Allg Psychologie 1

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  1. Wahrnehmungspsychologie
    allg. Psychologie: Grundlage & Bindeglied

    beschreibt Verhalten (erklären, beschreiben, kontrollieren) & Erleben, unterstützt Menschen
  2. Sensorische Elementarqualität vs Wahrnehmung
    • sensorische Elementarqualität: nicht gegenständlicher, unmittelbarer Effekt auf Reiz, Empfindung Frühform und Voraussetzung für Wahrnehmung
    • Sinne (Entfernungs-, Haut- und Tiefensinne)
    • treffen Aussagen über Umwelt

    • Wahrnehmung: komplexer Vorgang der sinnlichen Repräsentation gegenwärtiger Sachverhalte
    • kognitiver erkenntnisschaffender & informationsverarbeitender Prozess
    • führt zu Integration von Informationen (Beziehungen zwischen Einzelteilen, Einheit "sinnlich" & Sinn)
    • Informationen werden verglichen & modifiziert (Schema)
  3. Assoziationismus kontra Gestalttheorie
    • Assoziationismus (Zusammenschluss): Empfindung sind summative/additative Verbindungen und Ganzheit nicht mehr als Einzelteile
    • Konstanzannahme (jeder Reiz kann Empfindung zugeordnet werden)
    • Einzelempfindungen lassen sich beliebig vereinigen

    Gestalttheorie: Ganze mehr als Summe der Teile, Prinzip der Transponierbarkeit, Ebbinghaus (Seelenleben Einheit, keine Summe)
  4. Stellung der Wahrnehmungspsychologie in der Allgemeinen Psychologie
    - innerpsychologische Begründung: Über Wahrnehmung leicht inter-individuell verständigen, und kynernetisch, technisch & mathematisch beschreiben, exzellentes Wissen über physiologische Grundlagen, experimentell leicht auslösbar

    - außerpsychologisch: fundamentale Bedeutung für Erkenntnisprozess, Bindeglied sinnliches Erleben & Denken, Nativismus (Voraussetzung angeboren) vs Empirismus, Darwins Evolutionstheorie (Natur ist Ergebnis von Anpassung)
  5. Wahrnehmungsbegriff
    • Bestandteil eines einheitlichen kognitiven Vorgangs
    • aktiver, selbstbestimmter Vorgang der Informationssuche, - Auswahl und -Analyse
    • Voraussetzung für zielgerichtetes Handeln (wechselseitige Beeinflussung Wahrnehmung <-> Handeln)
    • gebunden an: Entwicklung Bewegungsapparat, historische Entwicklung der menschlichen Tätigkeit
    • unterliegt: biologischen, gesellschaftlich (erzeugt und übernommenen) Gesetzmäßigkeiten, Tätigkeiten in denen sich diese entwickeln

    • Integration polymodaler Informationen zu relativ reizinvarianten Objektabbild (Perzept)
    • polymodales Wahrnehmen: mehrere Sinne an Wahrnehmung beteiligt
    • intermodale "Sprache" (gemeinsamer Code und Metrik)
    • visuelle Wahrnehmung leite akustische
    • Koppelung visueller mit kinästethischer Wahrnehmung (Auberches Phänomen)
  6. Prozesse der Wahrnehmung
    • kurze oder lange Folgen, afferent & reafferent
    • Perzepte: integrative innere Repräsentation

    - Abbildung: mit Sinnensphysiologie, äußerer und innerer Psychophysik
  7. Teilprozesse des Wahrnehmens: Analyse-durch-Synthese-Theorie (Stevens und Halle)
    A Aufnahme und Verarbeitung

    • 1. Vorverarbeitung der Erregungsmuster (Störung beseitigen, verfeinern, wiedererkennen, ...)
    • 2. Kodierung (Reize zur jeweiligen sensorischen Elementarqualität zuordnen - kinästhethisch, konzeptuell, perzeptuell)
    • 3. (Kurzfristiges) Behalten
    • 4. Vorläufige Analyse und Integration (Relevanz, Assoziationsprozess, Gradientenerfassung EUII)
    • 5. Synthese eines hypothetischen Gesamtbilds
    • 6. Aktivierung/ Abruf von Gedächtnisbesitz
    • 7. Vergleich Ist-Abbild & hypothetisches Abbild
    • 8. Abbruch der weiteren Informationsaufnahme
    • 9. Antwort auf Reiz

