nat. und intern. Unternehmenspublizität Übung

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  1. Aufgabe 1.1 Zündkerzen AG

    Kontrollfrage Nr. 2 zu III.2.2. aus Ruhnke/Simons (2012): Rechnungslegung nach IFRS und HGB, 3. Aufl.,
    Stuttgart 2012, S. 417.

    Für den Einzelabschluss der Zündkerzen AG gilt: Gewinn (profit) nach IFRS in t1: 100 T€, Steuerbilanzgewinn in t1: 180 T€. Dies resultiert daraus, dass eine Schuld nur in der IFRS-Bilanz, nicht jedoch als Schuld in der Steuerbilanz anzusetzen war. In den nächsten vier Jahren kehrt sich der Ergebnisun-
    terschied des Jahres t1 mit Sicherheit in gleichmäßigen Schritten um; in t2 ist der Gewinn nach IFRS somit um 20 T€ höher als der steuerliche Gewinn. Der Steuersatz beträgt 50 %.

    a)  Erläutern Sie, welche latenten Steuern in t1 bzw. t2 auftreten.

    b)  Wie erfolgt der Ansatz der latenten Steuern nach IFRS in t1 bzw. t2?

    c)  Wie würden diese latenten Steuern in einem handelsrechtlichen Abschluss behandelt?
    • a+b) der Buchwert einer Schuld ist in der IFRS-Bilanz höher als der Steuerwert dieser Schuld (Δ80T €)
    • -> latenter Steueranspruch, soweit es wahrscheinlich ist, dass ein zu verstehender Ereignis verfügbar sein wird gegen doch die abzugsfähige temporäre Differenzen verwendet werden können (IAS 12.24)

    • t1 aktive latente Steuern an latenter Steuerantrag 40T € (80.000*0,5)
    • t2-t5 latente Steueraufwand an aktive latente Steuern 10T €

    • c) Ansatzwahlrecht aus §274 Abs.1 S.2 HGB
    • (annahme: es handelt sich um im normalen Geschäftsverlauf umkehrende zeitliche Differenzen)

    Bewerkung: Wenn StB > HB -> zukünftige Steuerentlastung -> aktive latente Steuer

    Wenn StB < HB -> zukünftige Steuerbelastung -> passive latente Steuer
  2. Aufgabe 1.2 Meditec AG

    Modifiziert übernommen aus Coenenberg et al. (2014): Jahresabschluss und Jahresabschlussanalyse, Aufgaben
    und Lösungen, 15. Aufl., Stuttgart 2014, S. 162 ff.; siehe auch die Kontrollfragen 3 und 5 zu III.2.2. in Ruhnke/Si-
    mons (2012): Rechnungslegung nach IFRS und HGB, 3. Aufl., Stuttgart 2012, S. 417.

    Bei der Meditec AG sind in den Geschäftsjahren t1 und t2 unter anderem folgende Vorgänge angefallen,
    die ggf. noch im handelsrechtlichen bzw. IFRS-Abschluss zu berücksichtigen sind:

    a)  t1: Aktivierung von Entwicklungskosten auf selbst geschaffene Software im Anlagevermögen Ende t1 in Höhe von 1.000.000 € und Abschreibung über vier Jahre Nutzungsdauer.

    b)  t1: Aufsichtsratvergütungen in Höhe von 100.000 € werden unter der Position „sonstige betriebliche Aufwendungen“ eingestellt.

    c)  t2: Abwertung von bezogenen Rohstoffen um 200.000 €, da im Laufe der Periode t3 mit Wertminderungen gerechnet wird. Die Wertminderung tritt tatsächlich in t3 ein.

    d)  t2: Auf eine Anfang t2 neu beschaffte Anlage (Anschaffungskosten 10.000.000 €), für die Abschreibungsvergünstigungen für das Fördergebiet (neue Bundesländer) zutreffen, wird eine steuerliche Sonderabschreibung in Höhe von 4.000.000 € vorgenommen. Insofern besteht eine Differenz in Höhe von 4.000.000 € gegenüber der Steuerbilanz. Die Anlage wird linear über eine Nutzungsdauer von 10 Jahren abgeschrieben.

    e)  t2: Für eine im Dreijahresrhythmus durchzuführende Maschinengroßreparatur (Maschine Anfang t1 angeschafft) beträgt der auf das Jahr t2 entfallende Jahresanteil 1.300.000 €. Die nächste
    Reparatur ist für Ende t3 angesetzt.

    Welche latenten Steuerabgrenzungen ergeben sich gemäß § 274 HGB und IAS 12 aus diesen Vorgängen in den Geschäftsjahren t1 bis t5? Verwenden Sie als Bezugsbasis eine Steuerbilanz nach EStG. Gehen
    Sie von einem Ertragsteuersatz von 30 % aus. Gehen Sie – sofern zulässig – sowohl nach der Einzeldifferenzenbetrachtung als auch nach der Gesamtdifferenzenbetrachtung vor.
    • a) Die Investitionen in selbst geschaffene Software in 01 in der Handels-, jedoch nicht in der Steuerbilanz aktiviert und in den Jahren 02-05 abgeschrieben (§253 Abs.3 HGB). In 01 steht dem Wertansatz von 1 Mio auf der Aktivseite der Handelsbilanz ein Wertansatz in der Steuerbilanz ggü, da die Entwicklungskosten steuerlich als Aufwand der Periode vereinnahmt werden. Es entsteht somit eine temporäre Differenz iHv 1Mio. In 02 bis 05 löst sich die temporäre Differenz mit der Verbuchung der Abschreibung um je 250.000 GE auf. Eine latente Steuerabgrenzung ist erforderlich. 
    • Entwicklungskosten für selbst geschaffene Software sind nach IFRS bei kumulativer Erfüllung der Ansatzkriterien des IAS 38.57 zu aktivieren. Es entstehen vorübergehende Differenzen zwischen den IFRS-Wertansätzen und dem Steuerbilanzansatz, sodass auch hier eine latente Steuerabgrenzung erforderlich ist. 

    b) in diesem Fall ist eine permanente Differenz zwischen Handels- und Steuerbilanzergebnis gegeben, da Aufsichtsratsvergütungen gemäß §10 Nr.4 KStG nur zu 50% als Betriebsausgabe anerkannt werden. Auch nach IFRS entsteht eine solche permanente Differenz, da 50% der Aufsichtsratsvergütung nur in der IFRS-Bilanz berücksichtigt werden, nicht jedoch - auch nicht in einer späteren Periode- in der Steuerbilanz. Eine latente Steuerabgrenzung gemäß §274 HGB oder IAS 12 ist nicht möglich. 

    • c) Durch Aufhebung der umgekehrten Maßgeblichkeit im Rahmen des BilMoG (Aufhebung der §§247 Abs.3 i.V.m 273 HGB a.F) weichen Handelsbilanz- und Steuerbilanzwertansatz voneinander ab, sodass eine temporäre Differenz i.H.v 4 Mio GE entsteht, wobei sich diese Differenz im Zeitverlauf ausgleicht. 
    • Nach IFRS sind rein steuerlich bedingte Abschreibungen nicht zulässig, sodass wie nach HGB im Jahr 02 eine temporary differenzce i.H.v 4Mio GE entsteht. Durch die in den Folgejahren höheren Abschreibungsbeträge im IFRS-Abschluss löst sich die Differenz über die Nutzungsdauer der Maschine auf.

    d) Aufgrund des zu erwartenden Verlusts aus dem Vertrag mit der Bau-Max GmbH ist handelsrechtlich gem §249 HGB eine Drohverlustrückstellung i.H.v 50.000 GE zu bilden. Steuerrechtlich besteht ein Passivierungsverbot für Drohverlustrückstellungen (§5 Abs.4a EStG). Somit entsteht in 02 eine temporäre Differenz i.H.v 50.000 GE, die sich in 02 auflöst.

    Nach IFRS ist gem IAS 37.66 ebenfalls eine Drohverlustrückstellung zu bilden, da ein belastender Vertrag vorliegt. Es besteht auch hier eine vorübergehende Differenz zwischen den IFRS-Wertansätzen und dem Steueransatz, was zu einer latenten Steuerabgrenzung führt.
  3. Aufgabe 1.3 Little AG

    Modifiziert übernommen aus Coenenberg et al. (2014): Jahresabschluss und Jahresabschlussanalyse, Aufgaben
    und Lösungen, 15. Aufl., Stuttgart 2014, S. 165 ff.

    Das international tätige Industrieunternehmen Little AG möchte in seinem Jahresabschluss nach IFRS von der gemäß IAS 16.29 alternativ zulässigen Neubewertungsmethode für Gegenstände des Sachanlagevermögens Gebrauch machen.

    Zu Beginn des Jahres t1 kauft die Little AG ein Grundstück (Anschaffungskosten 1.000.000 €) und eine Produktionsanlage (Anschaffungskosten 100.000 €, Restwert 0 €) mit einer Nutzungsdauer von fünf Jahren.

    Im Jahr t2 erhöht sich aufgrund der günstigen Lage der Wert des Grundstücks auf 1.100.000 €.

    Im Rahmen des allgemeinen Preisrückgangs auf dem Immobilienmarkt sinkt im Jahr t3 der Wert des Grundstücks auf 1.050.000 €. Der Marktwert der Produktionsanlage steigt hingegen Ende t3 infolge neu
    entdeckter Einsatzbereiche auf 120.000 €.

    Im Jahr t4 verstärkt sich der Preisverfall für Immobilien, sodass das Grundstück nur noch einen Marktwert von 800.000 € besitzt.

    Im Verlauf des Jahres t5 erholt sich der Wert des Grundstücks auf 1.300.000 €. Die gebrauchte Produktionsanlage kann Ende t5 überraschend für 1.000 € an einen Schrotthändler verkauft werden.

    Wegen Aufgabe des Zweigwerkes entschließt sich das Management im Jahr t6 zum Verkauf des Grundstücks zu einem Preis von 1.100.000 €.

    Welche Wertansätze ergeben sich für das Grundstück und die Produktionsanlage sowie für die korrespondierende Neubewertungsrücklage im Jahresabschluss nach IFRS, wenn das Unternehmen einem
    Steuersatz von 40 % unterliegt und die Neubewertung steuerrechtlich nicht anerkannt wird. Gehen Sie bei der Produktionsanlage davon aus, dass die Little AG von dem Wahlrecht in IAS 16.41 Gebrauch
    macht und die Neubewertungsrücklage nicht erst bei Veräußerung der Produktionsanlage in die Gewinnrücklage umbucht.
    • Grundstück 
    • t1: Grundstück an Bank 1.000.000
    • t2: Grundstück 100T an passive latente Steuer 40T / NBW-Rücklage 60T
    • t3: NBW-Rücklage 30T /passive latente Steuer 20T an Grundstück 50T

    • a)nicht dauerhafte Wertminderung 
    • t4: NBW-Rücklage 30T /passive latente Steuer 20T / Abschreibung 200T  
    • an Grundstück 250T

    aktive latente Steuer 80T (200*0,4) an latente Steuerertrag 80T

    b) dauerhafte Wertminderung 

    • t5: a)
    • Grundstück 500T an 
    • NBW Rücklage 180T/ passive LS 120T/ sonstige betriebl. Ertrag 200T

    latenter Steueraufwand an aktive lat.St  80T (200T * 0,4)

    b) 

    • Produktionsanlage 
    • t1: techn. Anlage an Bank 100.000
    • planm. Abschreibung an techn. Anlage 20.000

    t2: planm. Anlage an techn. Anlage 20.000

    • t3: planm. Abschreibung an techn. Anlage 20.000
    • techn. Anlage 80.000 an NBWRL 48.000 /passive LS 32.000

    • t4: planm Abschreibung 60.000 an techn. Anlage 60.000
    • NBWRL 24.000/passive LS 16.000  an Gewinnrücklage 40.000

    Bank an sonstige betriebl. Ertrag 1.000
  4. Aufgabe 1.4 Steuerspar GmbH

    Modifiziert übernommen aus Theile (2011): Übungsbuch IFRS, 3. Aufl., Wiesbaden 2011, S. 161 ff.

