Simmel

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Author:
threestar
ID:
66709
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Simmel
Updated:
2011-02-19 05:10:14
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Simmel
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Geser
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  1. Die drei soziologischen Apriori

    Damit solche Wechselwirkungen und damit Vergesellschaftung überhaupt entstehen
    können, stellt Simmel drei Grundbedingungen (Apriori) auf, die absolut notwendig sind:
    • Soziale Verallgemeinerung:
    • Menschen sehen andere Menschen nicht in ihrer Individualität (weil uns das vollkommene Wissen der Individualität des anderen versagt bleibt), sondern als Typen (Bsp.: Mann, Frau, Student, Ausländer, etc...). Das tun wir deshalb, da uns Menschen intransparent erscheinen und wir deshalb anhand der Typenbildung eine soziale Welt des miteinander Handelns konstruieren.

    • Dialektik der Vergesellschaftung:
    • Jeder Mensch ist nicht nur Gesellschaftsteil, sondern ausserdem noch etwas. Menschen weisen individuelle Eigenschaften und Charakterzüge auf, mit denen sie Rollen und Typen ausfüllen. Somit stehen sie sowohl in der Gesellschaft und gleichzeitig ihr gegenüber. Der Einzelne: die Art seines Vergesellschaftet-Seins ist bestimmt oder mitbestimmt durch die Art seines Nicht-Vergesellschaftet-Seins. Die Menschen sind somit Produkte und Produzenten der sozialen Wirklichkeit.

    • Ungleichheit der Gesellschaftselemente:
    • Durch seine Qualitäten ist jedes Individuum auf eine bestimmte soziale Position angewiesen. Die gesellschaftlichen Rollenmuster sind jedoch unabhängig von der Individualität der Menschen schon vorhanden. Sie müssen von den Individuen nur ausgefüllt werden. Somit sind diese stets dazu aufgerufen, "ihren Platz" zu finden und einzunehmen.

    Fazit: Alle Individuen sind ungleich begabt oder orientiert, finden aber gerade deshalb ihren spezifischen Platz in der Gesellschadft
  2. Die Aufgabe der Soziologie?
    Die Aufgabe der Soziologie ist es die Formen des Zusammenseins von Menschen zu beschreiben und die Regeln zu finden, nach denen das Individuum, insofern es Mitglied einer Gruppe ist, und die Gruppen unter einander sich verhalten.

    Fazit: Die "Formen der Vergesellschaftung" sind der Gegenstand der Soziologie
  3. Erkenntnistheorie und Positivismus/Szientismus
    Ganz im Sinne von Wilhelm Dilthey vertrat Simmel die Position, dass die Erkenntnistheorie des Szientismus nicht auf die Geisteswissenschaften ausgedehnt werden sollen. Nach Simmel müssen die Formungsprozesse untersucht werden, aus denen erst Phänomene wie Kultur und Gesellschaft hervorgehen. Eine Soziologie die das nicht will muss sich darauf beschränken zu zählen
  4. Sokrates und Platon
    Sokrates untersuchte Begriffe wie den der Tapferkeit, der Gerechtigkeit etc. um daraus das richtige Handeln abzuleiten. Er hat also ein überwiegend ethisches Anliegen verfolgt. Platon konzentrierte sich weit mehr auf die Wahrheitsfrage und auf die Frage ob der Begriff zutreffend erkannt sei, unabhängig ober er anschliessend das Handeln beeinflussen kann. Kriterium der Wahrheit ist für Platon ob der Begriff mit seinem Gegenstand übereinstimmt (wie die Übereinstimmung eines vollkommenen Bildes mit seinem Modell). Da aber Heraklit schon darauf hinwies, dass die empirische Realität sich ständig im Fluss befinde, mussten die Gegenstände der Begriffe oder der Wahrheit etwas anderes sein, als die Sinnenwelt. DieseGegenstände nannte Platon Ideen. Simmel hat den Dualismus Platons zurückgewiesen. Für ihn waren die Ideen Platons nicht real existent (jenseitig) sondern als Denkwerkzeuge (im Sinne etwa der Idealtypen Max Webers). Sie dienen dem Zweck die Existenz einer Wahrheit zu begreifen, die es geben muss, unabhängig ob der Mensch sie begreifen kann oder nicht.
  5. Für Simmels erkenntnistheoretische Position gilt:
    1. Erkenntnis muss auf Erfahrung beruhen, um sich ihrer Wahrheit vergewissern zu können

    2. Die Gegenstände, an denen Erfahrungen gemacht werden, trifft der Mensch nur in der diesseitigen Sinnenwelt, sie sind nicht wie bei Platon auf Diesseits und Jenseits aufgeteilt.