    • B Energetische Prozesse
    • 10. Allgemeiner Aktivierungsprozess (Orientierungsreaktion)

    • Analyseprozesse: 1 - 4
    • Synthese: 3,5,6
    • Vergleich: 3,7,8,9
  8. Hauptprobleme der Wahrnehmungspsychologie

    Differenzierungs- vs. Bereicherungstheorien
    - erlernt (Empiristen z.B. Deprivation, Umkehrbrille) vs angeboren (Nativisten z.B. visuelle Klippe, Gambienzellen)

    • Kritik an Gottschald (Nativismus): differenziertes System sowohl mit angeborenen als auch erlernten Wahrnehmungsleistungen
    • Katzenkarussel

    • Differenzierungskonzept: alles notwendige angeboren, aber durch Lernprozesse wird Wahrnehmung ausdifferenziert (Gibson)
    • Bereicherungskonzept: Grundlage angeboren, durch Lernen Neuerwerb (Postman)
  9. Kontextabhängigkeit
    - selbe Reiz abhängig vom Kontext unterschiedlich wahrgenommen

    • a) situationsabhängig (auch Umgebung wahrgenommen)
    • b) erfahrungsabhängig (Bezugssystemeffekt)
  10. Tiefenwahrnehmung und phänomenale Metrik des Raums: Nichteuklizität
    • objekt-/ physikalischer Raum <-> funktionaler Raum (durch Handeln)
    • funktionaler Struktur nicht vollständig - "euklidisch" (Längen und Winkel werden "physikalisch" nicht korrekt wahrgenommen)

    • funktionaler Raum:
    • 1. konstellativ
    • 2. inhomogen
    • 3. anisotrop

    • Mondtäuschung: knapp über Horizont wird Mond größer wahrgenommen
    • 1. Schalenstruktur des Wahrnehmungsraums
    • 2. Entfernungen horizontal schneller zu überwinden als vertikal
    • 3. serielles System

    Blumenfeld-Hillebrand-Alle
  11. Zentralproblem: Verhältnis Reizstruktur - Wahrnehmung
    • Umwelt wird präziser wahrgenommen als sie tatsächlich ist
    • gleiche (distale) Reize können verschiedene Wahrnehmungen ergeben (Ebbinghausche Kreistäuschung)

    • Erklärung Psychophysik:
    • Assoziationspsychologie: Beziehung Reiz - Wahrnehmung - Assoziation erlernbar
    • Gestaltpsychologie: keine eindeutige Beziehung - Irregularitäten & Existenz autonomer Gesetzmäßigkeiten
    • heute: gesamte Reizstruktur beachten (beides)

    Konstanzerscheinungen: wechselnde Reizeinflüsse führen nicht immer zu Wahrnehmungsveränderung und gleiche Beziehungen nicht immer zu gleicher Wahrnehmung
  12. Konstitutive Merkmale des Wahrnehmens

    Gegenständlichkeit
    • bewusst gewordene Reizeinwirkungen werden als Sachverhalte außerhalb der Sinne wahrgenommen --> sie werden zu Gegenständen unseres Handelns (nicht alle sind Abbilder/ können abgebildet werden)
    • Variablen höherer Ordnung wirken mit
    • Folge: relative Invarianz

    • Gegenständlichkeit Repräsentations(Perzept)Qualität, ihre Modalitätsabhängikeit und Störungen):
    • Gegenständlichkeit: erworben/Entwicklungsergebnis, Exterorezeptoren & Interorezepoten/Propriorezeptoren (Empfindungs- keine Abbildungsqualität)
    • Störungen: Agnosie (nicht erkennen) - Wahrnehmung distaler Reize und Weiterleitung ans ZNS ohne weitere Verarbeitung, Alexio (Wortblindheit), toxische Schädigungen (z.B. durch Narkose) --> gegenständliche Wahrnehmung ist eine getrennt störbare Leistung der Exterorezpetoren