    Bei der Steuerspar GmbH bestehen am 31.12.t1 und 31.12.t2 folgende Abweichungen zwischen dem
    IFRS-Abschluss und der Steuerbilanz:

      Der Buchwert des Sachanlagevermögens ist in der IFRS-Bilanz um 5.000 T€ (31.12.t1) bzw 6.000 T€ (31.12.t2) höher als in der Steuerbilanz, da steuerlich degressiv und kürzer abgeschrieben wird.

      Drohverlustrückstellungen in Höhe von 500 T€ (31.12.t1) bzw. 800 T€ (31.12.t2) werden steuerrechtlich nicht anerkannt.

      Die Pensionsrückstellungen werden steuerrechtlich mit 6 % und im IFRS-Abschluss mit 4 % abgezinst. Dies hat im IFRS-Abschluss zu versicherungsmathematischen Verlusten in Höhe von 1.500 T€ (31.12.t1) bzw. 1.600 T€ (31.12.t2) geführt, die ergebnisneutral mit dem Eigenkapital verrechnet werden.

    Im Laufe des Jahres t2 tritt (mit Wirkung zum 01.01.t2) eine Steuersatzsenkung von 40 % auf 30 % in Kraft. Der Leiter der Steuerabteilung möchte wissen, wie die latenten Steuern im IFRS-Abschluss zum
    31.12.t2 zu bilanzieren sind.
  5. Aufgabe 1.5 Schmitz AG

    Leicht modifiziert übernommen aus Zülch/Hoffmann (2010): Probleme und mögliche Lösungsansätze der "neuen" Ausschüttungssperre nach § 268 Abs. 8 HGB, in: Der Betrieb 2010, S. 909 ff.

    Die Schmitz AG weist in ihrer HGB-Bilanz (Einzelabschluss) einen selbst erstellten immateriellen Vermögensgegenstand im Anlagevermögen in Höhe von 100 GE aus. Dieser resultiert aus der Aktivierung
    der Entwicklungskosten der neuen Anti-Virus Software „Frey-Ware“. Des Weiteren bestehen aktive latente Steuern in Höhe von insgesamt 300 GE und passive latente Steuern in Höhe von 130 GE. Ein Aktivüberhang soll ausgewiesen werden. Die Schmitz AG verfügt am Ende dieses Geschäftsjahres über
    frei verfügbare Rücklagen in Höhe von 250 GE. Der Steuersatz des Unternehmens beträgt 30 %.

    a)  Berechnen Sie den Bemessungsbetrag für die Ausschüttungssperre.
    b)  Kann eine Ausschüttung erfolgen? Wenn ja, in welcher Höhe?
  6. Aufgabe 2.1 M.Erde AG

    Modifiziert übernommen aus Coenenberg et al. (2014): Jahresabschluss und Jahresabschlussanalyse, Aufgaben
    und Lösungen, 15. Aufl., Stuttgart 2014, S. 73 ff.

    Bei der M. Erde AG hat der Wirtschaftsprüfer das Lager an Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen sowie an fertigen und unfertigen Erzeugnissen neu zu bewerten. Dabei werden zunächst die folgenden (vorläufigen) Werte ermittelt:

      Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe 243.000 €
      Unfertige Erzeugnisse 540.000 €
      Fertige Erzeugnisse  1.035.000 €

    Die Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe wurden – wie die Kontrolle der Eingangsrechnungen ergab – zu Einkaufspreisen einschließlich entstandener Nebenkosten und berechneter Umsatzsteuer bewertet. Für die Dienste der allgemeinen Verwaltung sind der Kostenstelle „Roh-, Hilfs- und Betriebsstofflager“
    Kosten in Höhe von 5.000 € belastet und den Anschaffungskosten zugerechnet worden.

    Bei den unfertigen Erzeugnissen hatte man nur das Fertigungsmaterial berücksichtigt. Direkte Fertigungslöhne und Fertigungsgemeinkosten wurden nicht angesetzt. Aus den Kalkulationsunterlagen ist zu entnehmen, dass die Fertigungslöhne 50 % des Werts des verwendeten Fertigungsmaterials ausma-
    chen. Die variablen Fertigungsgemeinkosten betragen 10 % der Fertigungsmaterial- und Fertigungseinzelkosten. Die fixen Fertigungsgemeinkosten belaufen sich auf 300.000 €. Für die Dienste der allgemei-
    nen Verwaltung wäre über die betroffenen Kostenstellen den unfertigen Erzeugnissen ein Betrag von
    12.000 € anzulasten, wobei 7.000 € auf den Produktionsbereich entfallen.

    Die fertigen Erzeugnisse wurden mit den variablen Herstellungskosten angesetzt. Die fixen Fertigungsgemeinkosten in Höhe von 35.000 € wurden ergebniswirksam gebucht.

    Ebenso wurde mit den allgemeinen Verwaltungskosten in Höhe von 20.000 € verfahren.

    Unter den Fertigerzeugnissen befinden sich zwölf Maschinen einer Spezialanfertigung nach Plänen des Auftraggebers mit einem Verkaufspreis von 240.000 € und Herstellungskosten in Höhe von 200.000 €.
    Der Auftraggeber hat bereits vor drei Jahren seinen Geschäftsbetrieb eingestellt. Eine anderweitige Verwendung der Spezialmaschinen hat sich trotz großer Verkaufsbemühungen als unmöglich erwiesen. Abschreibungen wurden bisher noch nicht vorgenommen. Der Schrottwert der Maschinen beläuft sich auf 15.000 €.

    Mit welchen Werten muss das Lager an Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen, an fertigen und unfertigen Erzeugnissen in der handelsrechtlichen Bilanz sowie nach IFRS ausgewiesen werden?
  7. Aufgabe 2.2 Folgebewertung von Rohstoffen nach IFRS

    Kontrollfrage Nr. 7 zu III.3.3. aus Ruhnke/Simons (2012): Rechnungslegung nach IFRS und HGB, 3. Aufl., Stutt-
    gart 2012, S. 486 f.

    Die historischen Anschaffungskosten für ein Kilogramm eines Rohstoffs betragen am 31.12.t1:
    500 €/kg. Ein Kilogramm befindet sich noch auf Lager. Eine Wiederbeschaffung wäre am Stichtag zu
    450 €/kg möglich. Ein Kilogramm des Rohstoffs wird für die Fertigung eines Produkts verwendet. Bei der Fertigung fallen weitere Aufwendungen von 1.200 € an. Der Absatzpreis für das Produkt ergibt sich
    wie folgt: Fall a) 1.750 € und Fall b) 1.600 €.

    Wie ist das Kilogramm des Rohstoffes in beiden Fällen zu bewerten? Anzuwenden sind die IFRS.
  8. Aufgabe 2.3 Folgebewertung nach IFRS und HGB

    Modifiziert übernommen aus Coenenberg et al. (2014): Jahresabschluss und Jahresabschlussanalyse, Aufgaben
    und Lösungen, 15. Aufl., Stuttgart 2014, S. 76 ff.

    Bei der Produktion AG liegt am Ende des Jahres t1 unter anderem folgendes Vorratsvermögen auf Lager:

    zum 31.12.t1 in € Rohstoffe
    Buchwert: 23.000
    Wiederbeschaffungskosten: 22.500
    Verkaufpreis: 23.800
    KOsten des Verkaufs: 600

    zum 31.12.t1 in € fE
    Buchwert: 12.000
    Wiederbeschaffungskosten: 11.300
    Verkaufpreis: 12.800
    Kosten des Verkaufs: 300


    zum 31.12.t1 in € Waren
    Buchwert: 57.000
    Wiederbeschaffungskosten: 42.000
    Verkaufpreis: 54.000
    KOsten des Verkaufs: 1000

    Die Buchwerte stellen dabei die Anschaffungs- und Herstellungskosten der einzelnen Warengruppen dar. Lediglich der Preisverfall im Bereich der Waren wird als dauerhaft eingestuft.
    a) Mit welchem Wertansatz sind die einzelnen Vorratsgruppen gemäß den Vorschriften des Handelsrechts bzw. der IFRS in der Bilanz zum 31.12.t1 anzusetzen? Welche Auswirkungen hat dies auf den Jahresüberschuss?

    b) Im Bereich der Waren ist in den nächsten zwei Jahren mit einem weiteren Preisverfall zu rechnen.
    Die Produktion AG geht davon aus, dass Ende nächsten Jahres der Wert der momentan auf
    Lager liegenden Waren dauerhaft auf 34.000 € fallen wird. Verändert diese Tatsache die in a)
    bestimmten Wertansätze?

    c) Im vergangenen Jahr wurden unfertige Erzeugnisse mit Herstellungskosten von 9.200 € auf den Wert Null abgeschrieben, da der Verkauf der Endprodukte eingestellt wurde. Überraschenderweise wird zum Ende des laufenden Jahres die Produktion wieder aufgenommen. Der Nettoveräußerungserlös
    dieser unfertigen Produkte ist dadurch auf 10.000 € gestiegen. Wie werden
    diese unfertigen Erzeugnisse zum 31.12.t1 gemäß den Vorschriften des HGB und der IFRS angesetzt?
    • a) HGB:
    • strenges Niederstwertprinzip §253 Abs.4 HGB
    • maßgebliche Korrektwert für:
    • - Rohstoffe: Wiederbeschaffungswert
    • - fE Nettoveräußerungswert (Verkaufpreis-Kosten, die bis zum Verkauf noch anfallen)
    • - Waren: min (Wiederbeschaffungswert;Nettoveräußerungswert)

    • IFRS: nur außerplanmäßige Abschreibung gem IAS 2.9, wenn Nettoveräußerungswert < Buchwert 
    • aber für RHB-Stoffe prüfen, ob Endprodukt verlustfrei verkauft werden kann (IAS 2.52)
    • -> dann nicht abschreiben 

    • b)
    • Eine Abschreibung nach vernünftiger kaufm. Beurteilung, die verhindert, dass in den nächsten Jahren der Wertansatz der VG aufgrund von Wertschwankungen geändert werden muss, ist nicht zulässig. Ebenso in den IFRS keine Verlustantizipation möglich 

    c) Entfallen die Gründe für eine in früheren Jahren vorgenommene Abschreibung, so haben die Unternehmen gem. §253 ABs.5 HGB bzw IAS 2.33 wieder bis max auf die AHK zuzuschreiben (hier 9200) 


    • GKV: Vorräte 9200 an Bestandsveränderung 9200
    • UKV: VOrräte 9200 an Umsatzbezogene HK 9200
  9. Aufgabe 2.4 Folgebewertung nach HGB
    Entnommen aus Kontrollfrage Nr. 2 zu III.3.3. aus Ruhnke/Simons (2012): Rechnungslegung nach IFRS und
    HGB, 3. Aufl., Stuttgart 2012, S. 485.
    Im Zuge der Folgebewertung nach HGB findet oftmals der Begriff „verlustfreie Bewertung“ Verwendung.