    3. Die Erfahrungen mit den Gegenständen können erst zu Erkenntnis werden, wenn sie vom Menschen zu einer bestimmten Form gestaltet worden sind (konstruiert). Ein Glas Wasser wird so entweder als halb voll oder halb leer wahrgenommen.

    • Die Erkenntnistheorie Simmels ist (im Gegensatz zu Dilthey) nicht von der Metaphysik befreit. Dem unbeweisbar Gegebenen steht Simmel gelassen gegenüber. Im Begriff der Wechselwirkung sieht er ein umfassendes metaphysisches Prinzip.
    • 
  6. Beispiel für das Wahre anhand der Musik
    Die Kunst der Musik ist für Simmel eine Formung, dieobjektiv wird, indem sie Subjektives in sich aufnimmt. Aus dem gemeinsamen Erfahrungsfeld des Lebens wird das Objektive so herausgebildet, dass sich das Subjektive darin wiederfindet und die geschaffene Form darum als authentisch, eben als wahr, gelten kann.
  7. Wahrheit bei Simmel
    Für die Methode der Soziologie als Erfahrungswissenschaft ist der Wahrheitsbegriff Simmels sehr sinnvoll. Wahr oder unwahr kann danach als Qualität einer Beziehung gesehen werden.

    • Die empirische Realität, die sich den Sinnen darbietet, ist wegen ihrer Vielfalt und des ständigen Fliessens (Heraklit) nicht wahr. Die geistige Formung kann aber losgelöst von dem was sie darstellen soll, nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft werden. Erst aus der Relation zwischen der Form (also z.B. eines Porträts) einerseits, und dem Gegenstand, den die Form darstellen soll, lässt sich die Wahrheitsfrage beantworten. Wie dieselbe Melodie in verschiedenen Tonarten gesungen werden kann, wird auch die empirische Wirklichkeit in verschiedenen Darstellungsweisen zu Form gestaltet. Deshalb hält es Simmel für sinnvoll, dass die unterschiedlichen Formungsbereiche (Wissenschaft, Kunst, Religion, Spiel) im harmonischem Konzert ihre je spezifische Art der Wiedergabe vortragen. Sie bringen in ihrer jeweiligen Sprache die Ganzheit des Lebens zum Ausdruck. Deshalb brauche es zwischen
    • den Formungen keine Spannungen zu geben. Sie könnten sich so wenig kreuzen wie
    • Töne und Farben.
  8. Definition von Gesellschaft
    Die Gesellschaft ist das Resultat und die Summe der Wechselwirkungen ihrer Teile.
  9. Wieso bevorzug Simmel den Essay?
    Der Essay versucht den vielfältigen Schattierungen seines Gegenstandes durch ein ständiges Umkreisen der möglichen Bedeutungen gerecht zu werden.

    • Simmel zufolge lässt sich die Moderne mit ihren
    • einzelnen Denkströmungen und Lebensformen nur noch in Gestalt von „Symbolen“ und „Anolagien“ veranschaulichen und nicht mehr in Gestalt einer grossen einheitlichen Theorie.
  10. Das soziale Fragment
    Der Wert der Analyse sozialer Fragmente (Alltagsanalyse) liegt darin, dass im Einzigartigen das Typische enthalten ist. Es existiert keine ontologische Rangordnung dieser Fragmente, die dem Beobachter die Aussage erlauben würden, dass eine sei wichtiger als das andere. Jedes Fragment, jede gesellschaftliche Momentaufnahme, schliesst in sich die Möglichkeit ein, den ganzen Sinn des Weltganzen zu enthüllen
  11. Warum ist der Stil in der Moderne so wichtig?
    Auf die Frage wieso der Stil einer persönlichen Lebensführung so wichtig ist antwortet Simmel: Die zunehmenden Wahlmöglichkeiten der modernen Kultur führen zu einer Überforderung, welche in eine Suche nach Halt mündet die in den strengen formalen Vorgaben der jeweiligen Stile mündet. Die Zunahme der persönlichen Freiheit bedarf also ihrerseits einer Zeitspezifischen Form der Einschränkung der Beliebigkeit.