    -Wahrnehmung von Gebrauchseigenschaften: Objekte mitsamt Funktion/ Zweck wahrgenommen, Wahrnehmung wird durch zugeschriebene Objekteigenschaften beeinflusst
  13. Invarianz als Klassifizierungsresultat: Begriff, Mechanismen, Klassifikationsarten, Folgen
    • trotz wechselnden Reizen relativ konstante Eindrücke
    • Wahrnehmung relativ unveränderlich

    - Invarianz = Ergebnis erlernter Klassifizierungsprozesse & Basis für menschliches und geistiges Leben (Grundlage für Begriffsbildung und Voraussetzung für Klassifizierung)

    • Klassifikationsarten:
    • 1. begriffliche Teilleistung
    • 2. intersensorische Teilleistung (Wechselwirkung Sinnesorgange)
    • 3. sensumotorische Teilleistung
    • 4. sinnlich sensorische Teilleistung

    Phänomene der Invarianz: Größen-, Form-, Farb-, Helligkeits-, Orts-, Sprachverständniskonstanz & Einheit von optischem und taktilem Raum

    • beteiligte Mechanismen:
    • a) angeborene (unbedingt reflektorisch)
    • b) einfache, erlernte (bedingt reflektorisch)
    • c) komplexe, erlernte

    • Prinzipien/Erscheinungen, die durch Klassifizierungen erklärt werden können:
    • apperzeptiver Charakter des Wahrnehmens (mehr wahrnehmen als vorhanden)
    • selektiver Charakter
    • Wahrnehmungseinstellungen
    • Konstanzerscheinungen
    • Bezugssystemwirkungen
  14. Ganzheitlichkeit ("Gestaltqualität") und Ordnung im Wahrnehmen
    • intermodales Wahrnehmen:
    • Apperzeption: Integration von verschiedenen Sinnen und Ergänzung durch Gedächtnisinhalte
    • Synästesie: Übertragung von einem Sinn auf andere
    • Führungsmodalität: optischer Sinn

    • Verhältnisse wahrnehmen: Teil-Ganzes-Effekt
    • Beziehungen werden beim wahrnehmen erfasst (Verhältnis- und Strukturwahrnehmung)
    • sachbedingtes Gliedern (Bedeutung beimessen), Transponierbarkeit von Gestalten, Gesamtheit der Teile (Wechselwirkung der Teile mit Ganzem -> Verzerrung)

    • "ordnendes Wahrnehmen" - autochtone Leistung oder Umweltrepräsentation?
    • Umwelt bietet Strukturen, auf die der Mensch zurückgreift
    • Suche nach Ordnung: Übergeneralisierung & Manipulation

    Gestaltgesetze sagen voraus, welche Reizwirkungen gesetzmäßig zu Gestalt zusammengefasst werden

    • Prägnanzgesetz: Wahrgenommenes in Form von guter Gestalt bringen
    • Bsp: Geradlinigkeit, durchgehende Kurve, Nähe, Ähnlichkeit, Geschlossenheit, Fortsetzung

    • Erklärung: Klassifizierung (Vereinfachung) ist Produkt der biologischen Ökonomie, ordnungsstiftende Wahrnehmung keine autochthone, willkürliche Leistung sondern Anpassungsleitung
    • Umwelteinflüsse werden normalerweise geordnet wahrgenommen
  15. Sinnerfülltheit des Wahrnehmens
    • Unterscheidung zwischen Inhalt und Bedeutung von Eindrücken im Erkenntnisprozess (Bedeutung wird immer mit gelernt und verändert Wahrnehmung)
    • sinnliches Erfassen von Inhalten und Zumessen von Bedeutung (baut auf klassenrelevanten Informationen auf)


    Reafferenzprinzip: Regelprinzip zur Kontrolle und Rückmeldung eines Reizerfolgs an ZNS - Bedeutung wird aufgrund von Sinnesmeldungen (Afferenzen), erfasst ZNS organisiert Information & Begriffe leiten Wahrnehmung