    a) Was versteht man unter einer „verlustfreien Bewertung“?
    b) Steht eine verlustfreie Bewertung im Einklang mit den Regelungen des IAS 2?
  10. Aufgabe 2.5 Luxusschuh oHG 
    Alte leicht modifizierte Übungsaufgabe zu „Einzelfragen der Bilanzierung“ aus WS 2005/06

    Die Luxusschuh oHG produziert und verkauft exklusive Damenschuhe. Es gibt keine vergleichbare Konkurrenzware. Das Unternehmen hat am 31.12.t5 30 fertige Schuhe im Wert von 1.500 € pro Stück
    = Paar (Herstellungskosten) aus dem Jahr t4 (Modell A = 10 Stück) und t5 (Modell B = 20 Stück) auf Lager. Aufgrund des schnellen Geschmackswandels der Kundschaft ist nur noch ein Wert von 800 € pro Stück für die „alten“ Schuhe (Modell A) objektiv erzielbar. Der objektiv erzielbare Verkaufserlös
    für die Schuhe aus dem Geschäftsjahr t5 (Modell B) beträgt 2.200 € pro Stück. Die anteiligen Vertriebskosten (Werbung) betragen 10 € pro Stück.

    a) Mit welchem Wert ist der Bestand an fertigen Schuhen am 31.12.t5 nach HGB und IFRS in der Bilanz der Luxusschuh oHG anzusetzen?

    b) Das Unternehmen hat auch unfertige Schuhe (50 Stück: Modell C) zum Bilanzstichtag auf Lager. Die Herstellungskosten betrugen bisher 1.000 € pro Stück. Die geschätzten, bis zur Herstellung noch anfallenden Produktionskosten betragen pro Stück 700 €. Das Unternehmen hat eine Festpreisvereinbarung abgeschlossen, nach der in der nächsten Periode 40 Stück zum Preis von 1.600 € geliefert werden müssen. Der geschätzte erzielbare Verkaufserlös für das Fertigerzeugnis
    Modell C beträgt am Bilanzstichtag 1.700 €. Wie sind die unfertigen Erzeugnisse am
    31.12.t5 nach IFRS zu bewerten?

    c) Weiterhin befinden sich noch Rohstoffe (Leder) auf Lager. Diese sind für die Produktion des Modells B im nächsten Jahr bestimmt und haben einen Buchwert von 20 T€. Die Wiederbeschaffungskosten der gleichen Menge der Rohstoffe betragen 15 T€. Wie sind die Rohstoffe nach HGB und IFRS zu bewerten?
    d) Am 31.12.t6 sind noch 5 Paar Schuhe des Modells A auf Lager. Allerdings ist die Mode zum Jahresende unerwartet „zurückgekehrt“. Der erzielbare Veräußerungserlös liegt jetzt bei 1.800€ pro Stück. Mit welchem Betrag ist das Modell A am 31.12.t6 nach nationalen und internationalen Normen zu bilanzieren?
  11. Aufgabe 2.6 Dräscher AG
    In Anlehnung an Riese (2013): § 8. Vorräte, in: Bohl/Riese/Schlüter: Beck’sches IFRS-Handbuch, Kommentierung
    der IFRS/IAS, 4. Aufl., München 2013, Tz. 101.

    Die Dräscher AG, ein Produzent von Rasenmähern, hat neben einem Bestand von Fertigprodukten auch fremdbezogene Elektromotoren auf Lager, die zur Montage in die Rasenmäher vorgesehen sind. Ausgangsdaten am Abschlussstichtag:

     Die Anschaffungskosten eines Elektromotors betragen 50 €, die Wiederbeschaffungskosten liegen bei 40 €.

     Die Rasenmäher können beim Abnehmer zu 150 € je Stück abgesetzt werden, es fallen noch 15€ Vertriebskosten an. Die Herstellungskosten betragen 125 €.
    Mit welchem Wert ist ein Rasenmäher im Jahresabschluss der Dräscher AG auszuweisen? Mit welchem
    Wert ist ein Elektromotor anzusetzen? Gehen Sie in Ihren Ausführungen sowohl auf die Behandlung nach IFRS als auch nach HGB ein.
  12. Aufgabe 2.8 Laufschuh AG
    Kontrollfrage Nr. 4 zu III.3.3 aus Ruhnke/Simons (2012): Rechnungslegung nach IFRS und HGB, 3. Aufl., Stuttgart
    2012, S. 486.
    Der Absatzschlager der Laufschuh AG, einem Großhändler für Laufschuhe, ist das Modell „Berlin Marathon“.
    Der Anfangsbestand dieses Modells beträgt 2.770 Paare (Anschaffungskosten 32 €). Zugänge erfolgten am 4.4. (1.000 Paare zu 30 €) und am 24.12. (800 Paare zu 26 €). Verkauft wurden am 6.6.
    1.800 Paare zu 50 € pro Paar und am 15.10. 1.500 Paare zu 45 € pro Paar. Der Verkaufspreis zum 30.12. beträgt 27 € pro Paar.
    Wie hoch ist der Wertansatz in der Bilanz zum Ende des Geschäftsjahrs, wenn die Laufschuh AG die Fifo-Methode anwendet? Gehen Sie sowohl auf die deutschen als auch auf die internationalen Normen ein!
  13. Aufgabe 3.1 Gamma AG
    Diskussionsfrage III.3.-17 in Ruhnke/Simons (2012): Rechnungslegung nach IFRS und HGB, 3. Aufl., Stuttgart 2012, S. 534.

    Die Gamma AG weist in Bezug auf das Geschäftsjahr t1 die folgenden Beträge aus:

    Grundkapital 2.000 T€
    gesetzliche Rücklagen 100 T€
    Kapitalrücklage 200 T€
    Verlustvortrag aus dem Vorjahr 15 T€
    Jahresfehlbetrag 120 T€

    Die Gamma AG beabsichtigt in Bezug auf t1 einen möglichst hohen Bilanzgewinn auszuweisen.
    Wie ist im Rahmen der Ergebnisverwendungsrechnung vorzugehen? Die Möglichkeit einer Kapitalherabsetzung zieht die Gamma AG nicht in Betracht.
    • Ergebnisverwendungsrechnung §158 AktG
    • Zielsetzung: möglichst hoher Bilanzgewinn ist gleichbedeutend mit möglichst geringem Bilanzverlust: 
    • -> Entnahme aus der Kapitalrücklage im Bezug auf die anderen Zuzahlungen §272 II Nr.1-3 HGB eingestellten Beträge wie auch Entnahme aus der gesetzl. Rücklage den Vorschriften des §150III, iV Aktiv 

    • -> 2 Fälle: 1.Streng §150 III AktG
    •                 2. weniger streng §150IV AktG

    • Lösung: Jahresfehlbetrag t1: -120.000
    •            - Verlustvortrag (Vorjahr) : -15.000
    •          
    •            + Auflösung der gestzl. 
    •               Rücklage/Kapitalrückl. + 100.000                   
    •              (10% des gezeichn. Kapital)
    •            
    •            + Auflösung der gesetzl. Rücklage/
    •              Kapitalrücklage (Fall 1)  +35.000

              = Bilanzgewinn /-verlust = 0
  14. Aufgabe 3.2 Abenteuer AG

    Leicht modifiziert entnommen aus Coenenberg et al. (2014): Jahresabschluss und Jahresabschlussanalyse, Aufgaben
    und Lösungen, 15. Aufl., Stuttgart 2014, S. 120 ff.

    Die Abenteuer AG gibt am 01.03.t1 eine Million Aktien zum Nennwert von je 5 € zu 10 € aus, die in voller Höhe eingezahlt werden. Zum Zweck der Ausgabe an die Belegschaft kauft sie am 01.09.t1 wieder 90.000 Aktien zu einem Preis von je 15 € zurück. Dabei treten direkt mit dem Erwerb in Verbindung stehende Kosten in Höhe von 4.000 € auf. Die Abenteuer AG hatte bisher noch keine eigenen Anteile erworben. Da die Abenteuer AG am 01.11.t1 feststellt, dass sie für die Ausgabe an die Belegschaft nur 80.000 Aktien benötigt und der aktuelle Kurs der Aktie bei 10 € liegt, veräußert sie 10.000 Aktien zu je 20 € (direkt zuordenbare Kosten der Veräußerung 440 €). Die Abenteuer AG hat „andere Gewinnrücklagen“ in Höhe von 2.000.000 €.
    Bilden Sie die Buchungssätze zu den Geschäftsvorfällen für den handelsrechtlichen Jahresabschluss der Abenteuer AG.
    • a) Durch die Ausgabe von Aktien am 01.03.01 erhöht sich das Grundkapital der A AG um die Summe der Nennbeträge der ausgegebenen Aktien. Das gezeichnete Kapital nimmt somit um 5.000.000 GE zu. Weiterhin ist das Aufgeld nach §272 Abs.2 Nr.1 HGB in die Kapitalrücklage einzustellen. Der der Kapitalrücklage zuzuführende Betrag errechnet sich wie folgt: 
    •  Ausgabenbetrag je Aktien à 5 GE   GE 10
    • - Nennbetrag                                 GE 5
    • = Aufgeld je Aktie à 5 GE 

    In die Kapitalrücklage sind somit 1000.000 * 5GE einzustellen. An liquiden Mitteln sind der A AG 10.000.000 GE zugeflossen.

    • Buchung am 01.03.01: 
    •  Liquide Mittel 10.000.000 an gezeichnete Kapital 5 Mio / Kapitalrücklage 5 Mio 

    • Die am 01.09.01 zurückerworbenen eigenen Anteile wurden zum Zwecke der Ausgabe an die belegschaft der A AG erworben (Erwerb n ach §71 Abs.1 Nr.2 AktG zulässig). Allerdings ist dieser Erwerb nach §71 Abs.3 S.1 AktG mengenmäßig auf insgesamt maximal 10% des Grundkapitals eingeschränkt. Durch den Erwerb von 90.000 Aktien besitzt die A AG 9% des Grundkapitals. Weitere Bestände an eigenen Aktien bestehen nicht. Die Voraussetzung ist daher erfüllt- Außerdem ist dder Erwerb gem §71Abs2 S.2 AktG nur zulässig, wenn die Gesellschaft im Zeitpunkt des Erwerbs eine Rücklage i.H der Aufwendungen für den Erwerb bilden könnte, ohne das Grundkapital oder eine nach Gesetz oder Satzung zu bildende Rücklage zu mindern, die nicht nur zur Zahlung an die Aktionäre verwandt werden darf. Die Ausgaben für den Erwerb betragen 1.350.000 GE. Da andere Gewinnrücklagen in ausreichender Höhe vorhanden sind (2Mio GE, um eine Rücklage zu bilden, ist auch dieses Kriterium erfüllt Somit steht dem Erwerb der eigenen Anteile nichts entgegen. 
    • Der Nennbetrag der erworbenen eigenen Anteile ist gem §272 Abs.1a HGB in der Vorspalte der Bilanz offen von dem Posten "gezeichnetes Kapital" abzusetzen. Ein Unterschiedsbetrag zwischen dem Nennbetrag und den Anschaffungskosten der eigenen Anteile ist mit den frei verfügbaren Rücklagen zu verrechnen. Zu den frei verfügbaren Rücklagen zählen die "andere Gewinnrücklagen" sowie die "KApitalrücklage" gem §272 Abs.2 Nr.4HGB Aufwendungen, die Anschaffungsnebenskosten sind, sind als Aufwand des Geschäftsjahres zu erfassen. Da der Erwerb direkt zurechenbare Kosten i.H.v 4.000 GE verursacht , ist in dieser Höhe ein Aufwand zu buchen. 
    • Die erworbenen Anteile sind i.H.v 90.000 * 5GE= 450.000 GE vom gezeichneten Kapital abzusetzen. Die anderen Gewinnrücklagen sind um 90.000 * 10GE = 900.000 GE zu vermindern. Insgesamt fließen vom Unternehmen daher liquide Mittel i.H.v 1.350.000 GE (zuzüglich der Transaktionskosten von 4.000 GE) ab. 