    Mode: Der Wechsel der Mode zeigt das Mass der Abgestumpftheit der Nervenreize an; je nervöser ein Zeitalter ist, desto rascher werden seine Moden wechseln.
  12. Was ist nach Simmel die Tragödie der Kultur?
    Die Region des objektiven Geistes. Die Vergegenständlichung des Geistes in Worten und Werken, Organisationen und Traditionen schenkt dem Menschen seine/eine Welt. In der Dynamik dieses Prozesses liegt zugleich auch seine Tragik. Der Grund dafür liegt darin, dass wenn der Bereich des objektiven Geistes einmal geschaffen ist, er ein von den Subjekten unbeeinflussbares Eigenleben gewinnt. Die Tragik liegt darin das obwohl die Kultur für den Menschen überlebensnotwendig ist, diese mit fortschreitender Entwicklung dem Menschen als fremde Macht gegenübertritt. -> Entfremdung: Arbeitsteilung -> Übergewicht der Mittel über die Zwecke -> künstliche Bedürfnisse
  13. Wie kann der Mensch auf die Tragik der Kultur reagieren?
    Simmels Ideal ist die Vornehmheit.

    Vornehm ist derjenige Mensch, der nicht nur auf sich selbst, seine Persönlichkeit, sieht, sondern gleichzeitig Distanz zu den Dingen und zu seiner Umwelt hält. Derjenige der sich im Akt der Versenkung in den Gegenstand zum reinen, willenlosen, schmerzlosen, zeitlosen Subjekt der Erkenntnis aufschwingt

    Die ästhetische Erlösung vom Sein (Beispiel Schopenhauer und die Musik), das heisst vom Leben, kann ihrer Natur nach nur für die Augenblicke der ästhetischen Erhebung gelten; während sie geschieht. In den Momenten des ästhetischen Geniessens gleichen wir dem Sklaven, der seine Kette vergisst, oder dem Kämpfer der seinen übermächtigen Gegner nicht mehr vor Augen hat, aber nicht weil er ihn vernichtet hätte, sondern weil er von ihm geflohen ist, im nächsten Augenblick aber wird er von ihm wieder eingeholt
  14. Worin besteht nach Simmel die objektive Individualität des Individuums?
    Die objektive Individualität besteht in der einzigartigen Konstellation des Individuums im Schnittpunkt sozialer Kreise. Denn es ist höchst unwahrscheinlich, dass noch ein anderer gleichzeitig in allen diesen sozialen Kreisen vorkommt. (Die Allenerziehende Lehrerin in Zürich die Volleyball spielt, sich im Naturschutz engagiert etc. gibt es kein zweites Mal). Ihre objektive Individualität ist einzigartig. Ja zahlreicher die sozialen Kreise aber werden, umso mehr sinkt aber die Bedeutung jedes einzelnen Kreises für die subjektive Individualität.
  15. Was ist die doppelte Rolle des Lebensstils?
    Die doppelte Funktion der Egalisierung und der Individualisierung, wird auch durch den Lebensstil erfüllt.
  16. Was ist die doppel Rolle des Geldes?
    1. Geld ist Relation

    Fazit: Der wirtschaftliche Wert der Objekte besteht in ihrem gegenseitigen Verhältnis, das sie als tauschbare Objekte eingehen. Geld ist somit der zur Selbstständigkeit gelangte Ausdruck dieses Verhältnisses

    2. Geld hat Relation

    Die Geldwirtschaft kann jedoch auch als Wirtschaft verstanden werden, in der Ware gegen Geld gekauft und verkauft werden. Das heisst, Waren werden gegen Geld und Geld gegen Waren getauscht. In dieser Betrachtungsweise hat Geld Relation (Geld Ware-Relation). Hier wird Geld zum Teil des Wirtschaftsprozesses. Das heisst, Geld hat einen realen Einfluss auf den Prozess der Preisbildung.