    • Erklärung: Hypothesentheorie des Wahrnehmens
    • Objekte Reizmuster mit mehrdeutigen Informationen können durch Erwartungen, Hypothesen unterschiedlich aufgenommen werden
    • Phänomene der Sinnerfülltheit (Zuwendung zu Gegenständen, die uns interessieren z.B. Figur-Hintergrund)
    • Konsequenz des begriffsgebundenen Wahrnehmens
    • sinnerfülltes Wahrnehmen: Objekte werden als angehörige einer/mehrerer Klassen wahrgenommen
    • Verstärkung von Hypothesen
    • Wirkung starker Hypothesen (Aktivierungshäufigkeit, Dominanz, Veränderungresistenz)
  16. Wahrnehmen als begriffliches Wahrnehmen
    • Begriffe sind automatisch in Wahrnehmung integriert (Abbildungen sinnlicher und logischer Art)
    • Semantische Tripelreaktion: Repräsentation äußerer Sachverhalte durch Worte: Begriff - Zeichen: Wort (= Träger der begrifflichen Repräsentation) - bezeichnender Sachverhalt

    • Entstehung und Äußerung: durch bedingt reflektorische Verbindungen zwischen Objekt und Bezeichnung
    • 1. haptische Abbild in andere Sinneserfahrungen integriert
    • 2. haptisches durch Visuelles kompensiert

    • durch Begriff: erhält Wahrnehmung Generalsisierungs/ Abstraktionsqualität
    • Unterschiedliche Wahrnehmung gleicher Dinge ist abhängig davon, was uns leitet
    • 1. begriffliche verallgemeindernde Wahrnehmung -> Normalfall (sensorische Merkmale in nicht-sinnliche integriert: Einheit Sinn&sinnlich, Einordnung ins Begriffsystem, Identifikation)
    • 2. Agnosie: nur sinnliches Erkennen/ sensorische Elementarqualität
    • 3. (Anterograde) Amnesie: begriffliche Wahrnehmung ohne Erkennen und Einordnern in die eigene Biographe

    • Leistungen begrifflicher Komponenten: ordnender Aspekt durch Begriff und Wort, Erweiterung der Wahrnehmung um nicht-individuelle Klasseneigenschaften, begrifflich gestützte Hypothesen, Einfluss gesellschaftlicher Erfahrungen, Identitätsstiftung, Erleichterung und Verbesserung der Wahrnehmung
    • Sprache und Begriffe bestehen aus Regelsystemen (Whorf)
  17. Abhängigkeit des Wahrnehmens von aktuellem und vorgängigem Kontext
    Selektion & Hinzunehmen (des Kontexts)

    • Arten von Kontextabhängigkeiten:
    • Kontextfaktoren
    • aktuelle Situationsbedingtheit
    • vorangegangene Einwirkungen (Doppelfunktion der Reize als Übertragungsfunktion und Bezugssysteme - einzelner Reiz bestimmt nie alleine Wahrnehmung)

    • Wahrnehmungsanpassungen: Verschiebung des Eindruck-Kontinuums gegenüber Reiz-Kontinuum
    • verschiedene Reize --> verschiedene Wahrnehmung, aber jeder gleiche Reiz auch andere Wahrnehmung (drei-Schalen-Experiment)

    • Lokale Wahrnehmungsanpassung: Adaption (ständig einwirkende Reize unterdrücken), trotz Dauereinwirkung kann feiner unterschieden werden, Herabsetzung Erregbarkeit
    • Situationsbedingte Wahrnehmungsanpassung: Adaption gleicher Reize, die unmittelbar mit Situation verbunden (Rot-grün-Brille)
    • Koordinationsanpassung (Stratton-Kohler Paradigma): taktil-kinästethische Meldungen bringen Informationen über die Beschaffenheit der Realität
    • Redundanz: überzufällig häufig auftretende Reizmuster haben hoßes Maß an Redundanz (Entlastung des Organismus, feinere Reaktion, mehr Unterschiedsempfindlichkeit)

    • Bezugssysteme: Wahrnehmung als Klassifizierungsvorgang
    • Geflechte aus Wechselbeziehungen zwischen absolut (ohne Bezug) erscheinenden Einwirkungen, die eine funktionelle und phänomenale Gliederung bewirken und Eindruck mitbestimmen
    • Repräsentation der Umwelt und basieren auf sinnliche & praktischen Erfahrungen (nicht autochthon)

    Phänomene und Begriff:

