekte gegenläufig sind, lässt sich nicht allgemein sagen, wie sich der nominale Wechselkurs entwickeln wird.
  36. 6.1
    Beantworten Sie die folgenden Fragen bezüglich ihrer eigenen Erfahrungen als Erwerbsperson: 
    b. Berechenen Sie aus ihren Schätzungen (auf eine Woche bezogen) ihre Quote deS Neuabschlusses f und ihre Quote der Auflösung s von Arbeitsverhältnissen. (Hinweis: wenn f die Quote des neuabschlusses angibt, dann gibt 1/f die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit an) 

    c. Wie groß ist die natürliche Arbeitslosenquote für den Bevölkerungsteil, den Sie repräsentieren
    b. Wenn es im Durchschnitt vier Wochen dauert, einen neuen Job zu finden, dann werden pro Woche durchschnittlich 0,25 neue Arbeitsverhältnisse begründet. Es gilt also f= 0.25. Wenn ein durchschnittliches Beschäftigungsverhältnis 16 Wochen besteht, dann heißt das, dass im Durchschnitt als 16 Wochen ein Arbeitsverhältnis aufgelöst wird. Pro Woche sind das 0,0625 Arbeitsverhältnisse. Es gilt also s= 0,0625

    • c. Die natürliche Arbeitslosenquote wird hier als Steady-State- Arbeitslosigkeit verstanden, d.h. die Anzahl der neu abgeschlossenen Arbeitsverhältnisse ist stets gerade gleich der Zahl der aufgelösten Arbeitsverhältnisse. Unter dieser Bedingung gilt: 
    • U/L = s// s+f
    • = 0,0625// 0,0625 + 0,25 =0,2

    Zusammengefasst: wenn die Arbeitssuche bei Studenten im Durchschnitt vier Wochen dauert, ein Arbeitsverhältnis im Schnitt vier Monate besteht, dann beträgt die natürliche Arbeitslosenquote 20%
  37. 6.3
    Die Bewohner eines Studentenwohnheims haben folgende Daten zusammengetragen: Die Personen, die im Wohnheim leben, können in zwei Gruppen eingeteilt werden. Die erste Gruppe umfasst diejenigen, die eine partnerschaftliche Beziehung haben; die zweite Gruppe umfasst diejenigen, die keine Beziehungen haben. Jeden Monat geht bei 10% von denen, die zur ersten Gruppe gehören, die Beziehung in die Brüche. Ferner gehen jeden Monat 5% derjenigen, die zur zweiten Gruppe gehören, eine neue Beziehung ein. Wie groß ist im Steady State der Anteil der Bewohner, die keine Beziehung haben?
    • bei der Beantwortung dieser Frage wollen wir folgende Abkürzungen verwenden: 
    • P- Anzahl der Studenten mit B
    • N- Anzahl der Studenten insgesamt 
    • Der stationäre Zustand ist dadurch charakterisiert, dass die Anzahl der Studenten mit neu eingetragenen Beziehungen genauso groß ist wie die Anzahl der Studenten, deren Beziehungen in die Brüche gehen Die Anzahl der Studenten mit einer Beziehung bleibt dann im Zeitverlauf gerade konstant. Wenn jeden Monat 10% der in einer Beziehung lebenden Studenten ihre Beziehung beenden, dann beträgt ihre Anzahl 0,1* P
    • Wenn jeden Monat 5% der "SingleS" eine neue Beziehung eingehen, dann beträgt ihre Anzahl 0,05*K. Im stationäre Zustand gilt: 
    • 0,05K = 0,1P
    • Wegen N=K+P
    • folgt: 
    • 0,05K = 0,1(N-K)
    • K/N= 2/3

    Der Anteil der Studenten, der keine partnerschaftliche Beziehung hat, beträgt 66,7%
  38. 6.4
    Nehmen Sie an, dass der Kongress der Vereinigten Staaten ein Gesetz verabschiedet, das es U erschwert, AN zu entlassen. Wie würde sich die natürliche Arbeitslosenquote ändern, wenn durch dieses Gesetz die Rate der Auflösung von Arbeitsverhältnissen gesenkt wird, die Rate der neuabschlüsse davon aber unberührt bleibt? Was meinen Sie, ist es plausibel anzunehmen, dass durch ein solche besetz die Rate der Neuabschlüsse unberührt bleibt? Begründung?
    • Im Lehrbuch wurde die Höhe der natürlichen Arbeitslosenquote un durch folgende Gleichung beschrieben: 
    • un = s // s+f 