    • Buchungen am 01.09.01: 
    • gezeichnete Kapital (eigene Anteile) 450.000/ andere Gewinnrücklagen 900.000 an Bank 1350.000

    sonstiger betrieblicher Aufwand 4.000 an Bank 4.000

    Zum 01.11.01 veräußert die A AG 10.000 GE der zuvor erweorbenden eigenen Aktien zu einem Preis von je 20 GE. Gem §272 Abs. 1b HGB ist die offene Absetzung des Nennbetrags der erworbenen eigenen Anteile rückgängig zu machen (10.000 * 5 GE = 50.000). Zudem muss ein den Nennbetrag übersteigender Differenzbetrag aus dem Veräußerungserlös bis zur Höhe des mit den frei verfügbaren Rücklagen verrechneten Betrags in die jeweiligen Rücklagen eingestellt werden (10.000 * 10 GE = 100.000). Ein darüber hinaus gehender Differenzbetrag (20GE- 15GE = 5GE) ist in die Kapitalrücklage gem §272 Abs.2 Nr.1 HGB einzustellen (10.000 * 5 GE = 50.000). Desweiteren sind Nebenkosten der Veräußerung wieder als Aufwand zu erfassen. 

    • Buchungen am 01.11.01: 
    • Bank 200.000 an gezeichnetes Kapital (eigenen Anteile) 50.000 /  andere Gewinnrücklagen 100.000 / Kapitalrücklage 50.000


    sonstiger betribl Aufwand 440 an Bank 440
  15. Aufgabe 3.3 Treu und Glauben AG

    Alte Übungsaufgabe WS 2005/2006; siehe auch Coenenberg et al. (2014):

    Jahresabschluss und Jahresabschlussanalyse,
    Aufgaben und Lösungen, 15. Aufl., Stuttgart 2014, S. 113 ff.

    Am 20. Dezember t1 schlossen sich drei Wirtschaftsprüfer und zwei Steuerberater zusammen, um die
    Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Treu und Glauben AG zu gründen. Das Grundkapital in Höhe von 400.000 €, das in 8.000 Aktien à 50 € eingeteilt ist, wurde von den Gründern zu gleichen Teilen übernommen.
    Die Ausgabe der Aktien erfolgte zu einem Kurs von 125 € je Aktie und einer Einzahlungsquote
    von 30 %. Von den ausstehenden Einlagen wurden 100.000 € eingefordert, aber noch nicht eingezahlt.
    An Gerichts- und Notariatskosten sowie Maklergebühren im Rahmen der Gründung fielen insgesamt 7.000 € an. Die Kosten der Aktienausgabe betrugen 5.000 €. Die Schulungskosten für metierfremde
    Angestellte betrugen in den ersten drei Monaten nach Gründung aber vor Aufnahme der Geschäftstätigkeit 10.000 €.

    a) Wie wird die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Treu und Glauben AG ihre Eigenkapitalsituation
    in der Handelsbilanz am Ende des Geschäftsjahres t1 ausweisen, wenn das Geschäftsjahr gleich dem Kalenderjahr ist?

    b) Wie stellt sich die Eigenkapitalsituation in der IFRS-Bilanz der Treu und Glauben AG am Ende des Geschäftsjahres t1 dar?
    • a) DIe Höhe des Grundkapitals einer AG wird durch die Summe der nennbeträge aller ausgegebenen Aktien bestimmt- Als gezeichnete kapital erscheint demnach ein Betrag von 400.000 GE.
    • Da diese Aktien vor der vollen Leistung des Ausgabenbetrags ausgegeben werden (Einzahlungsquote: 30%), handelt es sich bei den ausgegebenen Aktien um Namensaktien (§10 Abs2 AktG). Die Aktiengattung ist in der Bilanz der im Anhang zu vermerken (§160 Abs.1 Nr.3 AktG). Gem §36a Abs.1 AktG muss der eingezahlte Betrag neben der Einzahlungsquote auch einen eventuell bestehenden Mehrbetrag (Aufgeld, Agio) umfassen. Dieses Aufgeld ist nach §272 Abs.2 Nr.1 HGB in die Kapitalrücklage einzustellen. Der der Kapitalrücklage zuzuführende Betrag errechnet sich wie folgt: 

    •   Ausgabebetrag je Aktie à 50 GE 125
    • - Nennbetrag                            50
    • -------------------------------------------
    • = AUfgeld je Aktie à 50 GE        75

    • Zuführung zur Kapitalrücklage: 
    • 8.000 * 75 GE= 600.000 GE
    • (Das Agio ist voll einzubezahlen)

    • An liquiden Mitteln sind der AG somit aus der Ausgabe der Aktien neben der Einzahlung des Nennbetrags i.H.v 120.000 GE (=30% des Grundkapitals) noch das Agio i.H.v 600.000 GE zugefollssen. 
    • DIe AK hat gegü ihren Aktionären eine Forderung bezüglich der noch nicht erbrachten Einlagen i.H.v 70% des Grundkapitals. Der entsprechende Betrag i.H.v 280.000 GE abzüglich der bereits eingeforderten ausstehenden Einlagen 100.000 GE muss nach §272 Abs.1 S.3 HGB offen vom gezeichneten Kapital abgesetzt werden. Der verbleibende Betrag ist als Posten "Eingefordertes Kapital" in der Hauptspalte der Passivseite auszuweisen. Der eingeforderte, aber noch nicht eingezahlte Betrag ist unter den Forderungen gesondert auszuweisen und entsprechend zu bezeichen (§272 Abs.1 S.3HGB).
    • Bezüglich der Ausgaben für die Gerichts- und Notariatskosten, Maklergebühren und für die Emission der Aktien i.H.v insgesamt 12.000 GE besteht gem §248 Abs.1 Nr.1 und 2 HGB ein Aktivierungsverbot, da es sich hierbei um Aufwendungen für die Gründung des U bzw. für die Beschaffung des EK handelt- Sie werden unter den sonstigen betrieblichen Aufwendungen GuV-wirksam verbucht- 

    • b) Im Rahmen der Bilanzierung nach IFRS eribt sich ebenfalls ein gezeichenetes Kapital (share capital) i.Hv 400.000 GE. Das Aufgeld (vlg. die in Teilaufgabe a) dargestellte Berechnung) ist in die Kapitalrücklage share premium einzustellen. 
    • Für ausstehende Einlagen (shares issued but not fully paid) regelt IAS 1.79a ii, dass entweder in der bilanz, in der Eigenkapitalveränderungsrechnung oder in den notes die Anzahl der ausgegebenen und voll eingezahlten Aktien und die Anzahl der ausgegebenen, aber nicht voll eingezahltenAktien auszugeben sind. Ansonsten existiert keine weitere Vorschrift zum Ausweis ausstehender Anteile. Ein aktivischer Ausweis der ausstehenden Einlagen ist nicht aus den IFRS-Vorschriften ableitbar. Eher scheint es angebracht, die noch nicht eingezahlten Einlagen offen vom gezeichneten Kapital abzusetzen. 
    • FÜr die im Rahmen der Gründung angefallenen Gerichts- und Notariatskosten sowie die Maklergebühren besteht nach IAS 38.69a ein Aktivierungsverbot. Diese sind als Aufwand der Periode zu erfassen. Auch die Schulungskosten dürfen nicht aktiviert werden, sondern sind GuV wirksam zu erfassen (IAS 38.69b). Die unmittelba bei der Eigenkapitalbeschaffung entstandenen Kosten (Kosten der Aktienausgabe) senken den Emissionserlös. Gem IAS 32.37 sind sie nach Berücksichtigung abzugsfähiger Steuern  (bleibt der Einfachheit halber hier außer Betracht) direkt gegen das Eigenkapital zu buchen. Dabei liegt es nahe, die Emissionskosten als Minderung des Aufgeldes zu interpretieren und dementsprechend die Kapitalrücklage zu belasten.
  16. Aufgabe 3.4 Gebrüder Grimm AG
    Entnommen aus Baetge/Kirsch/Thiele (2010): Übungsbuch Bilanzen und Bilanzanalyse, 4. Aufl., Düsseldorf 2010, S. 319 ff.

    lm Dezember t1 gründen die beiden Brüder Grimm die nicht börsennotierte Gebrüder Grimm AG. Das Grundkapital beträgt 100.000 € und wird in 20.000 Aktien im Nennbetrag von 5 € verbrieft. Jeder Bruder
    zeichnet 50 % der Aktien. Der Ausgabekurs der Aktien beträgt 105 %. Gesellschaftsvertraglich wird festgelegt, dass nur 80 % der Einlagen sofort (im Dezember) und in bar, die übrigen Einlagen bis zur
    Einforderung durch den Vorstand, spätestens aber bis zum Jahr t5 zu leisten sind. Die Gebrüder Grimm AG nimmt zum 01.01.t2 ihren Geschäftsbetrieb auf. Erstellen Sie die Eröffnungsbilanz zum 01.01.t2.

    Im Geschäftsjahr t2 erzielt die Gebrüder Grimm AG einen Jahresüberschuss in Höhe von 100.000 €. Weiterhin werden die ausstehenden Einlagen auf das gezeichnete Kapital zu 50 % eingefordert. In die gesetzliche Rücklage sind die gem. § 150 Abs. 2 AktG geforderten Beträge einzustellen. Die Satzung bestimmt, dass in jedem Jahr 5 % des Jahresüberschusses in eine Rücklage einzustellen sind. Diese Rücklage soll die allgemeine Bestandsfestigkeit der AG erhöhen. Weiterhin ist der Vorstand der Gebrü-
    der Grimm AG mit dem Aufsichtsrat dahingehend einig, dass in die Rücklagen der (ohne weitere Beschlüsse) maximal zulässige Betrag eingestellt werden soll. Die Inventur am 31.12.t2 hat folgende Bestände ergeben: Betriebs- und Geschäftsausstattung 20.000 €, Forderungen aus Lieferungen und Leistungen
    80.000 €, Kasse und Guthaben bei Kreditinstituten 85.000 €. Erstellen Sie die Bilanz zum 31.12.t2.
  17. Aufgabe 3.5 Sonnenschein AG
    Entnommen aus Brösel/Zwirner (2009): IFRS-Rechnungslegung, 2. Auflage, München 2009, S. 169 ff.
    Die Sonnenschein AG hat zum 01.01.t1 eine Wandelschuldverschreibung begeben. Das Emissionsvolumen
    beträgt 50 Mio. €, der Nominalzins 4 % p.a. und die Laufzeit fünf Jahre. Die Ausgabe erfolgt zu pari. Die Zinszahlung erfolgt einmal jährlich, jeweils nachschüssig. Am Ende der Laufzeit ist eine Wandlung in 100 Stammaktien je 1.000 € Schuldverschreibung möglich. Der zum Emissionszeitpunkt vergleichbare Marktzinssatz für Schuldverschreibungen vergleichbarer Bonität und gleicher Laufzeit
    beträgt 5,5 % p.a. Die Sonnenschein AG hat die Wandelschuldverschreibung im HGB-Abschluss zum 31.12.t1 vollständig als Fremdkapital qualifiziert und die angefallenen Zinszahlungen als Aufwand gebucht.
    Dieser soll nun in einen IFRS-Abschluss übergeleitet werden.
    Die Sonnenschein AG hat in t1 durchschnittlich 10 Mio. Stammaktien herausgegeben. Das HGB Periodenergebnis beträgt 10 Mio. €.

    a) Ist die Wandelschuldverschreibung nach IFRS ebenso als Fremdkapital zu qualifizieren?

    b) Welche Anpassungsbuchungen sind zur Überleitung vom HGB- auf den IFRS-Abschluss vorzunehmen?
  18. Aufgabe 3.6 Seta & Seta Genossenschaft
    Entnommen aus Brönner et al. (2011): Die Bilanz nach Handels- und Steuerrecht, 10. Aufl., Stuttgart 2011, S. 369 f.