    • Ursache: absolute Wahrnehmung einzelner Eigenschaften, aber Aufhebung Absolutheit nicht möglich
    • unbewusster Bezug auf Gesamtsystem
    • auf frühere Erfahrungen bezogen
    • Verarbeitung: Bezug aktueller Reize auf: den Mittelwert der bereits erfahrenen, Häufigkeit des Auftretens, Spannweite der Eindrücke
    • Ankerreize: besonders herausragende Einflüsse (bereits einzelne Reize können Bezugssysteme verändern)
    • Vergleiche beziehen sich auf gegenwärtige Aktualsystem als auch frühere Reize (mnestisches Bezugssystem)

    • Wirkungen von Aktual-Bezugssystemen und von mnestisch stabilisierten Bezugssystemen
    • 1. Systembedingte Eigenschaften als Ausdruck von Bezugssystemen
    • a) Bereichsbildung absoluter Eigenschaften
    • b) Identifizierung von Einzelsachverhalten als Klassenobjekt
    • c) Wahrnehmung absolut erscheindner Zustände
    • d) Wahrnehmung von Teilfunktionen
    • 2. Wahrnemungsveränderung/ - Akzentuierung als Ausdruck von Bezugssystemen
    • a) Aktivierungsveränerungen (Orientierungsfunktion doer Habituierung)
    • b) Einzelsachverhalte werden verändert wahrgenommen
    • c) Größe und Lage der kategorialen Bereiche

    • Struktur von Bezugssystemen (Wittes Bezugssystem-Theorie)
    • 1. Gliederung eines Bezugspunkt
    • a) ein Punkt (Indifferenzpunkt, von dem Wahrnehmung geleitete wird - "Mitteneindruck")
    • sukzessive Mitteilungsstrategie: Kontinuum in gleich große Klassen unterteilt, in Unsicherheitsbereichen neue Kategorien
    • sequentielle Strategie: Eindrücke unmittelbar auf vorangegangene bezogen
    • b) mehrere Bezugspunkte (komplizierte Systeme): Mittenlage = Inferenzlage (geometisches Mittel)

    2. Anzahl von nebeneinander existierenden Bezugssystemen (Haupt- und Nebenbezugssysteme)

    • a) Systemhierarchien (übergeordnete bestimmt Feinere, Systemähnlichkeit bestimmt Elementarähnlichkeit, Kategorieneinteilung nicht auf Untersysteme übertragen)
    • b) Wirken von Haupt- und Partialsystmen: Sachverhalte gleicher Art können zwei oder mehr Bezugssystemen zugeordnet werden, die nicht deckungsgleich sein müssen

    3. Anzahl der variablen Eigenschaften (ein- oder mehrdimensionale Bezugssysteme)

    • für Entstehung von mehrdimensionalen Bezugssystemen
    • 1. Herausfiltern einschlägiger, klassenbildender Merkmale (aufgrund von Wissensbasis, Entstehung einer subjektiven Skala und Formung der Gewichtung dieser)
    • 2. gedächtnismäßige Speicherung typischer Klassenvertreter (Prototypen, Gewichtung Skalenwerte)
    • 3. Klassifizieren neuer Sachverhalte durch Ähnlichkeitsvergleich (sequentiell und parallel, hypothesengleitete Wahrnehmung)

    • Herkunft von Bezugssystemen: wenige sind angeboren und werden ausdifferenziert, größte Teil in Ontogenese erworben
    • Bezugssysteme sind nicht unveränderlich: a) gegenstandsspezifische, situationsspezifische, aufgabenspezifische

    • Wahrnehmungseinstellungen: Veränderung der aktuellen Wahrnehmung aufgrund vorangegangener Wahrnehmung
    • Bereitschaft sinnliche Eindrücke wahrzunehmen und zu handeln
    • Usnadse-Paradigma: Einstellungsphase (Vorerfahrung) führt zu Wahrnehmungseinstellung (große und kleine Kugeln)
    • Einstellungsbrüche: Fehldeutung eines klassenfremdne Objekts, höhere Erkennungs- und Antwortzeiten, Aktivierungssteigerung
    • Reduktion: Herausbildung von Hypothesen -> Organismus reagiert mit Reduktion (Reduzierung von Energie und Aufwand, ökonomische Entlastung -> Fehlerquelle)
    • Merkmale der Wahrnehmungseinstellungsbildung: Klassifikation (nur Prüfung klassentypischer Merkmale), Redundanz-Ausnutzung (nur gründliches Erfassen von Unerwartetem), Nachteil: Quelle für gesetzmäßig auftretende Fehler (Erwartungsfehler), automatisches Handeln
  18. Gerichtetheit des Wahrnehmens
    • wir nehmen nicht isoliert, sondern als ganzheitliche Persönlichkeit wahr (Verbindung zu bereits erlebtem)
    • Wahrnehmung dient zur Regulation des Verhaltens (Einfluss durch Bedürfnisse, Interessen, ...)
    • keine künstliche Trennung kognitiver und emotionaler Prozesse