    • Wenn durch das Gesetz die Rate der Auflösung von Arbeitsverhältnissen (s) gesenkt wird, ohne dass die Rate der Neuabschlüsse (f) dadurch berührt wird, dann sinkt die natürliche Arbeitslosenquote. 
    • Um die Frage zu beantworten, ob durch das Gesetz die Rate der Neuabschlüsse unberührt bleibt, ist es sinnvoll, über die Reaktionen von Arbeitsanbietern und Arbeitsnachfragern nachzudenken. Die Verringerung von s ist gleichbedeutend mit einer längeren Dauer eines durchschnittlichen Arbeitsverhältnisses
    • Dies könnte bei den Arbeitsanbietern dazu führen, dass sie versuchen, potenzielle Arbeitsplätze genauer zu beurteilen. Damit würde sich die Zeit ausdehnen, die für das Finden eine angemessene Arbeitsplatzes verwendet wird. Dadurch verringern sich tendenziell die Quote der Neuabschlüsse. Wichtiger dürfte in der Praxis aber die Reaktion der Arbeitsnachfrager sein. Wenn es aus ihrer Sicht schwieriger wird, ein Arbeitsverhältnis zu beenden, dann werden sie auch bei der Einstellung zögerlicher sein und mehr Zeit darauf verwenden, die Bewerber genau zu prüfen. Es ist also nicht plausibel anzu nehmen, dass die Rate der Neuabschlüsse von dem Gesetz unberührt bleibt.
  39. 6.7
    Steigt der Lohn eines AN, wird seine Entscheidung über die Höhe seines Arbeitsangebots durch zwei gegensätzliche Kräfte beeinflusst. Der Einkommenseffekt beschreibt einen Impuls, weniger zu arbeiten, weil ein höheres Einkommen bedeutet, dass man sich mehr Freizeit leisten kann. Der Substitutionseffekt beschreibt einen Impuls, mehr zu arbeiten, weil die Entlohnung für eine zusätzliche Arbeitsstunde gestiegen ist. Wenden Sie diese beide Effekte auf Blanchards Hypothese für die amerikanische und europäischen Präferenzen für Freizeit an. Auf welcher Seite des Atlantiks scheint der Einkommenseffekt größer zu sein als der Substitutionseffekt? Auf welcher Seite des Atlantiks heben sich die Effekte annäherungsweise auf? Ist es ihrer Ansicht nach eine vernünftige Hypothese, dass sich die Präferenzen für Freizeit in Abhängigkeit von geographischen Gegebenheiten unterscheiden? Warum oder warum nicht?
    Der Einkommeneffekt wird im Vergleich zum Substitutionseffekt größer sein, wenn die Präferenzen für Freizeit groß und der Grenznutzen zusätzlichen Einkommens gering ist. Der Reallohn ist langfristig sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in Europa gestiegen. Dominiert der Einkommenseffekt den Substituionseffekt, geht das Arbeitsangebot mit steigendem Reallohn zurück. Halten sich Einkommenseffekt und SE genau die Waage, bleibt das Arbeitsangebot bei steigendem Reallohn konstant. Nach dieser mikroökonomischen Sichtweise schein der EE in Europa größer zu sein als der SE. In den VS schein sich dagegen EE und SE annäherungsweise aufzuheben. Aus ökonomischer Sicht ist nicht ohne Weiteres nachvollziehbar, warum sich die Präferenzen für Freizeit in Abhängigkeit von geographischen Gegebenheiten unterscheiden sollten. Allerdings mag es kulturelle und politische Unterschiede geben die eine Rolle spielen könnten
  40. 6.8
    In jeder Stadt steht immer ein Teil der vorhandenen Büroflächen leer. Diese freien Büroflächen stellen ungenutzten Kapitalbestand dar. Wie erklären Sie dieses Phänomen?Handelt es sich um ein soziales Problem?
    wir können Büroflächen und anderen Kapitalgüter als Produktionsfaktoren betrachten, die sich in ähnlicher Weise analysieren lassen wie der Produktionsfaktor Arbeit. Auch bei Büroräumen ist es so, dass in jede Periode ein gewisser Teil der bestehenden Mietverhältnissen gekündigt wird oder ausläuft. Gleichzeitig werden aber auch für leerstehende Büroräume neue Mietverträge abgeschlossen. Vermieter halten na ch neuen Mietern Ausschau, von denen sie glauben, dass sie die vereinbarte Miete pünktlich entrichten werden. Auf der anderen Seite suchen potenzielle Mieter nach Büroräumen, die ihren Ansprüchen hinsichtlich Größe, Lage und Ausstattung möglichst gut entsprechen. Ähnlich wie beim Faktor Arbeit kommt es also zu Suchprozessen, die verhindern, dass alle Büroräume zu jedem Zeitpunkt auch vermietet sind. Um ein soziales Problem handelt es sich bei dem Leerstand also nicht, da dieser auf dem Umstand beruht, dass in einer dynamischen Marktwirtschaft ein beständiger Wandel stattfindet, der auch auf dem Markt für Büroräume zu Umschichtungen führt. darüber hinzu gibt es aber natürlich einen erheblichen Unterschied zwischen dem Faktor Kapital und dem Faktor Arbeit. Beim Faktor Abriet ist das Arbeitseinkommen fast immer die wichtigste und oft auch einzige Einkommensquelle. Dies trifft für die Vermieter von Büroräumen im Allgemeinen nicht zu. Fraktionelle Arbeitslosigkeit kann daher ein soziales Problem darstellen, während dies für die Leerstände von Büroräumen im Allgemeinen nicht gilt.
Author:
huatieulans
ID:
313604
Card Set:
Makroökonomik Lösung 1
Updated:
2016-03-29 14:16:30
Tags:
Klausur
Folders:
Makroökonomie
Description:
Klausurvorbereitung
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