    Die Satzung der Seta & Seta Genossenschaft besagt, dass die Rücknahme von Geschäftsanteilen nach freiem Ermessen des Unternehmens durchgeführt werden kann. Dieser Ermessensspielraum wird in der
    Satzung nicht weiter konkretisiert und auch nicht weiter beschränkt. In der Unternehmenshistorie wurde die Rücknahme von Geschäftsanteilen noch nie abgelehnt, obwohl der Vorstand hierzu berechtigt ist.
    Handelt es sich bei diesen Anteilen um eine Verbindlichkeit oder um Eigenkapital? Begründen Sie die Antwort! Wie wären die Anteile auszuweisen, wenn die Satzung der Genossenschaft die Rücknahme
    verbieten würde, wenn das eingezahlte Kapital aus Geschäftsanteilen unter die Grenze von 75% des Höchstbetrags des eingezahlten Kapitals aus Geschäftsanteilen fallen würde? Der Höchstbetrag für eine bestimmte Genossenschaft beträgt 100.000 €. Am Bilanzstichtag lag das eingezahlte Kapital bei
    90.000 €
  19. Aufgabe 3.7 Laissez-faire AG
    In Anlehnung an Bitz/Ewert (2011): Übungen in Betriebswirtschaftslehre, 7. Aufl., München 2011, S. 124.


    Die Laissez-faire AG ist ein überregionaler Getränkehandel der im Aktienindex FaXe gelistet ist. Das teils kasten- und fassweise Verschwinden der Waren im Lager und der insbesondere an Montagen hohe
    Krankenstand führen regelmäßig zu einem unbefriedigenden Jahresergebnis. Die Bilanz der Laissezfaire
    AG hat folgendes Aussehen (in Mio. €):
    Aktiva:
    AV 8,5
    UV 2
    Summe 10,5

    Passiva:
    gez. Kapital 5,0
    gesetzl. Kapital 0,2
    Verlustvortrag -2,5
    Verbindl. 7,8
    Summe 10,5

    Da die nicht vorhandenen Barreserven die Beschaffung einer dringend benötigten neuen Maschine gefährden, plant die Unternehmensleitung die hierfür benötigten 3 Mio. € durch eine ordentliche Kapitalerhöhung
    (Nennwert pro Aktie: 100 €) zu beschaffen. Nach Bekanntwerden dieser Absicht durch eine
    Ad hoc-Mitteilung sinkt der Börsenkurs auf 74 €.

    a) Welche Probleme bestehen aus Ihrer Sicht bei der Emission neuer Aktien?

    b) Skizzieren Sie die Gesamtheit von Maßnahmen, durch die die gewünschte Kapitalerhöhung im Zuge einer „Sanierung“ erreicht werden kann. Zeigen Sie dabei jeweils die Konsequenzen der einzelnen Teilschritte auf und nennen Sie die Buchungssätze. Verändert sich die Vermögensposition
    der Aktionäre?
    Lösungshinweis: Unterstellen Sie für eine in Betracht zu ziehende Kapitalherabsetzung eine Halbierung
    des gezeichneten Kapitals sowie für eine etwaige Kapitalerhöhung eine Verdopplung des gezeichneten Kapitals.
    • a) 
    • 1) Börsenkurs liegt unter dem Nennwert der Aktien. Gem. §9Abs.1 AktG muss die Ausgabe neuer Aktien aber mindestens zum Nennwert erfolgen. 
    • 2) Eine Emission zum Nennwert ist hier praktisch undenkbar/ da niemand die Aktien kaufen würde 

    b) Es bietet sich die Sanierung an, d.h die Kombination um (Schritt 1) vereinfachter Kapitalerhaltung gem. §§229-236 AktG und (Schritt 2) einer ordentlichen Kapitalerhöhung gem. §§182-191 AktG.

    • Schritt 1: 
    • - Sanierungszweck aus §229 Abs.1 AktG? (+) sonstige Verluste
    • - gem. §229 Abs.2 und 3 AktG gesetzl. Rücklage und Kapitalrücklage < 10% des Grundkapitals (verbleibende) und keine anderen Gewinnrücklagen (+)

    • Das Grundkapital soll auf 2,5 Mio halbiert werden (Sachverhalt) und der erzielte Herabsetzungsgewinn von 2,5 Mio recht aus, von den Verlustvortrag auszubuchen. Gleichzeitig muss der Nennbetrag auf 50€ herabgesetzt werden (§§229 Abs.3; 222 Abs.4 AktG)
    • -> Das Vermögen der Gesellschaft bleibt in Höhe und Struktur unverändert (nur Buchungsvorgang). Genauso das Vermögen des Aktionärs, da sich der Börsenkurs nicht ändert. 
    • gezeichnete Kapital an Verlustvortrag 2,5

    • Schritt 2:
    • -> Bezugsverhältnis muss auf 1.1 fixiert werden (weil Verdopplung des Grundkapitals)
    • -> 50.000 Aktien im Umlauf (5 Mio gez. Kapital /100€ Aktienswert) -> 50.000 neue Aktien ausgeben 
    • -> Emissionserlös soll 3 Mio.€ betragen (Maschine)
    • -> Emissionskurs mus 60€ sein (3Mio / 50.000 Aktien)
    • -> Nennwert 50€ -> 2,5 Mio ins gez. Kapital 
    • -> Agio 10€/Aktie -> 0,5 Mio in die Kapitalrücklage 

     Bank 3 Mio an gez. Kapital 2,5 / Kapitalrücklage 0,5

    • Vermögen der AG: erhöht sich vom Emissionserlös von 3 Mio Börsenkurs/Marktkapitalisierung : 
    • - Marktkapitalisierung vor Kapitalerhöhung : 74*50.000 = 3,7 Mio 
    • - Erhöhung der Marktkapitalisierung durch Kapitalerhöhung: Δ Mk = 50.000 *60 = 3 Mio 
    • - Marktkapitalisierung nach Kapitalerhöhung 
    • MW= MW + Δ MW = 6,7 Mio 
    • - neue Aktienkurs : 67€ (6,7 Mio : 100.000) 

    • An der Höhe des Vermögens des Aktionärs ändert sich nicht, da er gem. § 186 AktG für jede Aktie ein Bezugsrecht auf eine neue Aktie erhält (1:1), sonst träte der sogenannte Kapitalverbesserungseffekt ein. Ausschluss des Bezugsrecht gem. §186 Abs.3 S.4 AktG denkbar.
    • -> Übt er aus bezitzt 2 Aktien im Wert von 134€ (2*67€). Die neue Aktie kostet ihn 60€ (sein Barvermögen sinkt); sein Aktienvermögen steigt. 
    • -> nur die Struktur seines Vermögens hat sich geändert.
  20. Aufgabe 4.1
    Handelsrechtliche Rückstellungsarten

    Welche Rückstellungsarten kennt das HGB? Für welche Rückstellungen besteht handelsrechtlich bzw. steuerrechtlich eine Bilanzierungspflicht bzw. ein Bilanzierungswahlrecht, für welche ein Verbot?
  21. Aufgabe 4.2 Internationale Begriffsdefinitionen
    Kontrollfrage Nr. 3 zu III.3.6.aus Ruhnke/Simons (2012): Rechnungslegung nach IFRS und HGB, 3. Aufl., Stuttgart
    2012, S. 582.

    Grenzen Sie die Begriffe provision, accrual, other liability und contingent liability voneinander ab.
  22. Aufgabe 4.3 Bau-AG
    Entnommen aus Coenenberg et al. (2014): Jahresabschluss und Jahresabschlussanalyse, Aufgaben und Lösungen,
    15. Aufl., Stuttgart 2014, S. 140 ff.; z.T. auch Kontrollfragen zu III.3.6. aus Ruhnke/Simons (2012): Rechnungslegung
    nach IFRS und HGB, 3. Aufl., Stuttgart 2012, S. 582 ff.

    Wie können folgende Ereignisse in einem HGB- bzw. IFRS-Abschluss der Bau-AG zum 31.12.t1 (Bilanzstichtag) erfasst werden? Wie lauten die Buchungssätze in t1?

    a) Durch einen Teilschaden im Getriebe kann eine Baumaschine seit September t1 nur noch in einer Fahrstufe gefahren werden. Da die Maschine für anstehende Bauarbeiten dringend gebraucht wird, soll der Schaden erst im Frühjahr t2 behoben werden. Die Kosten belaufen sich auf 20 T€.

    b) In t1 schloss die Bau-AG mit der Z-AG einen bis 31.07.t2 befristeten Liefervertrag über monatlich 20 Fertiggaragen zum Preis von 9 T€ ab. Infolge der Rohstoffverteuerung werden seit Produktionsbeginn 10 % der Herstellungskosten (10 T€) nicht durch den Verkaufserlös gedeckt.
    Die Fertiggaragen für die Lieferungen der Monate Januar bis Juli t2 wurden zum 31.12.t1 noch nicht produziert.

    c) Der in t1 aktuell laufende Prozess gegen die A-GmbH auf Schadensersatz wegen mangelhafter Lieferung wird im Jahr t2 wahrscheinlich verloren gehen. Dadurch werden Gerichtskosten in Höhe von 10 T€ fällig werden.

    d) Seit t1 schließt die Bau-AG für ihre Transporte keine Versicherung für Untergang bzw. Beschädigung des eigenen Transportgutes mehr ab. Die eingesparte Prämie beträgt 15 T€ pro Geschäftsjahr.
    Nach der Erfahrung der vergangenen Jahre muss im Durchschnitt alle fünf Jahre
    mit einem größeren Unfall gerechnet werden, der Schäden am eigenen Transportgut zwischen 20 T€ und 100 T€ verursacht.

    e) Aufgrund des zu erwartenden Jahresüberschusses ist mit einer Körperschaftsteuerzahlung in
    Höhe von 50 T€ zu rechnen. Außerdem wurde für das 3. Quartal t1 noch keine Gewerbesteuervorauszahlung
    entrichtet (10 T€).

    f) Die aus dem abgelaufenen Geschäftsjahr resultierenden Garantieverpflichtungen (Garantiefrist von 12 Monaten) werden erfahrungsgemäß noch Kosten von 100 T€ verursachen. Die Geschäftsleitung
    sieht sich wegen des Konkurrenzdrucks auch weiterhin gezwungen, neben den
    Garantieleistungen noch Kulanzleistungen zu erbringen, deren Höhe auf 10 % der Kosten für Garantieverpflichtungen geschätzt wird. Diese fallen in der Regel zwischen dem 13. und 24. Monat nach Veräußerung an. Der durchschnittliche Marktzinssatz der vergangenen sieben Geschäftsjahre
    beträgt 5 %, der aktuelle Marktzinssatz für vergleichbare Transaktionen 3 %.