    Beziehung von Mensch zu Dingen: a) Prozess des Wahrnehmens - Wahrnehmung angeboren (reflektiv) oder systematisch (zielgerichtet), b)Wahrnehmungsabbild - Perzept ist von Beziehung, aber auch Valenz abhängig --> Wahrnehmungsakzentuierung --> Veränderung der Wahrnehmung durch Valenz

    Experiment von Bruner&Godman

    • Größe von Pappscheiben und Münzen einschätzen
    • Münzen größer, da wertiger (Überschätzung eher bei armen Kindern)

    Schäfer-Murphy Effekt

    • durch Tachstokop zwei Mondhälften dabieten
    • mit Valenz (Wert) belegte Scheibe wurde als Figur, nicht belegte Scheibe als Hintergrund wahrgenommen
    • Wahrnehmung = Verbindung zwischen physikaler Reizdimension und bedürfnisbedingt Valenz (Veränderung der Wahrnehmung durch Valenz: Selektion, (Reorganisation/ Umordnung
    • intraserieller Effekt: Valenz vergrößert Abstände innerhalb Reizserie (Wahrnehmungsspreizung)
    • interserieller Effekt: Differenzierungsvergrößerung - Größen überschätzen

    Verfahren zum Bewis von Persönlichkeitsstilen: Rorschach-Test & Szondi-Test (Erfassung der Inhaltspräferenzen des Betrachters - Inferenz-Test (Stroop)
  19. Soziale Einflüsse im Wahrnehmen
    • jede Wahrnehmung sozial determiniert
    • soziales Wahrnehmen durch Begriffe bestimmt

    • Wahrnehmungsanker: Übernahme von Wahrnehmungsankern anderer Personen - ohne mit ihnen in Verbindung zu treten (Gniza-Versuch: riechen an Glaskolben mit Wasser)
    • Wahrnehmungsveränderung: aufgrund von Druck (Asch-Effekt)
    • Erklärung der Wahrnehmungsveränderung: Wahrnehmung hat sich nichts geändert --> durch anpassen der Aussagen, Veränderung der Sensibilisierung (Schwelle) der Sinne, Wahrnehmung hat sich verändert --> durch Übernahme der Wahrnehmungsanker

    Konformitätseffekt (nach Crutchfield):interindividuelle Unterschiede, sogar bei persönlich bedeutsamer Wahrnehmung, Abbau wenn sozialer Druck entfällt

    (nach Upmeyer): Druck in sozialen Umgebung ändert Wahrnehmung, Änderungen der Sensibilisierung/ Schwellen
  20. Wahrnehmen als Tätigkeit
    • als perzeptive Tätigkeit
    • (aktiv erkenntnisschaffender Prozess)

    • 1. Wahrnehmen ist Vorgang der allmählichen Abbilderstellung
    • 2. aktiver Prozess
    • 3. als eigenständige Handlung auftreten
    • 4. ontogenetische Verkürzung äußerer Bewegungsoperationen zu interiorisierten perzeptiven Operationen

    Perzeptive Operationen

    Arten: ausführende, perzeptive/erkennende, kognitive/ informationsverarbeitende Operationen

    • Funktionen:
    • 1. Makrobewegungen: gnostisch/erkenntnisschaffend (Folgebewegungen & sakkadisch z.B. im Spiegel in die Augen schauen: Such- und Einstellungsbewegungen)
    • 2. Mikrobewegungen: (Grundlagenfunktion & spezialisierte gnostische)
    • 3. postexpositionelle Augenbewegungen: (vikariierendes System)