    Denn die moderne Geldwirtschaftsei gar kein Tauschmodell mehr, es werdegar nicht mehr getauscht. Vielmehr habeder eine Geld und ein anderer Ware. DieWirtschaft funktioniere, indem der einedem andern Geld für Ware zahle. Mitdem Geld, das er durch den Verkauf derWare bekommen habe, könne der anderedann wieder Waren kaufen. Aus dieserÜberlegung heraus definiert Simmel dieWirtschaft als Zeitreihe: Wirtschaft seiein zeitlich strukturierter Prozess Geld ➝Ware ➝ Geld ➝ Ware und so weiter.Geld sei demnach nicht nur ein Symbolvon Relativität, sondern ermögliche diedynamische Entwicklung der Wirtschaft
  17. Die (drei) Auswirkungen der Geldwirtschaft auf Mensch und Gesellschaft
    • 1. Rationalisierung
    • 2. Individualisierung, Reflexivität und Freiheit
    • 3. Soziale Differenzierung
  18. Die (drei) Auswirkungen der Geldwirtschaft auf Mensch und Gesellschaft

    1. Rationalisierung
    Die Geldwirtschaft stellt den Menschen vor die Notwendigkeit des Vergleichens, Messens und Rechnens. Die Geldwirtschaft verlangt somit eine innere Distanz anderen Menschen und den eigenen Bedürfnissen gegenüber. Sie fordert eine Ausbildung der „Langsicht“. Die Ausbildung der Langsicht ist nur durch eine Reduktion der Emotionalität (affektive Selbstkontrolle möglich). Diese Fähigkeit bildet die Grundlage für das Zweckhandeln
  19. Die (drei) Auswirkungen der Geldwirtschaft auf Mensch und Gesellschaft

    2. Individualisierung, Reflexivität und Freiheit
    Rationalisierung und Individualisierung sind Differenzierungsprozesse der modernen Gesellschaft die Hand in Hand gehen.

    Für Simmel ist das frühe Stadium in der Entwicklung des Menschen durch den sogenannten Indifferenzzustand charakterisiert. Dieser Zustand weist noch keine Unterscheidung zwischen Objekt und Subjekt auf. In der Entwicklung kommt es zu einer Zerlegung in ein Ich-Subjekt und ein Ich-Objekt. Hier liegt das Urphänomen der Persönlichkeit: das wir uns selbst als Objekt betrachten können.

    Beispiel für den Indifferenten Zustand: In primitiven Zeiten wurde den Toten ihr Besitz ins Grab mitgegeben. In ständischen Gesellschaften war die Persönlichkeit mit ihrem ökonomischen Sein und Haben verwoben.

    Das Geld ist für Simmel der Schrittmacher der individuellen Freiheit. Das emanzipatorische Moment des Geldes besteht für ihn darin, dass die persönlichen Bindungen durch anonyme Abhängigkeiten ersetzte werden-> Lohnarbeiter (Geld gegen Leistung)

    Die Kehrseite des Individualisierungsprozesses: Die Person wird durch die funktionale Differenzierung nicht länger als ganze Person wahrgenommen (gemeinschaftzersetzende Kraft des Geldes).
  20. Die (drei) Auswirkungen der Geldwirtschaft auf Mensch und Gesellschaft

    3. Soziale Differenzierung
    Im frühen Stadium gesellschaftlicher Entwicklung ist der Mensch mit Haut und Haar mit der Ganzheit seines Seins in der Gesellschaft eingebunden (ähnlich dem Indifferenzzustand). Als Beispiel nennt Simmel hier die Institution der Zünfte im Mittelalter:

    „Eine Zunft war nicht eine Assoziation von Individuen, sondern eine Lebensgemeinschaft in fachlicher, religiöser, politischer und vielen sonstigen Hinsichten.“

    Durch den Differenzierungsprozess entstanden die Zweckverbände. Hier bringen die Mitglieder nur einen kleinen, objektiven Teil ihrer selbst in die Gruppe ein. Als extremstes Beispiel nennt Simmel die Aktiengesellschaft, wo sich die Teilnehmer ausschliesslich unter dem Interesse an der Dividende zusammenschliessen.
  21. Anfang von Grosstädet und Geistesleben. Grundmotiv des modernen Lebens?
    Die tiefsten Probleme des modernen Lebens quellen aus dem Anspruch des Individuums, die Selbstständigkeit und Eigenart seines Daseins gegen die Übermachte der Gesellschaft, der äusserlichen Kultur und Technik des Lebens zu bewahren.