    g) Eine auf dem Betriebsgelände stehende Brücke muss in absehbarer Zeit repariert werden. Die letzte Reparatur liegt am Bilanzstichtag drei Jahre zurück. Die durch Materialtransporte entstehenden Schäden an der Brücke werden auf 200 T€ pro Jahr geschätzt. Bisher wurde keine Rückstellung
    dafür gebildet. Die Reparatur wird voraussichtlich zum Bilanzstichtag 2010 in Höhe von 1 Mio. € anfallen.

    h) Bei der Renovierung einer Produktionshalle wurde festgestellt, dass der Boden unter der Halle großflächig durch ausgelaufenes Öl kontaminiert wurde. Gemäß der kommunalen Rechtslage ist die Bau-AG dazu verpflichtet, den belasteten Boden innerhalb der nächsten zwei Jahre zu dekontaminieren. Die Sanierungskosten werden auf 500.000 € geschätzt. Der durchschnittliche
    Marktzinssatz der vergangenen sieben Geschäftsjahre beträgt 5 %. Der aktuelle Marktzinssatz für vergleichbare Transaktionen beträgt 3 %.
    • a) Es handelt sich um unterlassene Instandhaltungsmaßnahmen. Nach §249 Abs.1 S.2 Nr.1 HGB ist für den Fall, dass die Reparatur in den ersten drei Monaten des folgenden Geschäftsjahres nachgeholt werden soll, die Bildung einer Rückstellung Pflicht. Soll die Nachholung nach dieser Frist erfolgen, so darf keine Rückstellung passiviert werden (§249 Abs.2 S.1 HGB)
    • Steuerlich ist eine Rückstellungsbildung für unterlassene Instandhaltung ebenfalls nur zulässig, wenn die Instandshaltungsarbeiten innerhalb von 3 Monaten nach dem Bilanzstichtag nachgeholt werden. Die handelsrechtliche Passivierungspflicht führt in diesem Fall wegen des maßgeblichkeitsprinzips nach herschernder Meinung auch zu einer steuerlichen Passivierungspflicht. 
    • Die  NAchholung der Reparatur im Dez fällt in die Dreimonatsfrist, sodass in Handels- und Steuerbilanz eine Rückstellung i.H.v 20.000 GE gebildet werden muss. 

    sonstiger betrieb. Aufwand an sonstige Rückstellungen 20.000

    • Wird die Reparatur dagegen erst im Frühjahr nachgeholt, so darf weder in der Handels- noch in der Steuerbilanz eine Rückstellung gebildet werden. 
    • Das IASB setzt in der Definition der liabilities voraus, dass eine Verpflichtung ggü einem Dritten besteht (IAS 37.20). Rückstellungen für unterlassene Instandhaltung stellen aber Innenverpflichtungen dar, weshalb eine Rückstellungsbildung nach IFRS, unabhängig vom Zeitpunkt der Nachholung, nicht zulässig ist. Die Kosten i.H.v 20.000 GE sind also bei Anfall als Aufwand zu erfassen 

    b) Bei dem zum Bilanzstichtag noch ausstehenden Lieferungen handelt es sich um ein schwebendes Geschäft. Da pro zu liefender Garage ab Januar 02 ein Verlust i.H.v 1.000 GE zu erwarten ist, muss nach §249 Abs.1 S.1 HGB eine Rückstellung für drohende Verluste aus schwebenden Geschäften gebildet werden. Der zurückzustellende Betrag für Okt 02 bis Sept 03 errechnet sich wie folgt: 

    12Mon. à 20 Garagen = 240 noch zu liefende Garage 

    Bei 1.000 GE Verlust pro Garage ergibt sich ein drohender Verlust von 240.000 GE

    BS: sonstige betr.Aufwand an sonstige Rückstellung 240.000 

    • In der Steuerbilaz ist die Bildung einer Rückstellung für drohende Verluste aus schwebende Geschäften gem §5 Abs.4a EStG nicht zulässig. Die Verluste aus dem Verkauf der Garagen werden demnach in dem Jahr als Aufwand erfasst, in dem sie auftreten. 
    • Auch nach IFRS ist für die 240 noch zu liefernden Garagen aufgrund eines belastenden Vertrages (onerous contract) eine Rückstellung (provision) IAS 37.66 i.H.v 240.000 GE zu passivieren. Eine Abschreibung der Vorräte kommt nicht infrage, da sich zum Bilanzstichtag keine Fertiggaragen auf Lager befinden. 

    c) Es ist in der HB eine Rückstellung für ungewisse Verbindlichkeiten mit rechtlicher Verpflichtung i.H.v 1.000 GE zu bilden §249 Abs.1 S.1 HGB. Steuerlich besteht ebenfalls eine Rückstellungspflicht, da der Prozess bereits anhängig ist 

    BS: Sonstiger betriebl. Aufwand an sonstige Rückstellungen 1.000

    Auch nach IFRS ist eine provision zu bilden, wenn die Wkeit einer Inanspruchnahme größer als 50% ist (proble; IAS 37.14) und die Höhe der zu erwartenden Verpflichtung vernünftig geschätzt werden kann. Dies ist hier der Fall. Bei nur möglichen (possible; IAS 37.13) Verlust des Prozesses wäre dagegen der fällige Betrag im Rahmen einer Eventualverbindlichkeit (contingent liability) im Anhang anzugeben (IAS 37.28)

    • d)Der Sachverhalt bietet keinen Grund für eine rückstellung für ungewisse Verbindlichkeiten i.S des §249 Abs.1 S.1 HGB. §249 ABs.2 S.1 HGB bestimmt explizit, dass für andere als die in §249 Abs.1 HGB bezeichneten Zwecke keine Rückstellungen gebildet werden dürfen. Das Rückstellungsverbot besteht über das Maßgeblichkeitsprinzip auch für die StB.
    • Auch nach IFRS darf für den geschilderten Sachverhalt keine Rückstellung gebildet werden, da keine Außenverpflichtung besteht (F. 4.4, IAS 37.20)

    e) In der Handelsbilanz muss für die erwartete Körperschaftssteuerschuld i.H.v 50.000 GE eine Rückstellung für ungewisse Verbindlichkeiten mit rechtlicher Verpflichtung gebildet werden (§249 Abs.1 S.1 HGB). Der Betrag i.H.v 10.000 GE für die Gewerbesteuervorauszahlun ist gemäß §266 Abs.3 HGB unter den sonstigen Vbkeiten gesondert auszugeben, da er in Höhe und Fälligkeit genau bestimmt ist. 

    BS: Steuer vom EInkommen und vom Ertrag 60.000 an Steuerrückstellungen 50.000/10.000

    • WIe nach HGB muss der auf die GEwerbesteuer entfallende Betrag von 10.000 GE in der Steuerbilanz unter den sonstigen Vkeiten verbucht werden, da Höhe und Fälligkeit der Verpflichtung bereits feststehen und damit eine Verbindlichkeit vorliegt. Eine Rückstellung für die Körperschaftsteuerschuld in auch in der StB zu bilden. Da die Körperschaftsteuer gem §10 Nr.2 KStG aber nicht als Betriebsausgabe abzugsfähig ist, wird der Betrag im Rahmen der Ermittlung des zu versteuernden Einkommens wieder hinzugerechnet. Dadurch wird vermieden, dass die steuerliche BMG durch die Rückstellungsbildung verringert wird. 
    • Im vorliegenden Fall erfüllt die Körperschaftsteuerschuld die IFRS-Kriterien für die Bilanzierung einer provision. Die Wkeit der Inanspruchnahme des U ist gegeben, eine Schätzung des zu zahlenden Betrags kann ebenfalls vorgenommen werden (IAS 37.14). Die Gewerbesteuervorauszahlung wird auch nach IFRS als Verbindlichkeit behandelt, da Höhe und Fälligkkeit feststehen.
  23. Aufgabe 4.4 Lech AG
    Modifiziert übernommen aus Coenenberg et al. (2014): Jahresabschluss und Jahresabschlussanalyse, Aufgaben
    und Lösungen, 15. Aufl., Stuttgart 2014, S. 148 ff.
    Die Lech AG erstellt für das Geschäftsjahr t1 erstmals einen vollständigen IFRS-Abschluss. Als Sachbearbeiter im Rechnungswesen sind Sie mit der Aufgabe betraut, die sonstigen Rückstellungen der HGB-Bilanz in die IFRS-Bilanz zu überführen.
    Es liegt Ihnen folgende nach HGB-Vorgaben ermittelte Posten vor:

    Rückstellung für Prozesskostenrisiken) 125.000 €
    Rückstellung für Verpflichtung aus Patentrechtsverletzung1)  250.000 €

    Rückstellung für gesetzliche Jahresabschluss- und Prüfungskosten 20.000 €
    Rückstellung für noch ausstehende Rechnungen 150.000 €
    Rückstellung für Gewährleistungsverpflichtungen) 300.000 €
    Rückstellung für unterlassene Instandhaltung (Nachholung < 3 Monate) 275.000 €
    Vbkeiten ggü Kreditinstituten   950.000
    Vbkeiten aus LuL                450.000

    Zudem stehen Ihnen folgende Zusatzinformationen zur Verfügung:

    1) Diese Rückstellungen wurden aufgrund einer Klage wegen Patentrechtsverletzungen durch einen Konkurrenten gebildet. Die Rechtsabteilung hält eine Verurteilung für möglich, geht aber davon aus, dass der Rechtsstreit wahrscheinlich gewonnen wird.

    2) Die Rückstellung für Gewährleistungsverpflichtungen, die voraussichtlich innerhalb eines Jahres anfallen, basiert auf Erfahrungswerten und ist steuerlich anerkannt.
    Stellen Sie die angegebenen HGB-Positionen der sonstigen Rückstellungen der Lech AG für das Geschäftsjahr t1 auf IFRS-Werte um. Gehen Sie von einem durchschnittlichen Gesamtsteuersatz der Lech AG von 37,5 % aus.
    Die nach HGB aufgrund des Imparitätsprinzip s bilanzierten Rückstellungen für die Verpflichtungen aus Patenrechtsverletzungen und Prozesskostenrisiken dürfen nach IFRS aufgrund der nicht erfüllten Wahrscheinlichkeitsbedingung (eine Verurteilung ist nur möglich, nicht wahrscheinlich) nicht gebildet werden (IAS 37.14ff). Allerdings ist hier eine Eventualverbindlichkeit außerhalb der Bilanz anzugeben, sofern die Wahrscheinlichkeit nicht unwahrscheinlich ist (remote) IAS 37.28

    Aufgrund des wesentlich höheren Bestimmtheitsgrades und ihrer zuverlässigeren Schätzbarkeit als bei provisions werden die nach HGB gebildeten Rückstellungen für Jahresabschluss- und Prüfungskosten sowie für nich ausstehende Rechnungen gem IAS 37.11b als accruals behandelt. Dem Grunde nach stehen diese Verbindlichkeiten i.d.R fest, nur bezüglich iherer Höhe und/oder Erfüllungszeitpunktes besteht ein eher unwesentliches Restrisiko. Erstere sind dabei uner den sonstigen Verbindlichkeiten, letztere unter den Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen zu erfassen. 

    • Gewährleistungsrückstellung sind auch nach IFRS ansatzpflichtig, es genügt eine wirtschaftliche Verpflichtung (constructive obligatioN) des Unternehmens IAS 37.10. Zur Bewertung dieser Massenverpflichtung wird die Erwartungswertmethode herangezogen (IAS 37.39), eine Abzinsung kommt aufgrund der Kurzfristigkeit nicht infrage. 
    • Nach HGB gebildete Aufwandrückstellungen (hier die Rückstellung für unterlassene Instandshaltung) dürfen nach IFRS aufgrund der fehlenden Außenverpflichtung nicht angesetzt werden (IAS 37.20)

    Da finanziellle Verbindlichkeiten erstmalig zum fair value (Gegenwert der erhaltenen Leistung) angesetzt werden (IAS 39.43), muss der am 31.12.01 gewährte Kredit abzüglich des Disagios passiviert werden. Der Unterschiedbetrag 20.000 GE wird dem Buchwert der Verbindlichkeit (380.000 GE) per Effektivzinsmethode über die Laufzeit zugeschrieben. 