    • Ablauf der Makrobewegungen: 1. Fokus richten, 2. räumliche Informationen sammeln, 3. gnostische Informationen: Objekt erkennen, 4. anzahl der Sakkaden sagt etwas über die Einschätzung des Objekts
    • Zusammenfassung: ermöglicht frühzeitige Reduktion von Informationen, Auswertung ganzer Beziehungsgeflechte (chunking), nur wesentliche Merkmale mit neuem Informationsgehalt, Verkürzung perzeptiver Prozesse <-> bessere Ausfilterung wesentlicher Informationen
  21. Problem eindeutiger Beziehungen zwischen Reizstruktur und Wahrnehmung
    Sachverhalte der Wahrnehmungskonstanz: Phänomen, dass Objekte als stabil, invariant und konstant wahrgenommen werden

    Konstanz: zu Anpassung auf tatsächliche Beschaffenheit, relative Unveränderlichkeit trotz sich ändernder Reize, variable Merkmale, die durch Reizbeschaffenheit verzerrt werden, werden trotzdem richtig wahrgenommen, korrektes erkennen und klassifizieren

    • 1. Ortskonstanz
    • 2. Geschwindigkeitskonstanz
    • 3. Größenkonstanz (Entfernung, vertikal-horizontal, automatische Anpassungsleistung)
    • 4. Form und Gestalt (Gestaltpsychologie. gesammelte Erfahrung bewirkt Entzerrung - aufgrund guter Gestalt, heutige Erklärung. ähnliche Mechanismen wie bei Größenkonstanz)
    • Farbkonstanz/ Helligkeitskonstanz (achromatisch und chromatisch)
    • Emmertsche Gesetz - bei Nachbildern (Größe hängt von Entfernung der Fläche ab)

    • Erklärungsversuche: wahre Größe erst durch Erfahrung/ Gedächtnis - aber auch neues kann größenkonstant wahrgenommen werden
    • Zusammenwirken unterschiedlicher Erfahrungen und Einwirkungen
    • primäre Tiefenkriterien: Akkomodation, Konvergenz, Querdisparation
    • sekunderäre Tiefenkriterien: verdecken/überlappen, Größe & Perspektive, Texturgratient, Schatten
  22. Erklärungen von Invarianzerscheinungen (neuere Ansätze)
    • keine 1;1 Beziehung
    • immer Reizcluster und nicht nur Einzelreize wahrgenommen

    • Neuformulierung des Problems: ökologische Wahrnehmungstheorie (Gibson) - Prinzip Wirkungsgabelung/Bifurkationmenschlicher Organismus baut auf geordnete Reizströme, die Informationen für Korrekturen enthalten - Mehrinformationen sind Variablen höherer Ordnung, immer Reizstruktur mit Ordnung
    • 2 unterschiedliche Arten von "Störungen": (Kardos, Bühler) einfache Einstellungen und echte Verderbung des Informations-Zustroms (Äquivokationen = Doppelsinnigkeit - alle Konstanzerscheinungen)
    • Informationstheorie: (Ashby, Shannon): wenn 2. Informationskanal vorhanden, wird Mensch mit Äquivokation fertig
  23. Variable höherer Ordnung/ Beziehungen als Reize
    • Helligkeits- & Farbkonstanz: Wirksamkeit einfacher Verhältnisse
    • Größenkonstanz: Wirkung von Gradienten - Gibsons ökologische Theorie vs Linschotens "Lufttheorie" - nutzt immer Texturgradient, Größenkonstanz auf Störinformation zurückzuführen, Mensch hat Mechanismen die Variablen höherer Ordnung auswerten

    neurophysiologische Auswertungsvorgänge von Variablen höherer Ordnung: Kompensations- (einholen von Doppelbildinformation -> Kompensation), Korrektur- (vergleichen und korrigieren) und Rekonstruktionsmechanismen (unscharfe Informationen aufnehmen und auswerten)

Card Set Information

Author:
voglbeer
ID:
321171
Filename:
Allg Psychologie 1
Updated:
2016-06-20 14:58:22
Tags:
Wahrnehmungspsychologie
Folders:
psychology
Description:
Allgemeine Psychologie
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