    Das Grundmotiv des modernen Lebens ist demnach der Widerstand des Subjekts, in einem gesellschaftlich-technischen Mechanismus nivelliert und verbraucht zu werden.
  22. Geld als Paradigma des Kulturprozesses
    Die Behandlung des Themas „Geld“ wie sie in der Volkswirtschaftlehre betrieben wird, betrachtet Simmel als eine Reduktion der Wirklichkeit. Geld ist nicht bloss mit wirtschaftlichem Handeln in Verbindung zu bringen. Simmel versucht in seinem Werk „Philosophie des Geldes“ die tatsächliche Vielfalt der Thematik aufzudecken. Die Untersuchung des Geldes wird von Simmel mit der Absicht betrieben, Erkenntnisse zum Verständnis der Kultur insgesamt zu gewinnen.
  23. Simmel entwickelt den Begriff „Geld“ schrittweise in
    mehreren Stufen
    Erkenntnistheorie – Wirklichkeit und Wahrheitslehre – Wertetheorie – Lehre vom Tausch – Geld.
  24. Wert
    Charakteristisch für Simmels Methode ist die gedankliche Trennung der materiellen Wirklichkeit von dem kulturellen Werte. Denn die Werte sind von der dinglichen Realität unabhängig und stammen nicht aus den Dingen selbst, sondern sind Ergebnisse von Kulturprozessen. à Das Gleiche Ding kann in unterschiedlichen Kulturen ganz unterschiedlich bewertet werden. In der lebendigen Wechselwirkung zwischen Ding und Subjekt erst entsteht Wert. Man könnte sich jetzt fragen was für Simmel so aufregendes an der Gegenüberstellung von Subjekt und Objekt ist? à Die Subjekte sind sich nach Simmel der subjektiven Wertung der Dinge nicht bewusst. Sie halten das was sie als Bewusstseinsakt vorgenommen haben für eine Qualität der Objektwelt. Sie sind sich nicht bewusst, dass die Werte ihren Ursprung in einem Urteil haben, dass sie selbst gefällt haben. Sie reden sich ein (oder lassen sich einreden – Werbung) es handle sich beim Wert um eine Eigenschaft dieses oder jenes Gegenstandes. Die Trennung von Subjekt und Objekt ist für Simmel eine Gedankenleistung eine Kreation des menschlichen Bewusstseins à Urphänomen (Darwin). Gleichsam ein Nebeneffekt dieser Trennung ist der Wert.

    Das Erlebnis eines Wertes ergibt sich aus dem Bemühen des Subjekts, einen Abstand zwischen sich und dem Objekt festzustellen und zu überwinden. Damit ist dieses Objekt bewertet. Eine wichtige Rolle beim Wert eines Objekts ist die Distanz die das Subjekt zu ihm einnimmt und wie schmerzlich diese Distanz zu ihm empfunden wird. Es gibt nach Simmel aber keine Proportionalität zwischen Wert und Abstand. Simmel spricht von einem U-förmigen Verlauf. Es gibt demnach eine untere und obere Grenze. (ist der Abstand/Widerstand zu klein oder zu gross hört der Einzelne auf das Objekt zu begehren).
  25. Tausch
    Dem praktisch wirksamen Wert erhält ein Gegenstand nicht allein durch sein Begehrt werden, sondern durch das Begehrt werden eines anderen.

    Im Tausch wird das bewertete Objekt in eine doppelte Werterelation gestellt: Der Wert der das Objekt dem Subjekt selbst bietet und der Wert den es als Tauschwert hinsichtlich des anderen Objekts einnimmt. Der Tausch beschränkt sich für Simmel aber nicht nur auf den Bereich des Wirtschaftens, da z.B. auch geistiger Austausch möglich ist (Wissensvermittlung etc.). Deshalb sieht Simmel den Tausch als allgemeines Grundphänomen der Gesellschaft.