    • Aufgrund dieser Sachverhalte ergibt sichc für den IFRS- Abschluss folgendes Bild: 
    • sonstige Rückstellungen 300.000
    • finanzielle Verbindlichkeiten 930.000
    • Verb. aus LuL 600.000
    • sonstige Verb. 20.000

    Der Posten "sonstige Rückstellungen" enthält die Gewährleistungsrückstellungen (300.000), die "finanziellen Verb" enthalten die Verbindlichkeiten ggü Kreditinstituten abzüglich des Disagios (930.000), die "Verbindlichkeiten aus LuL" setzen sich zusammen aus dem ursprünglichen Betrag (450.000) und aus 150.000 aufgrund der Umbuchung der als accruals auszuweisenden Rückstellung für noch ausstehende Rechnungen- Der Posten "sonstige Verbindlichkeiten" beinhaltet die umgegliederte Rückstellung für Jahresabschluss- und Prüfungskosten (20.000)
  24. Aufgabe 4.5 Windhansa AG
    Kontrollfrage Nr. 9 zu III.3.6. aus Ruhnke/Simons (2012): Rechnungslegung nach IFRS und HGB, 3. Aufl., Stuttgart
    2012, S. 582.
    Die Windhansa AG ist gesetzlich verpflichtet, ihr Flugzeug alle drei Jahre überholen zu lassen. Die Überholungskosten im nächsten Jahr betragen 225 T€. Wie ist dieser Sachverhalt im alten Geschäftsjahr im Abschluss der Windhansa AG abzubilden? Gehen Sie sowohl auf die Vorgehensweise nach deutschen GoB als auch nach IFRS ein.
  25. Aufgabe 4.6 Quacksalber AG
    Siehe Lüdenbach/Freiberg (2005), Drohende Verluste nach IAS 37 – Saldierungsbereich und Verhältnis zur außerplanmäßigen Abschreibung, in: PIR 2005, S. 44 ff. Zudem ähnliche Diskussionsfrage III.3.-18 in
    Ruhnke/Simons (2012): Rechnungslegung nach IFRS und HGB, 3. Aufl., Stuttgart 2012, S. 552.

    Die Quacksalber AG betreibt eine Apothekenkette. In einem der Quacksalber AG gehörenden Gebäude, in denen sie eine Apotheke betreibt, vermietet die AG Etagen an Ärzte. Die auf den m2 umgelegten
    Kosten (Zinszahlung, Bewirtschaftung, Abschreibung) sind größer als die Einnahmen aus der Vermietung. Aus der Vermietung erhofft sich die AG wirtschaftliche Vorteile für die (Umsätze) für die Apotheke. Wie ist der Sachverhalt nach IFRS zu berücksichtigen?
  26. Aufgabe 4.7 Rücknahmeverpflichtungen (Altfahrzeuge)
    Vgl. Marx/Köhlmann (2005): Bilanzielle Abbildung von Rücknahmeverpflichtungen nach HGB und IFRS, in: Betriebs-Berater
    2005, S. 2007-2009 sowie Beck’scher Bilanzkommentar, 9. Aufl., München 2014, § 249 HGB, Anm.
    100 (Stichwort: „Produktverantwortung“)


    Durch § 3 Abs. 1 AltfahrzeugV i.d.F. der Bekanntmachung vom 21. Juni 2002 (zuletzt geändert am 5.Dezember 2013) sind Hersteller und Importeure von Kraftfahrzeugen zur unentgeltlichen Rücknahme und anschließender Entsorgung von Altfahrzeugen ihrer Marke vom Letzthalter verpflichtet. Die Verpflichtung gilt für alle im Verkehr befindlichen Kraftfahrzeuge, also auch rückwirkend.
    Wie beurteilen Sie das Erfordernis einer Rückstellungsbildung nach handelsrechtlichen GoB und IFRS?
  27. Aufgabe 4.8 Kosten der Jahresabschlussprüfung
    Kontrollfrage Nr. 27 zu III.3.6 aus /Simons (2012): Rechnungslegung nach IFRS und HGB, 3. Aufl., Stuttgart 2012, S. 585.

    Die Mittelstand GmbH ist nicht prüfungspflichtig. Allerdings stellt ein geprüfter Abschluss die Voraussetzung dafür dar, dass die Voerder Bank AG die der Mittelstand GmbH gewährten Kredite auch in Zukunft weiter gewährt. Diesbezüglich wurde eine entsprechende schriftliche Vereinbarung getroffen.
    Ist nach deutschen GoB und nach IFRS eine Rückstellung zu bilden?
  28. Aufgabe 4.9 Restrukturierungsrückstellungen
    Übungsaufgabe aus dem WS 2005/2006

    Der Vorstand eines weltweit operierenden Unternehmens bestätigt in einem Interview mit der Wirtschaftspresse seine Absicht, im Rahmen einer als wirtschaftlich notwendig erkannten Fokussierung der Strategie auf die Kernkompetenzen mehrere Produktlinien einzustellen; die betroffenen Unternehmensbereiche werden in dem Interview genannt. Zusätzlich wird in dem Interview über die von der Maßnahme betroffenen Produktionsstätten in mehreren Ländern sowie über die Anzahl der dort tätigen Mitarbeiter gesprochen. Es werden seitens des Vorstands Restrukturierungsaufwendungen in Höhe von 100 Mio. € erwartet; davon entfallen erwartungsgemäß 40 Mio. € auf Personalmaßnahmen (Personalfreisetzungen).
    Bis zum Abschlussstichtag liegt jedoch weder ein formeller Beschluss der relevanten Gremien zur Durchführung der Restrukturierung vor, noch wurde der Betriebsrat von der bevorstehenden Maß-
    nahme informiert.
    Können die Restrukturierungsaufwendungen im Jahresabschluss des Unternehmens (HGB und IFRS)  als Rückstellung passiviert werden?
  29. Aufgabe 4.10 Vital AG
    Modifiziert übernommen aus Coenenberg et al. (2012): Jahresabschluss und Jahresabschlussanalyse, Aufgaben
    und Lösungen, 14. Aufl., Stuttgart 2012, S. 140 ff.
    Die Vital AG, ein Hersteller von elektronischen Fitnessgeräten, erstellt ihren Jahresabschluss nach
    IFRS. Im Geschäftsjahr t1 haben sich bei der Vital AG folgende Geschäftsvorfälle ereignet:
    a) Die Vital AG gewährt auf ihre verkauften Neuwaren eine 2-jährige Garantie, der durchschnittliche
    Zeitraum zwischen Umsatzrealisation und Garantiefällen beträgt ein Jahr. Erfahrungsgemäß
    erweisen sich 30 % der verkauften Produkte innerhalb der Garantiefrist als fehlerhaft. Bei
    ca. 1/3 dieser Geräte liegen Defekte an der Elektronik vor, die restlichen 2/3 der defekten Geräte
    haben Gehäusefehler. Die Reparatur der Elektronik kostet die Vital AG 115 € pro Stück, die
    Gehäusereparatur 80 € pro Stück. Insgesamt wurden im abgelaufenen Geschäftsjahr 12.000 Fitnessgeräte
    verkauft.
    b) Im Dezember t1 wurde die Vital AG aufgrund einer Patentrechtsverletzung verklagt. Nach Einschätzung
    des Rechtsanwalts ist eine Verurteilung „mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit“ zu erwarten.
    Die Höhe des Bußgelds hängt allerdings von der Glaubwürdigkeit diverser Zeugenaussagen
    ab. Mit gleicher Wahrscheinlichkeit werden Werte von 200.000 € und 300.000 € geschätzt.
    c) Die Vital AG hat ein Bürogebäude gemietet, für das eine vertragliche Verpflichtung zur Instandhaltung
    nach bestimmten Fristvorgaben besteht. Im Jahr t1 wird diese Instandhaltung betriebsbedingt
    unterlassen, soll aber Anfang des Jahres t2 nachgeholt werden. Die Wahrscheinlichkeit,
    dass dadurch Kosten i.H.v. 350.000 € entstehen, liegt bei 75 %, die Wahrscheinlichkeit
    einer Belastung mit 200.000 € liegt bei 25 %
    • a) das verpflichtende Ereignis ist der Verkauf der Produkte mit Garantie (rechtliche Verpflichtung)- Der Ressourcenabfluss ist für die Gruppe der Garantieverpflichtungen wahrscheinlich (IAS 37.24), der Wertansatz der zu bildenden Rückstellung wird gem IAS 37.39 anhand der Erwartungswertmethode ermittelt: 
    • ((1200 *0,3)*1/3) * 115 GE + (( 1200 *0,3)*2/3)*80 GE = 330.000 GE 

    b) nach IAS 37.72 wird restructuring dann passivierungspflichtig, wenn ein detaillierter Restrukturierungsplan besteht und bei den Betroffenen eine gerechtfertigte Erwartung geweckt wurde, dass das restructuring durchgeführt wird. Die aus diesen Vorgaben erwachsende faktische Verpflichtung wird durch die Unentziehbarkeitskriterien "Beginn der Umsetzung des Plans" d.h Demontage einer Anlage bzw Verkauf von assets oder "Ankündigung der Hauptmerkmale des Plans den Betroffenen gegenüber" weiter konkretisiert (IAS 37.75)

    Da die Kriterien für die faktische Verpflichtung hier noch nicht erfüllt sind (z.B keie Ankündigung den Betroffenen ggü), darf in diesem Fall auch keine Rückstellung für Restrukturierungsmaßnahmen gebildet werden. Sollte mit der Umsetzung des Plans kurz nach dem Bilanzstichtag begonnen werden, ist eine Angabepflicht nach IAS 10 "Events after the Reporting Period" zu prüfen (IAS 37.75)

    • c) Verpflichtendes Ereignis ist hier die Klage aufgrund eine Patentrechtverletzung. Da die Verurteilung wahrscheinlich ist, muss eine Rückstellung gebildet werden. Es liegt eine Einzelverpflichtung vor, daher entspricht der beste Sschätzwert i.d.R dem wahrscheinlichsten Ergebnis (IAS 37.40). Da hier mehrere mögliche Ergebnisse vorliegen, deren Eintrittswkeit gleich groß ist, wird in diesem Fall das arithmethische Mittel aus den verschiedenen Werten angesetzt, d.h. für den vorliegenden Fall 250.000 GE
    • d) Aufgrund der vertraglichen Regelungen liegt eine rechtliche Verpflichtung (Einzelverpflichtung) ggü einem Dritten (Vermiter) vor, eine Rückstellungsbildung hat demnach stattzufinden. Auch hier existieren mehrere mögliche Ergebnisse, allerdings mit unterschiedlichen Wkeiten. FÜr diesen Fall ist nach IAS 37.40 der Wertansatz mit der höchsten Wkeit, hier also 350.000 anzusetzen. Aber auch hier werden mögliche andere Ergebnisse in Betracht gezogen. Für den Fall, dass andere mögliche Ergebnisse entweder größtenteils über oder größtenteils unter dem wahrscheinlichsten Ergebnis liegen, ist die bestmögliche Schätzung ein höherer bzw niederiger Betrag. D.h der Wert mit der höchsten Wkeit ist mit adäquaten Zu- bzw. Abschlägen zu versehen. Im vorliegenden Fall gibt es neben dem wahrscheinlichsten Ergebnis 350.000 noch ein weiteres möglihes Ergbnis 200.000. Deshalb ist hier ein angemessener Abschlag auf das wahrscheinlichste Ergebnis vorzunehmen.
  30. Aufgabe 4.11 Bewertung eines Einzelsachverhalts
    Übungsaufgabe aus dem WS 2005/2006
    Ein Unternehmen hat nach besonderen kundenspezifischen Anforderungen eine Fertigungsstraße gebaut
    und ist verpflichtet alle schwerwiegenden Fehler in der Funktionsweise der Fertigungsstraße zu beheben.
    Unter der Voraussetzung, dass zum Geschäftsjahresende ein schwerwiegender Fehler eingetreten
    ist, sollen sich in Abhängigkeit der Anzahl der Versuche und der Methoden zur Behebung des Fehlers
    folgende alternative Möglichkeiten der Reparatur ergeben:

    Alternative Reparaturkosten - Wkeit%
    10T € - 40%
    20T€ - 30%
    50T€ - 15%
    200T€ - 10%
    1Mio€ - 5%
    In welcher Höhe ist die Rückstellung nach IFRS bzw. HGB anzusetzen?
  31. Aufgabe 4.13 Infinox AG
    Kontrollfrage Nr. 26 zu III.3.6 aus Ruhnke/Simons (2012): Rechnungslegung nach IFRS und HGB, 3. Aufl., Stuttgart
    2012, S. 585. Ähnlich ADS International, Abschnitt 18, Grundwerk 2002, Rz. 147, Beispiel 1.