    Fazit: Die Welt des Seins ist meine Vorstellung, Die Welt des Tauschs ist mein Begehren.
  26. Geld Fazit
    Den Wert den das Geld als solches besitzt, hat es als Tauschmittel erworben; wo es also nichts zu tauschen gibt, hat es auch keinen Wert. Das Geld ist Ausdruck des Aufeinanderangewiesenseins der Menschen, ihrer Relativität, die die Befriedigung der Wünsche vom einen immer vom anderen abhängen lässt. Es findet nur da keinen Platz wo keine Relativität stattfindet -> Einsiedler -> kann jedes Begehren ohne Gegenleistung erlangen. Geld ist die allgemeinste Form sozialer Beziehungen (deshalb war die Erläuterung des Tausches so wichtig) Geld ist insofern Paradigma der Kultur, weil in ihm die Welt der Werte und die Welt der konkreten Dinge aufeinandertreffen.
  27. Was ist Simmels Beitrag zum Fortschritt in der Geldtheorie?
    Analogie: Platon hatte das Reich der Ideen für metaphysische Realität gehalten, Simmel erkennt das als gedankliche Konstruktion. Das ist Ausdruck des Fortschritts der Philosophie. Gesellschaften der Vergangenheit haben im Geld nur dessen substanziellen Wert gesehen, Simmel deckt dessen symbolische und soziale Funktion auf. Das ist der Fortschritt in der Geldtheorie
  28. Simmel und Kant
    • In „die Probleme der Geschichtsphilosophie“ greift Simmel die erkenntnistheoretische These Kants von der Verfertigung des Gegenstandes im Laufe der Beschäftigung mit ihm auf. Er kritisiert den Geisteswissenschaftler, der meint, die Wirklichkeit naturgetreu abspiegeln zu können. Was im Prozess
    • wissenschaftlicher Tätigkeit geschieht, vergleicht Simmel mit der Leistung eines Künstlers. Bei dessen Kunstwerk gibt es ebenfalls Unterschiede zwischen Realität und Kunstwerk.

    Kant unterscheidet unterschiedliche Arten der Gewinnung von Erkenntnissen: Verstandeserkenntnisse und Vernunfterkenntnisse. Der Verstand ist zuständig für die Auseinandersetzung mit den sinnlich erfahrbaren Objekten, die Vernunft für das immer weitergehende Vordringen in die Welt der Ideen (Vernunftbegriffe). Zweiteilung: Erkenntnisse die in der Erfahrung überprüft werden können und solche die der Erfahrung unzugänglich sind. Wie Kant sieht auch Simmel in der Leistung der Vernunft eine Fortsetzung der Sinneserfahrung mit anderen gedanklichen Mitteln. Fazit Kant: Die Bedingungen der Erfahrung sind zugleich die Bedingungen der Gegenstände der Erfahrung. Diese gedankliche Leistung sieht Simmel in Analogie zum Kunstschaffen und begreift Wissenschaft, Religion, Kunst, Spiel und eben auch Gesellschaft als Formungen, die als Resultat dieses Prozesses verstehbar sind.

    Simmel Sieht die Erkenntnisgewinnung in einem Kreislauf der Wechselwirkungen: Der Kreislauf beginnt mit dem Erleben, aus Erfahrung entsteht reines Denken, und das führt wieder zu neuen Erfahrungen. Dieses Wechselspiel zwischen Vorstellen der Erscheinung und Vorstellen ihres Wesens kann nur gelingen wenn das um Erkenntnis bemühte Subjekt aktiv (kreativ handelnd) ist. Auf diesen Gedanken basiert die Erkenntnistheorie des handelnden Menschen Simmels.

    Da über das Handeln die Interessen des Subjekts in den Erkenntnisprozess einfliessen, ist es auch das subjektive Interesse das als letzte Instanz das Denken dirigiert. (Zusammenhang zwischen Erkenntnis und Interesse -> Wissenssoziologie)