    Die Infinox AG schließt am 1.1.t1 einen zehnjährigen Wartungsvertrag mit einem Großkunden ab. Gewartet werden sollen die Anlagen des Großkunden. Der Großkunde zahlt hierfür pauschal 15 T€ jeweils am Jahresende. Am 31.12.t1 und am 31.12.t2 übersteigen die Zahlungen des Großkunden die tatsächlich
    entstandenen Wartungskosten. Die Gewinne werden ergebniswirksam in der GuV der Infinox AG vereinnahmt. Am 31.12.t3 stellt die Infinox fest, dass die Wartungskosten für das Jahr t3 20.000 € betragen. Zu erwarten ist weiterhin, dass die Wartungskosten auch für die folgenden Jahre durchschnittlich 20.000
    € betragen werden. Wie ist im IFRS-Abschluss zum 31.12.t3 vorzugehen? Berücksichtigen Sie bei ihren Überlegungen auch, dass die Infinox AG den Wartungsvertrag auflösen kann. Dabei fällt allerdings eine sofort zahlbare Konventionalstrafe in Höhe von 30 T€ an. Falls Sie weitere Annahmen treffen, legen Sie diese offen.
  32. Aufgabe 4.14 Steel & More AG
    Entnommen aus Henselmann, K. (2007): Ungewisse Verpflichtungen nach IFRS, in: KoR 2007, S. 232 ff.

    Die "Steel & More" AG hat sich im Rahmen eines langfristigen Liefer- und Abnahmevertrags dazu verpflichtet, einem Großkunden jährlich eine bestimmte Menge Stahlteile zum Festpreis zu liefern. Hierfür
    erhält sie jährlich 4 Mio. €. Der Vertrag läuft noch 3 Jahre. Leider wurde bei Vertragsabschluss nicht vorhergesehen, dass der enorme Anstieg des Rohstoffbedarfs
    von China und anderen Wachstumsländern zu einer erheblichen Preiserhöhung bei Eisenerz, Schrott und Rohstahl geführt hat. Im abgelaufenen Jahr (t1) konnte die vertragliche Liefermenge noch zu Kosten von 3,8 Mio. € produziert werden. Für die Jahre t2 bis t4 geht die Geschäftsleitung aber von weiteren jährlichen Kostensteigerungen in Höhe von 15% aus. Erfüllt "Steel & More" AG ihre Vertragspflichten nicht, so sieht der Vertrag eine Konventionalstrafe von 500.000 € jährlich vor.
    Wie ist der Sachverhalt in einem IFRS-Abschluss zum 31.12.t1 zu berücksichtigen? Falls Sie Annahmen treffen, legen Sie diese offen.
  33. Aufgabe 4.15 Windpark AG
    Modifiziert entnommen aus Posewang, M. (2012): Bilanzierung von Rückbau- und Rekultivierungsverpflichtungen für WEA-Betreiber, in: KoR 2012, S. 535 ff.
    Die kapitalmarktorientierte Windpark AG lässt im Jahr t1 einen Onshore-Windpark für den eigenen Betrieb errichten. Aufgrund der §§ 35 Abs. 5 S. 2 und 3 BauGB sowie § 5 Abs. 3 Nr. 3 BImSchG ist die Windpark AG als Anlagenbetreiber nach Ende der Nutzungsdauer des Windparks zu dessen Rückbau samt der peripheren Anlagen sowie zur Rekultivierung des Standorts verpflichtet. Die Geschäftsleitung geht nach Fertigstellung und Inbetriebnahme des Windparks im Jahr t1 von einer Nutzung bis Ende des Jahres t20 aus. Im Rahmen der Erstellung des Jahresabschlusses zum 31.12.t1 werden für die erforderliche Rückbau- und Rekultivierungsmaßnahme auf der Basis bestmöglicher Markteinschätzungen zum aktuellen Zeitpunkt passivierungsfähige Kosten i.H.v. 8,5 Mio. € ermittelt. Der WEA-Hersteller,
    welcher als Generalunternehmer den Windpark errichtet, hat sich vertraglich zu einem Zuschuss zu den Rückbaukosten von 1 Mio. € verpflichtet. Nach Erkenntnissen des Managements ist der WEAHersteller
    solvent und hat eine langfristig zweifelsfreie Bonität. Im Verlauf des Geschäftsjahrs t2 ergeben sich aufgrund besserer Erkenntnisse Einschätzungsänderungen, nach denen zum Abschlussstichtag in allen drei Systemen nunmehr Rückbau- und Rekultivierungskosten i.H.v. 10 Mio. € ermittelt werden.
    Es bestehen keine Anzeichen einer Werthaltigkeitsminderung der WEA.

    Gehen Sie auf die Abbildung, insbesondere die Bewertung, der Rückbau- und Rekultivierungsverpflichtung
    im IFRS- und HGB-Jahresabschluss zum 31.12.t1 und zum 31.12.t2 ein.
    Es wird das Anschaffungskostenmodell nach IAS 16.30 angewendet. Der gegenwärtige, laufzeitäquivalente Marktzins für risikofreie Anlagen kann zu nominell 2,25% p.a. angenommen werden. Zur Berücksichtigung
    der nicht in den Zahlungsströmen erfassten Risiken wird ein Zuschlag von 2,5% p.a. erhoben. Der durchschnittliche Marktzinssatz der vergangenen sieben Jahre gem. § 253 Abs. 2 HGB für eine Restlaufzeit von 20 Jahren beträgt 5,15%. Vereinfachend wird eine flache Zinsstrukturkurve und für die im Fallbeispiel relevanten Restlaufzeiten der Verpflichtung von 18 bis 20 Jahren ein identischer Zinssatz
    unterstellt. Auf die Bildung latenter Steuern kann vereinfachend verzichtet werden.
  34. Aufgabe 2.9 Herminator AG

    Modifiziert übernommen aus Theile (2011): Übungsbuch IFRS, Wiesbaden 2011, S. 87 ff.

    Die im Januar t1 gegründete Herminator AG beschäftigt sich ausschließlich mit dem Handel von Wintersportartikeln. Es findet demnach keine Be- oder Verarbeitung der Produkte statt. Im Geschäftsjahr t1 sind folgende Stücke des erfolgreichen Rennschlittens „Swiss Blitz“ angekauft worden:

    Erst bei Inventur am Jahresende wird festgestellt, dass noch 3.500 Stück des Modells „Swiss Blitz“ auf Lager liegen. Unterjährig ist die tatsächliche Lagerbewegung nicht nachgehalten worden.

    Die Herminator AG stellt den Jahresabschluss nach HGB auf. Der Vorstand weist den Leiter Rechnungswesen an, für das erste Geschäftsjahr ein hohes Jahresergebnis auszuweisen. Die Ertragsteuer Be-
    lastung der Herminator AG beträgt 40 %.

    a)  Sind Vorräte nach HGB und IFRS grundsätzlich einzeln zu bewerten? Unter welchen Bedingungen kann von der Einzelbewertung abgewichen werden?

    b)  Ermitteln Sie die Anschaffungskosten des Endbestands und den Wareneinsatz für die „SwissBlitz“ nach HGB.

    c)  Wie hoch sind die Anschaffungskosten des Endbestands der Rennschlitten in der Steuerbilanz?

    d)  Welche Information wird benötigt, damit die unter b) und c) ermittelten Werte auch tatsächlich angesetzt werden können? (Für die weitere Bearbeitung der Aufgabenstellung wird angenommen, dass die ermittelten Werte angesetzt werden können)

    e)  Mit welcher Begründung sind ggf. in der Handelsbilanz latente Steuern anzusetzen? Führen Sie ggf. die Steuerabgrenzung durch.

    f)  Angenommen, die Herminator AG würde in einen IFRS-Konzernabschluss einbezogen. Können die HGB-Wertansätze der Herminator AG beibehalten werden?
    • a)
    • HGB: Grundsatz der Einzelbewertung §252 Abs.2 Nr.3 HGB -> Vielzahl von Vermögensgegenstände, die gleichartig sind 
    • IFRS: Sofern die Einzelzuordnung der AHK möglich (IAS 2.23) -> bei gleichartigen und damit austauschbaren Vorräten kann aber auch die Durchschnittsmethode oder die FIFO - Methode verwendet werden (IAS 2.29)

    • b) hier: FIFO, LIFO
    • Vorausetzung : - Gruppe gleichartige VG §250 HGB /- GOB konformes Verfahren (kein missbrauch) 

    • LIFO: auf Lager befinden sich die zuerst eingegangenen Lieferungen 
    • Endbestand: zuerst angeschaffenen VG 
    • Warenverbrauch: zuletzt angeschaffenen VG 

    FIFO: auf Lager befinden sich die zuletzt eingegangen Lieferungen 

    c) steuerlich zulässig hier nur durch die Durchschnittsmethode und die LIFO-Methode 

    d) Beachtung des strengen Niederstwertprinzip (d.h möglich außerplanm. Abschreibung notwendig)

    • e) Ansatz latente Steuern 
    • HB-Ansatz : 1380.000(FIFO)
    • StB-Ansatz: 1.272.115 (Durchschnittsmethode)
    • -> Δ 107.885
    • StB Ansatz < HB-Ansatz 
    • -> Ansatz einer passiven latente Steuer 

    • 107.885 * 0,4 = 43.154
    • lat. Steueraufwand an passiven latente Steuern  43.154

    • f) 
    • FIFO-methode zulässig (+)
    • - strenges NIederstwertprinzip (+) stellt aber auf Nettoveräußerungswert ab (nur Absatzmarkt orientiert)
    • - Bildung latenter Steuern ? (+) -> IAS 12.15

    buchungsatz siehe oben
Author:
huatieulans
ID:
313981
Card Set:
nat. und intern. Unternehmenspublizität Übung
Updated:
2016-01-27 19:44:11
Tags:
Klausur
Folders:
Ruhnke
Description:
Klausurvorbereitung
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