    Die Wahrheit ist relational

    Der Sitz der Realität sind die Relationen
  29. Form und Inhalt:
    Simmels Operationalisierung des Gesellschaftsbegriffs erfolgt über die Begriffe Form und Inhalt. Jede Wechselwirkung zwischen mehreren Akteuren wird unterteilt in Form und Inhalt. Durch unterschiedliche Inhalte ergeben sich verschiedene Formen der Vergesellschaftung, was wiederum für Simmel das abstrahierte Objekt der Soziologie ist.
  30. Wie kommt das Individuum in die sozialen Formen
    hinein?
    • Diesen Prozess verdeutlicht Simmel am Beispiel der
    • Wechselwirkung zwischen dem Individuum und der Gruppe, der es aus versch. Gründen (Geburt, Zuweisung oder Interesse) verpflichtet ist. Der Angehörige einer Gruppe amalgamiert (vermischt) seine Interessen mit denjenigen der Gesamtheit. Und so werden ihre Interessen seine Interessen und umgekehrt. Die Erfahrung der Wechselwirkung mit den anderen hat auch zur Folge, dass der Einzelne sein Schicksal mit dem der Anderen analogisiert. Diese Analogisierung des eigenen Schicksals mit dem des Nachbars (was mir heute passiert ist könnte ihm Morgen auch passieren und umgekehrt) ist einer der mächtigsten Hebel der Vergesellschaftung überhaupt -> Solidarität

    Sozialisierung heisst für Simmel, das Soziale, „die Gesamtheit“ in sich aufzunehmen.
  31. Individualität Definition
    Individualität ist der einzigartige Stil, der allein schon durch die einzigartige objektive Verortung des Individuums in Raum und Zeit bedingt ist. Identität, kann man den Gedanken weiterführen, ist das Bewusstsein dieses Stils des Lebens.
  32. Die Gleichgültigkeit und Indifferenz sind aber
    Voraussetzungen des urbanen Zusammenlebens. Simmel kenzeichnet den Umgang der Grossstädter mittels dreier Merkmale:
    • Intellektualität
    • Reserviertheit
    • Blasiertheit
  33. Die drei Merkmale der Grosstädter:

    Intellektualität
    Die Grossstädter durchdringen alle Beziehungen mit rationalem Kalkül. Der Verstand ist das unempfindlichste, am wenigsten auf die vielfältigen Reize reagierende Organ. Die Intellektualisierung dient somit als Schutzorgan, als Präservativ des subjektiven Lebens gegen die Vergewaltigung der Grossstadt.
  34. Die drei Merkmale der Grosstädter:

    Blasiertheit
    Die Sinne der Grossstädter sind gegenüber den ständigen Reizen abgestumpft. Sie wiegen sich in der Gewissheit alles schon einmal erlebtzu haben, nichts mehr kann sie überraschen. (hier noch das Beispiel des Dandys einbringen).

    Die Stadt ist der Sitz der Geldwirtschaft, und die Blasiertheit des Städters ist der getreue subjektive Reflex der völlig durchdrungenen Geldwirtschaft. Indem sie alle qualitativen Differenzen auf solche des rein quantitativen Geldwertes reduziert, ermöglicht die Geldwirtschaft jene Sachlichkeit und Indifferenz gegenüber Menschen und Dingen, die sich der Grossstädter auch als Schutz gegen die Überforderung seiner Sinneswahrnehmung zulegen muss.
  35. Fazit zum Grosstädter
    Zwar ist der Großstädter persönlich freier als in anderen gesellschaftlichen Verhältnissen, doch gleichzeitig ist dieser auch einsamer und orientierungsloser. Diesem Zustand versucht das Individuum zwar durch das Konsumieren immer neuer Erlebnisse zu entkommen, doch ist es letztendlich "dem Überwuchern der objektiven Kultur. weniger und weniger gewachsen.











    • [1]
    • Simmel, Die Großstädte, S. 131.
  36. Die drei Merkmale der Grosstädter:

    Reserviertheit
    Der ständige Kontakt mit einer Vielzahl fremder Menschen zwingt die Grossstädter zu einer Distanziertheit gegenüber anderen, die sich bis zu einer Aversion, Fremdheit und Abstossung steigern kann.

    Es ist weder möglich noch wünschenswert, mit allen diesen Personen in Kontakt zu treten. Würde man es trotzdem tun, so würde man sich innerlich völlig atomisieren.
  37. Kritik Simmels an der Finanzspekulation
    Simmel sieht die Verwendung von Kapital zur reinen Finanzspekulation als Ursache von Krisen an. Um Krisen zu verhindern, müsse Kapital deshalb einer realwirtschaftlich produktiven Verwendung zugeführt und dürfe nicht rein spekulativ eingesetzt werden.
  38. Der Pragmatismus von Simmel
    Dabei ist sich Simmel mitWilliam James einig, dass wir eine Vorstellung solange für wahr erachten, wie sie zu glauben uns als nützlich erscheint

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